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Dreizehnter Brief.
wenn er den Quintilianischen Spruch: „das Herz machtden Redner“ so verbessert:
„Doch werdet Ihr nie Herz zu Herzen schaffen,
Wenn es Euch nicht von Herzen geht.“
Hier ist nämlich das ganz Richtige gesagt, dafs ohne Ge-fühl keiner ein Redner sein werde, während QuintiliansAusspruch glauben macht, dafs Herz und Gefühl dazu schonausreichen. Wie falsch dies ist, zeigt unsere Zeit, diesich so vieler edler Herzen rühmt, bei der aber dieRedner ebenso selten, wie die Phrasenmacher dicht ge-säet sind.
Hatte ich bisher nur zu zeigen versucht, wie sich meineAnsicht zu andern verhält und wie sie instand setzt,diese richtig zu würdigen, so lassen Sie mich nach diesenmehr äufserlichen Betrachtungen zu dem Wichtigsten über-gehen, nämlich dazu, was denn nach dem Gesagten diewesentlichstenEigentümlichkeiten des Gefühls sein werden.Ist das Gefühl nichts anderes als das selbst Dabei- undpersönlich Interessiert-sein, so ist der Geist als fühlenderoffenbar nur mit sich selbst beschäftigt oder hat es nurmit seinem eigenen Zustand (des Dabei-seins) zu thun.Dies ist der Grund, warum einige Psychologen das Gefühlals einWeben in sich bezeichnet haben. Dies fernerder Grund, warum ich bei der Darstellung von Zuständen,welche uns gleichfalls ein solches Mit-sich-zu-thun-habenzeigten, das Wort Gefühl nicht habe vermeiden können,so, wenn ich vom Selbstgefühl und Gemeingefühl sprach,oder wenn ich den fünften Sinn, dem gewöhnlichen Sprach-gebrauch gemäfs, Gefühlssinn nannte. Dies wird nun sehrhäufig übersehen, und wenn man es im gemeinen Leben,wo die Worte überhaupt nicht auf die Goldwage gelegtwerden, gestattet, zu sagen: ich fühle, dafs der Morgengraut, so sollte man in dem wissenschaftlichen Sprach-gebrauch strenger sein. Schleiermacher , der zuerst mit Kon-