Fünfzehnter Brief.
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sichtlich ihrer Zeichen sich ebenso produktiv alsreceptiv verhält? Sollte ein solches Verhalten möglichsein, so ist klar, dafs darin die bezeichnende Intelligenzihre höchste Stufe erreicht hätte, indem sie ja, was sieeinerseits und andererseits gewesen war, d. h. ihre beidenSeiten, vereinigte und also als Ganzes gesetzt wäre.Offenbar vereinigt sich aber beides wirklich dort, wo dieIntelligenz die Vorstellungen ebenso wie die Zeichen der-selben k o m b i n i e r t und in diesem Kombinieren neue Vor-stellungen und neue Bezeichnungen hervorbringt. Siebedarf da einerseits der Komponenten und empfängt die-selben und produziert andererseits wirklich Neues. DieIntelligenz, wie sie Wörter kombiniert oder spricht,nenne ich Verstand, und setze eben darum das Sprechenund das Verstehen als untrennbare Korrelate, wie nichtnur der gemeine Sprachgebrauch thut, welcher die Spracheein Verständigungsmittel nennt, sondern auch die tief-sinnigen Untersuchungen eines Wilhelm von Humboldt vor-trefflich auseinandersetzen. Ich habe mit Absicht bisherdas Wort Sprache, Sprechen vermieden, ja, ich habe nichteinmal Worte (paroles), sondern immer Wörter (mots)gesagt, um die Vorstellung von einer Wortverbindungoder von dem Sinn einer solchen fern zu halten. Wennein Kind Papa und Mama sagt, so spricht es noch nicht,obgleich es den Vater und die Mutter nennt; ja selbstwenn es, wie viele kleine Kinder zum Entsetzen derAmmen, jeden Mann Papa nennt, so ist Papa nur eineinzelnes Wort, aber es ist noch nicht zu einer Rede ge-kommen , in welcher mehrere zu einem Ausspruch ver-bunden werden. W T Örter produzieren ist noch nicht Sprechen,obgleich dies letztere nicht ohne jenes denkbar ist. Ganzähnlich ist das Verhältnis des Verstandes zum Gedächtnis.Er setzt das Gedächtnis voraus und ist, wo gar keinGedächtnis stattfindet, unmöglich. Ja, manche Akte des