Sechzehnter Brief.
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flexion genannt habe. “ Dies wären Ihre Klagepunkte. DenWiderspruch im Begriffe des Verstandes und Gedächtnisses,ja noch mehr im Begriffe des Vorstellens überhaupt habeich so wenig verbergen wollen, dafs ich vielmehr ihn indie Bezeichnung hineingenommen habe. Da unter dem Endeeines Gegenstandes der Punkt zu verstehen, wo er ist undnicht ist, wo er endigt und anderes anfängt, oder auchanderes endigt und er anfängt, so heifst „endlich“ Wider-spruch enthaltend. Dafs ferner der Verstand mehr, alsmit dem Begrifle der Intelligenz vereinbar ist, blossesIch zu sein scheint, mufsten Sie gleichfalls erwarten nachdem, was ich gegen den Schlufs meines letzten Briefesgesagt habe, dafs sich in der bildenden Thätigkeit ebensodas Ich, wie in den an das Gefühl sich anreihenden Er-scheinungen die Individualität wiederhole. (Dafs Sie dabeigerade mit der erklärenden Reflexion den Verstand zu-sammenstellen, damit beweisen Sie, was ich schon öfterbemerkt habe, dafs Sie viel mehr Hegelianer sind als ich,da Hegel in seinem ersten grofsen Werke wirklich jeneForm des Bewufstseins Verstand nennt.) Gerade dies aber,dafs so in der einen Gruppe das eine, in der andern dasandere Moment hervorgetreten ist, die ich in der Intelli-genz unterschieden habe, gerade dies läfst erwarten, dafses ein Gebiet geben werde, wo sie ohne alle Einseitigkeit,über jene hinausgehend, sich vollendet, und so hat IhrEinwand mir die Veranlassung gegeben, ohne einen gewalt-samen Sprung in dieses hineinzutreten und, indem ichdie völlige Realisation der Intelligenz betrachte, den Fa-den meiner Untersuchung wieder aufzunehmen, den IhreRotstifte zerrissen, in den Sie wenigstens hinderndeKnoten hineingebunden hatten.
Da ein Gegensatz nicht dadurch überwunden wird, dafsvon dem Entgegengesetzten das eine und auch das anderegilt, sondern nur dann, wenn eines blofs vermittelst