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Psychologische Briefe / von Dr. Johann Eduard Erdmann
Entstehung
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429
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Siebzehnter Brief.

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ich wiifste, er thäte es aus Verachtung, meine Abneigungnoch gröfser werden, was ein deutlicher Beweis ist, wieAbneigung aus Abneigung ihre Nahrung zieht.) DieUnterschiede, welche zwischen den verschiedenen Formender gegenseitigen Neigungen gemacht wei'den, betreffeneigentlich nur ihren Grad; dieser Umstand und derMangel an einem strengen Sprachgebrauch läfst vielesder Willkür anheimgestellt erscheinen. Auf eine Liniewürden wir das gegenseitige Interesse und den Grollstellen, wo zwei Individuen, ohne zu wissen warum, sichangezogen oder abgestofsen fühlen, ein Zustand, dernamentlich für den beobachtenden Dritten manchmaletwas sehr Erheiterndes hat, wenn man nämlich merkt,dafs jene Personen wirklich gar nicht wissen, warumihnen wohl oder unheimlich ist, wenn sie miteinanderzusammen sind. Fürchtete ich nicht, zu sehr als Syste-matiker zu erscheinen, so möchte ich hier an das Ge-lüsten und den Ekel erinnern, sowie an das Begehrenund Verabscheuen bei dem zweiten Grade der gegen-seitigen Neigung, wo sie den bewufsten Hafs und dasbewufste Verlangen nacheinander darbietet. Bei dieserZusammenstellung aber bitte ich den grofsen Unterschiednicht zu vergessen, dafs der Abscheu flieht, der Hafs da-gegen nachgeht. Dafs allen diesen Zuständen eine Vor-stellung zu Grunde liegt, darin besteht ihre Ähnlichkeit.Endlich könnte mit dem reflektierten Begehren verglichenwerden die Feindschaft mit ihrem Korrelat, der ver-langendenLiebe, welche der populäre Sprachgebrauchdadurch zusammenstellt, dafs er sowohl bei jener als beidieser sagt: die Zwei möchten sich fressen. Ich habeschon bemerkt, dafs hier vieles willkürlich erscheinenkann; rein in der Sache begründet aber, und darum nichtwillkürlich, ist die Einteilung in Selbstliebe, Neigung zuanderen und gegenseitige Neigung.