Ve r theil ung von Land und Meer. 28 l
Hebung des Landes, von -dem schweizerischen Meere nur einige mit Brack-wasser gefüllte Becken am Rande des Alpeugebirges zurückgeblieben, wo-gegen es in Bauern noch sich hielt. Es war also nicht der ganze Meeres-arm, der von Wien aus Mitteleuropa durchzog, zurückgetreten, sondern nurder Theil, welcher unser Land überfluthct hatte. Damals trat daher zumersten Male die penninisch-carnische Insel mit dem nördlicher gelegenendeutschen Festland in unmittelbare Verbindung. Diese wurde zwar durchdas neue Einbrechen des Meeres während der helvetischen Stufe wiederunterbrochen, aber zur Ocninger Zeit wieder hergestellt. Zu dieser Zeit wardas Meer nicht nur aus der Schweiz, sondern auch aus Bayern verschwun-den, die Niederung von Wien war von Brackwasser, die ungarische Ebenedagegen von Meer bedeckt, wie denn auch der aralo-pontische Ocean nochlange über weite Ländergebiete sich ausbreitete. Wir sehen demnach, daßder mehrfache Wechsel von marinen und Süßwassergebilden unserer Molassemit dem Steigen und Fallen des Wassers in dem langen mitteleuropäischenMeeresarm zusammenhängt; ein Steigen und Fallen, das ohne Zweifel durchdie allmälige Senkung und Wiederhcbnng des Kontinentes 'bddingt wurde.
Die Ausmittlung der Verbreitung der MeereSmolasse gibt uns Auf-schluß über die Ausdehnung, welche das Meer in unserem Lande erhielt;über die Gestaltung des Bodens des Festlandes aber wird man mit derZeit Kunde erhalten, wenn einmal die Beschaffenheit und die Herkunft derLand- und Geröllmassen, welche diesen mivcenen Boden bilden, genauerermittelt sei» wird, als dieß gegenwärtig der Fall ist. Wir müssen uns dieganze aus Molassengesteinen gebildete Decke, welche jetzt unser Land be-kleidet, Hinwegdenken, wollen wir uns eine Vorstellung von der Konfigu-ration des damaligen Landes verschaffen. Es wird eine Zeit kommen, woman den Lauf der miocenen Flüsse und Bäche, die Ausdehnung der Seenund Teiche, die Bildung der sie trennenden Hügel und Thalgründe wirdansmitteln und auch bildlich auf Karten darstellen können. Bei unsererjetzigen, noch sehr mangelhaften Kenntniß dieser Verhältnisse können wirerst die allgemeinste» Umrisse unserem geistigen Auge veranschaulichen.
Ueber das Aussehen des Landes zur Tongerzeit sind wir noch ganz imDunkeln; wie wissen nur, daß seine nordwestliche Grenze von Meer umspültwurde und daß dasselbe bis über Basel in die Gegend von St. Jakobund Doruach-Bruck, bis Rädcrsdorf, Pruntrut, Delsberg und die Um-gebung der Brcnets (Kanton Neuenburgl eingedrungen war. Es griff offen-bar in mehreren Fjords in das weiter südlich gelegene Land ein und zeigtuns daher überall die Erscheinungen der Küstenbildung. Die Jurakalkfelsen,welche sein Ufer bilden, sind von zahlreichen Bohrmuscheln durchlöchert und