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Die Urwelt der Schweiz / von Oswald Heer
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Das Molassenland der Schweiz .

wenigstens einige Winke über die Bodenbcsckasfenheit der damaligen Zeit;dagegen fehlt uns alle Kunde über das Aussehen unseres jetzigen Alpeu-landes. Wir können nur sagen, daß eS höher gelegen gewesen sein mußals daS Molassenland, da das Molassenmccr nirgends in dasselbe eindrang.

Wir haben früher gesehen, daß schon in uralter Zeit in der Richtungunserer Ccntralalpen Festland war; bei der allmälig fortschreitenden konti-nentalen Hebung wurde dasselbe fortwährend vergrößert; es legten sich andiesen krystallinischen Kern an seiner Nord- und Südseite zunächst das imJuramecr gebildete Land, dann die Niederschlägt der Kreidezeit und zuletztdie eoccnen Gebilde. Dadurch wurde das Festland nicht nur vergrößert,sondern die ältern Theile werden auch eine bedeutendere Höhe erhalte»haben. Es hat aber dieß Land in der Folge, wie wir dieß in einemspätern Kapitel besprechen werden, eine so großartige Umwandlung er-fahren, daß wir uns über seine damalige Gestaltung keine sickere Bor-stellung zu bilden vermögen. ,

Dasselbe gilt von der Kette des Jura. Sie muß zwar zur mioeenenZeit schon da gewesen sein, indem die Mecresnicdcrschlägc sich nur an i Fußderselben angesetzt haben. Da das Meer aber in einzelnen Fjords nachDelsberg und La Chaur de Fonds reichte und ferner nock während derjüngsten Molasfenzeit die Gewässer von den Bogefen durch das Pruntrut und Delsberg flössen und unserem Becken zuströmten, muß auch der Juradamals eine ganz andere Gestalt gehabt haben als gegenwärtig.

Das mächtige Auftreten der Nagelfluh und das Bvrkvmmeu fremd-artiger Gesteine in derselben ist eine so überaus merkwürdige Erscheinung,daß sie seit langer Zeit unsere Geologen beschäftigt und die Ausstellungmannigfacher Hypothesen * veranlaßt hat. Die Herren Studer und Eschernehmen an. daß längs des nördlichen Alpcurandes sick eine Reihe vonHügeln ausgedehnt habe, welche aus buntem Granit, Porphyr, Serpentinund metamorphischcn Schiefer» bestanden habe, ähnlich etwa dem Hügel-land, das von Lugano bis Jvrca den Südrand der Alpen begrenzt. Durch

* Vgl. Studer Monographie der Melasse S. 159 und Geologie der Schweiz . II.T- 387. Leopold pon Buch ließ die Gerölle der Nagelfluh aus dem Innern der Erde auf-steigen. Es ist, sagt er (Lagerung der Braunkohlen. Sitzungsberichte der Akademie in Berlin .>851. S. I2>, die Nazelflubkette eine in der Tiefe durch Reibung bei dem Ausbruch unter-irdischer Mächte entstandene, und nach der Bildung der Molasse und somit der ganzenTertiärformation gewaltsam hervortretende Masse. Allein die Abrundung der Gerölle, dieVersteinerungen, welche man in denselben gefunden, die Art ibrer Lagerung und ihr Wechselmit Mergel und Sandsteinen, die Pflanzen und Thiere, welche diese cntbalten. zeigen, daßsie im Wasser entstanden sein müssen und ihre Bildung in die miocene Zeit fällt.