Herleitung der bunten Nagelfluh. 287
die Verwitterung dieser Hügel, die später bei der Hebung der Alpen indie Tiefe versunken wären, und die Brandung der sie bespülenden Gewässerwären die Gerölle entstanden, welche die bunte Nagelsinh bilden.
Die gröber» Kiesel, sagt Stndcr, welche die rückkchrende Brandungnäher an der Küste liegen ließ, lieferte» die Bestandtheile der Nagelfluh,der feinere Sand und Schlamm gab der Molasse und den Mergeln dieEntstehung. Weiter vorspringende Landzungen oder Inseln oder alpinischeStröme mögen das stärkere Vordringen der Nagclfluh im Emmenthal undToggenburg erklären. Durch einen parallel dem Alpcnrande entstandenenRiß seien die granitischen Vorhügel gespalten worden und der Seegrundallmälig tiefer geworden, so daß die Trümmer der stehen gebliebenen Fels-küste sich in großer Ticke haben anhäufen können; später seien in Folgeeines vom Innern der Alpen ausgehenden Druckes die benachbarten Kalk-gebirge über die Küstenbildung vorgeschoben worden. Die Nagclflnhbänkcwurden niedergedrückt und die letzten Ucberrefte der granitischen Vorhügelin die Tiefe gestoßen und durch aufliegende Kalkmassen bedeckt.
Vom Schwarzwald können wir die fremdartigen Gesteine der buntenNagelflnh nicht wohl herleiten, da in diesem Falle die jurassische Nagel-fluh sie in viel größerer Menge besitzen müßte als die viel fernere, inder Nähe der Hochgebirge, während gerade das Umgekehrte der Fall ist.Wir sind daher zu der Annahme genöthigt, daß sie von einer Hügel- oderBergkette herkommen, die jetzt verschwunden ist. Es scheint mir aber, daßdiese Erscheinung mit einer anderen in Verbindung stehe, auf die wir schonwiederholt geführt worden sind, und daß sie durch sie wenigstens theilweiseihre Erklärung finden dürste.
Wir haben gesehen, daß die Thicrwelt des Meeres zur Jura- undKreidezeit (siehe S. 162 und S. 179) in der westlichen Schweiz einenetwas andern Charakter hat als in der östlichen und daß anck die Gc-stcinsbeschaffenheit des weißen Jura (S. 157> und des Nummulitengebirges(S. 251) auf der Linie, die wir uns von Basel nach dem Gotthard gezogendenken, sich ändert. Wir haben dieß durch die Meerenge zu erklären gesucht,welche zwischen dem Schwarzwälder-Vorgebirg und der alpinen Insel (vomWettcrhorn bis an die Rcnß) bestanden haben muß. Nehmen wir nun an,daß ein Ausläufer des Schwarzwäldcr-Gebirges bis in die Gegend desNapf gereicht habe, so erklären sich unö, wie mir scheint, die vorhandenenThatsachen, so weit sie die mittlere Schweiz betreffen, am einfachsten. ZurJura- und Kreidezeit wäre er vom Meer bedeckt gewesen, bei der allge-meinen Hebung des Landes, die zur aquitanischen Zeit das Meer ausdiesen Gegenden verdrängte, aber trocken gelegt worden und als Hügelland