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Die Urwelt der Schweiz / von Oswald Heer
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Das Klima des Molassenlandes.

ausgestvrbcnen Arten entsprechen die meisten mittelmeerischen, viele aberauch tropischen Typen. Es ist also nicht die Breitenzone der Schweiz , son-dern die des Mittelmceres, in welcher die meisten übereinstimmenden Weich-thicrarten unserer Molasse gefunden werden und zwar wieder durch die Bei-mischung der tropischen Formen mehr der südliche als der nördliche Randdes Mittelmeeres. Geben wir daher dem Meere unserer vierten Molassen-stufe, welche nahe an die Ocningcr sich anschließt, dieselbe Temperatur, wiesie jetzt das nordafrikanische oder madeirensische Meer besitzen, so erklärensich uns daraus alle früher besprochenen Vorkommnisse der Thierwclt.

Wir sehen demnach, daß die Bewohner des Festlandesund des Meeres zusammenstimmen, um unserem Molassen-land einen subtropischen Charakter zu geben. Es ist diesernicht von einigen wenigen Pflanzen oder Thieren abge-leitet, sondern von einer reichen Flora und Fauna, dieeinen ganzen Komplex der Mannigfaltigsten Erscheinungenuns darstellt, wie er nur durch die Annahme eines solchenKlima's erklärt werden kann.

Derselbe Naturcharaktcr spiegelt sich aber in der mioccnen Flora undFauna nicht nur in der Schweiz, sondern in ganz Mitteleuropa, * wogegender Norden ein kälteres Klima besaß. Es fand daher schon damals eineAbnahme der Wärme nach Norden hin statt. Wir erfahren dieß aus denmiocenen Pflanzen, welche man in den vulkanischen Gesteinen und denBraunkohlen von Island (dem sogenannten Surturbrand), in eisenhaltigenThonsteinen der Tiscoinsel in Grönland (bei 70 ° n. Br.) und am Bärensee-fluß in Nordamerika (bei 65 ° n. Br.) gefunden hat. An allen diesen Stellensind die Reste von Bäumen und Sträuchern gesammelt worden, deren homo-loge Arten gegenwärtig nicht mehr in solchen hochnordischen Gegenden vor-kommen. Von Island habe ich 31 Arten nachweisen können, darunter er-blicken wir 8 Nadelhölzer (Föhren, Weiß- und Rothtannen und einen Mam-muthbaum Fig. 160), drei Birken, eine Erle, Weide, Haselnuß, Eiche, Ulme,Platane und Weinrebe, ferner einen Tulpenbaum (Fig. 186), einen Kreuz-dorn, eine Sumach- und eine Baumnuß-Art. Aus Grönland kennen wirdieselbe Haselnuß- **, Eichen- und Kreuzdornart wie aus Island , aber aucheine Pappel (Uopnlus Ricllaräsoni Hr.) und eine Salisbnrie (8. dorealis llr.)war damals in dieser Gegend zu Hanse . Dieselbe Pappel erscheint mit der

* Ich habe dieß nachgewiesen in meinenrecUereKss sur ts eiirnat et la Vegetationän xavs tsrtiairs. 1'raäuetion <1s 6U. kanclin." S. 66 u. f.

** Lor^Ius ^lao ljuarrii, (jnercus Oiaiseni Ii>, unb ItUamnus üriiiani I7ng.