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Die Urwelt der Schweiz / von Oswald Heer
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Kälteres Klima im Norden Europa's . -181

Haselnuß in dem pflanzenfnhrendcn Weißen, blättrigen Thon, welchen Richardsonam Bärenseefluß entdeckt hat; aber auch die Sumpfcyprefse (Fig. 157) und derRothholzbaum (Secinoia I^anAsäorüi Lr. sx.) und ferner eine Ahornart sindunter diesen Pflanzen. So verschieden diese Flora von derjenigen ist, welchejetzt in diesen nordische» Gegenden vorkommt, schließt sie doch keine Artender heißen oder subtropischen Zone ein; es sind mit Ausnahme der Nadel-hölzer alles Bäume mit fallendem Laub, deren ähnlichste lebende jetzt dengemäßigten Klimate» angehören oder doch in diesen die Winter im Freienaushalten. Als die südlichsten Formen haben wir die Seguoien, die Salis-bnrie und den Tulpenbaum zu bezeichnen; wir haben aber früher gesehen,daß auch für sie ein Klima mit 9" C. Jahrestemperatur genügen würde,da sie in unserer Gegend die Winter ertragen und auch für den Tulpen-baum die Polargrenze anfalle Isotherme von 89" C. fällt. Die Isothermevon Nullgrad geht gegenwärtig durch das nördliche Island; wenden wirdaher die früher für die miocene Zeit gefundene Temperaturerhöhung von9 Grad auf Jöland an, so erhalten wir für diese Gegend ein Klima, welchesdas Borkommen aller dort bis jetzt gefundenen Terliärpflanzen erklärt. DasFehlen der immergrünen Lanbbäume und der in unserem Molasscnland sohäufigen Laurineen zeigt uns, daß schon damals eine ähnliche Wärmeabnahmenach dem Norden hin stattfand wie gegenwärtig.

Dasselbe bezeugen auch die mioeenen Pflanzen, welche man im Sam-land bei Königsberg und bei Tanzig entdeckt hat. Dort fehlen die Lauri-neen, wogegen bei Danzig der Scheuchzerische Zimmt vorkommt. Gegen-wärtig hat Danzig eine mittlere Jahrestemperatur von 7.6" C.; rechnen wirdie früher gefundenen 9" C. hinzu, so erhalten wir für daS untermiocencKlima dieser Gegend 16.6" C., so daß jene Bäume noch gar wohl in der-selben gedeihen konnten. Die bis jetzt bekannte nördliche Palmengrenze liegtim »ntermioccnen Europa bei 51>/^° n. Br. und fällt aus die jetzige Iso-therme von 9" C.; bei Hinzurechnung von 9" C. erhalten wir eine mittlereJahrestemperatur von 18" C., was sich mit der jetzigen Palmengrenze ver-trägt. In Schoßnitz bei BreSlau wurde von Pros. Göppert eine reiche Floraentdeckt, welche zur Oeningerzeit dort gelebt hat. Ihr fehlen die tropischen undsubtropischen Formen, was uns nicht befremden kann, denn es hat, wenn wirdie Temperaturerhöhung der fünften Molasscnstufc zu der jetzigen hinzurechnen,eine Jahrestemperatur von 15° C. gehabt, welche wohl hinreichend war, umAmberbäume, Sumpfcyprcsscn und einzelne immergrüne Eichen zu erzeugen,nicht aber um Palmen, Zimmtbäume und scinblättrige Acazicn hervorzu-bringen, wie sie damals noch in der Schweiz und in Oberitalien die Wäldergeschmückt haben.

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