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Die Urwelt der Schweiz / von Oswald Heer
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Die Gletscherzeit.

zu veranschaulichen, wie sie am Schluß der zweiten Gletscherzcit in dernächsten Umgebung unserer Stadt ausgesehen habe. Der Gletscher ist imRückzug begriffen; die Hügelketten, die er einst überzogen, sind wieder mitdunkler Nadelholzwaldnng bekleidet und nur die Fläche des See'S ist nochvon dem Gletscher eingenommen, über welchen zwei lange Seitcnmoränenverlaufen; sein Nordende ist zerrissen und zerspalten und zahlreiche Stückehaben sich losgetrennt und schwimmen dem Lande zu. Den Vordergrundbildet die Endmoräne, deren mächtige Blöcke einst vom Gletscher dahingetragen wurden. Die Zwergföhre und Alpenerle bekleiden sie nur kümmer-lich. Eine Familie von Murmelthicren tummelt sich zwischen den Felsblöcken,während zur Rechten einige Mammnlh-Elephanten erscheinen und weitervorn ein Trupp Rcnnthiere zur Tränke geht. Im Hintergrund erscheinendie schneeweißen Alpen, vom Glärnisch bis zur Windgellc, die Bildungs-herde der Gletscher, welche von ihnen aus in das Flachland hinaus reichen.

Ist über unsere nördliche Hemisphäre eine solche Eiszeit gekommen,muß sie auch in den Bewohnern des MeereS sich kund geben. Dieß ist inder That der Fall. Es ist nachgewiesen, daß in den marinen diluvialen Ab-lagerungen von Schweden , Schottland und England die Fauna einen mehrnordischen Charakter erhalten hat und daß dieser auch im Mittelmeer , selbstin Sicilien, sich noch in mehreren Arten kund gibt. ES sind hochnordischeFormen damals weit nach Suden vorgedrungen und später dann wiederzurückgedrängt worden. Wir finden daher die meisten nur noch fossil in dendiluvialen Ablagerungen dieser Länder, einige aber auch noch lebend ingroßen Tiefen und da, wo kalte Quellen am Mcergrunde hervorbrechen, undes wiederholt sich hier im Meer dieselbe Erscheinung, welche wir früher beiden Landpflanzen und Landthieren kennen gelernt haben. So finden sichKolonieen norwegischer Krebse im Quarncro des adriatischen Meeres, fernerKolonieen arktischer Thiere in den eflift mit dem Meer verbundenen, durchdie Hebung des Landes jetzt aber von ihm getrennten Seen an den KüstenNorwegens .

Ucberblicken wir daher die zahlreichen Thatsachen, welche die unor-ganische und organische Natur an die Hand gibt, sind wir zu der Annahmegezwungen, daß auf die warme tertiäre Periode eine Zeit mit viel kälteremKlima, als wir es jetzt bei uns haben, gefolgt sei. Schon wahrend dertertiären Zeit fand eine allmählige Tempcraturabnahme statt, wie eine Ver-gleichung der Oeningerflora mit der der untern Molasse uns zeigt, und zurpliocenen Zeit näherte sich das Klima dem jetzigen (vgl. S. 506). In der darausfolgenden diluvialen Periode sank die Temperatur zur Zeit der größten Gletscher-verbreitung um mehrere Grade unter die jetzige hinab. Würde gegenwärtig