Zeiten der Hebung.
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bildung abgeschlossen war, muß sie in die pliocene Zwischenzeit fallen. Wäh-rend dieser gingen daher die großartigsten Berändcrnngen in der orogra-vhischen Gestaltung unseres Landes vor sich. Zu dieser Zeit wurden diekrvstallinischen Gebirge, welche wahrscheinlich schon zur Kohlcnzcit eine Inselgebildet haben (S. 3), durch einen ungeheuren, aus dem Erdinnern aufsie wirkenden Druck zu himmelhohen Bergen aufgcthiirmt. Durch sie wurdendie geschichteten Gcbirgsmasscn, welche im Lause der Zeiten wie ein Mantelum die massigen sich herumgelagert hatten, zerrissen und durch seitlichenDruck zu hohen Satteln aufgetriebcn oder in Grathe gespalten, nicht seltenauch überstürzt und die Scherben, beim Eiobruch der Flüsse entstandenenEistafeln vergleichbar, über einander geschoben, und so entstanden die un-endlich mannigfaltigen Gebirgsformen, die unserem Lande einen so großenReiz verleihen. „Wie ein Ninggebirge mit schroffem inner»! Absturz dencentralcn vulkanischen Herd umgibt, sagt Studer in seiner Geologie derSchweiz (I. S. 165), so kehrt die erste, zuweilen auch eine zweite und dritteKalkkette dem Granitgebirge steile, oft hoch in die Schueeregion aufsteigendeFelswände zu und ihre Schichten fallen von demselben weg." Die krystalli-nischen Gebirge, welche die centrale Schweiz durchziehen und ihre höchstenBerge bilden, sind daher als die eigentlichen Träger dieser großartigen Er-scheinung zu betrachten. Sie verfolgen im Ganzen die Richtung von West-südwest nach Ostnordosten, bilden aber keineswegs eine zusammenhängendeMasse, sondern lassen sich in eine Zahl von Glieder zerlegen, deren massigeGesteine von geschichteten (neptunischen) getrennt werden. Es unterscheidetStuder elf solcher Ceutralmassen, welchen besondere Herde der Hebung zuGrunde zu liegen scheinen, die aber wahrscheinlicher Weise alle zu gleicher jZeit in Thätigkeit waren. Die Masse, aus der diese sämmtlichen Central-gebirge bestehen, gehört zwar znr uralten Grundfeste der Erde, ist aber erstin verhältnißmäßig später Zeit zu diesen mächtigen Gebirgen aufgestiegen.ES wird zwar die Gegend unserer jetzigen Alpen schon zur Tertiärzeit einLergland gewesen sein (S. 268), doch waren die Berge wahrscheinlich nichthoch, denn noch znr Zeit der Nummuliten- und Flyschbildung reichte dasMeer mitten in das Gebiet der jetzigen Alpen hinein. Der im Meer gebil-dete marine Flysch wurde allerdings schon am Schluß der eocenen Zeit ge-hoben, doch erst zur pliocenen wurde derselbe bis zu Höhen von 8000 Fußüber Meer aufgethürmt und die tertiären Muschelbänke des Tent du Midifinden wir gar bis zu 10,9-t0 Fuß Höhe. Es muß daher diese Hebung eineungemein großartige gewesen sein.
Zu gleicher Zeit mit den Alpen wurde auch der Jura gehoben. Zwarstand ein großer Theil desselben von der obern Kreidezeit an über dem