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Psychologische Briefe / von Dr. Johann Eduard Erdmann
Entstehung
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392
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Sechzehnter Brief.

dieselbe ist, welche im gemeinen Leben so ausgedrücktwird, dafs der Mensch seine Sprache lerne. Sie istseine, aber weil sie vorgefunden ist, ist sie zunächst nurseine Muttersprache, sie ist ein ihm überliefertes Ver-mächtnis, das sein ist, über das er aber erst schaltenund walten kann, wo er mündig geworden ist. Ister dies, hat er gelernt, seinen Mund und seine Zungezu gebrauchen, dann spricht er, wenn er seine Mutter-sprache spricht, nur seine eigene Zunge, und der Wider-spruch ist gelöst und überwunden.

Auch die folgende Bemerkung scheint mir männlichenUrsprungs. Ich soll das Wort Gedächtnis in einem zuengen Sinn genommen haben, indem ich das Namen-gedächtnis und das Zahlengedächtnis ganz aufseracht gelassen habe. Hier aber sollen die unerklärbarstenErscheinungen sich zeigen, nämlich dafs das eine vor-komme ohne das andere, und umgekehrt. Was nun daserstere betrifft, so bin ich allerdings zweifelhaft, ob mandas Behalten von Eigennamen Gedächtnis nennen darf.Mein Grund ist, dafs hier eben noch so wenig Gedachtesgegeben ist. Ich könnte darum sagen, dafs hier nichtalles, sondern nur ein Teil von dem hervortritt, was ichim Gedächtnis nachgewiesen habe. Das eine Moment,dafs man sich Laute eingeprägt hat und sich dieselbenwieder vergegenwärtigen kann, dies ist gegeben. Dieseeine Seite des Gedächtnisses hat die allerentschiedensteÄhnlichkeit mit der Rückerinnerung einer Lokalität, vonder es sich höchstens unterscheiden wird wie das Ohr vomAuge. Mich sollte es nicht wundern, wenn Sie die erstere-bei solchen sehr stark fänden, die ein scharfes Auge füralles und Talent zum Zeichnen haben, während die letz-tere Fähigkeit sich bei denen finden wird, welche einscharfes Ohr für Dialekte und Talent haben, sie nachzu-ahmen. Dieses Festhalten des Lautes aber ist nur eine