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Die Urwelt der Schweiz / von Oswald Heer
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571
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Zeiten der Hebung und Senkung.

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Utznach die Schieferkvhlen horizontal aus den senkrecht aufgerichteten Sand-steinfelsen liegen (vgl: S. 488. Fig. 329), so ist klar, daß die Hebung derMolasse vor der Ablagerung der Schiefcrkohlcn stattfand. Wo wir eine solcheungleichförmige (diskordante) Lagerung treffen, werden wir daher immerschließen können, daß in der Zwischenzeit eine große Veränderung statt-gefunden habe. Wo Schichten verschiedenen Alters in gleichmäßiger Lagerungauf einander folgen, wird keine partielle oder lokale Hebung eingetreten sein,dagegen ist eine allgemeine nicht ausgeschlossen. Wenn von zwei über ein-ander liegenden Schichten die untere Süßwasser- und die obere Mcercs-Thiere einschließt, werden wir daraus schließen, daß zur BildnngSzcit derersten das Land über dem Meeresniveau stand, zur Bildungszeit der zweitenaber unter dasselbe herabgesunken war, auch wenn sie eine gleichförmigeund regelmäßige Lagerung zeigen.

Der Wechsel zwischen Süßwasser- und Meeresniedcrschlägen wie diediskordanten Lagerungsverhältnisse zeigen uns, daß zu verschiedenen ZeitenNiveauvcränderungcn statt hatten, welche auf die Konfiguration des Landesden größten Einfluß ausüben mußten.

Die Anthrazitschicfer mit ihren Landpflanzen sind an manchen Stellen(so bei Petitcoenr) von marinen Liasschiefern überlagert, müssen also dortzur Liaszeit unter Meer gewesen sein; es zeigt dieß, daß wenigstens indieser Gegend seit der Kohlenperiode eine Senkung statt hatte. Bon derTriaszeit an ist aber in der nördlichen Schweiz ein Steigen des Landeswahrzunehmen, indem auf den marinen Muschelkalk der Keuper folgt (S. 47).Es fetzt sich dieses Steigen bis in die mittleren Schambelenschichten desuntern Lias fort, welche das Marimnm der Hebung darstellt (S. 67), dannaber beginnt ein Sinken des Landes, und daß dieses ziemlich rasch vorsich gegangen sein muß, zeigt der Umstand, daß auf die Festlandbildung derSchambelen marine Schichten folgen, welche dieselben Thicrarten enthaltenwie die liefern marinen Lager. Dieses Senken des Landes setzte sich fortbis in den braunen Jura. Während des weißen Jura fand wieder eineallmählige Hebung statt, welche zu Ende der Juraperiodc ihr Marimnmerreichte. Der ganze Gebirgszug unseres topographischen Jura tauchte vonOst nach West fortwährend aus dem Meere auf und wurde Festland. Wirhaben aber schon früher (S. 163, 164) gezeigt, daß während dieser langenZeit vielfache Schwankungen eintraten und so innerhalb derselben sekundäreHebungen und Senkungen unterschieden werden können. Das Endresultatwar aber eine Hebung, welche auch in Frankreich , Deutschland und Eng-land in großartigem Maßstabe sich kund gibt und daher als eine kontinentalebezeichnet werden muß. Sie erreichte ihr Marimnm zur Zeit der Wealden-