Ueber das Klima.
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vertieft und so an der Bodengestaltung wesentlichen Antheil genommenhaben. Ueberhanpt ist es sehr wahrscheinlich, daß damals viel mehr wässerigeNiederschlage stattfanden als gegenwärtig, und das Klima nicht nur einkälteres, sondern namentlich ein nässeres gewesen ist als gegenwärtig, indemnur so die ungeheure Anhäufung von Eismassen sich erklären läßt. InFolge dessen wird auch die Verwitterung unsrer Gebirge in großartigemMaßstabe vor sich gegangen sein und nichts kann augenfälliger uns davonüberzeugen, als die unermeßlichen Steinmaffen, welche von denselben heruntergefallen und über das ganze Tiefland verbreitet worden sind.
3. Das Klima der verschiedenen Welt alter.
Die Pflanzen und Thiere haben uns gezeigt, daß das Klima in derUrwelt sehr verschieden von dem jetzigen und vielfachen Aenderungen unter-worfen war. Es ließ sich dieß zum Voraus erwarten, denn die klimatischeKonstitution eines Landes hängt nicht allein von seiner geographischen Lage,sondern auch von seiner Höhe über Meer und der Vertheiln»;; von Landund Wasser ab. Mit dem Wechsel dieser Verhältnisse muß auch eine Aenderungim Klima verbunden sein. Will man sich darüber Rechenschaft geben, wirdman daher immer zunächst die Konfiguration des Landes zu ermitteln habenund nachsehen, ob die uns bekannten Erscheinungen zu Erklärung der ur-weltlichen ausreichen. Es ist dieß freilich nur bei den uns näher liegendenWeltaltern einiger Maßen möglich, je ferner sie uns stehen, desto mehr weichtauch ihre ganze Naturwelt von der jetzigen ab, und desto unsicherer werdenunsere darauf gebauten Schlüsse. Wir können daher von allen ältern Periodenvon den Steinkohlen an bis zur Tertiärzeit nur sagen, daß ihre Pflanzenund Thiere, so weit sie mit den Lebenden verglichen werden können, solchender warmen und heißen Zone am nächsten stehen und daß mit einigerSicherheit weder auf ein Steigen noch Sinken der Temperatur innerhalbdieser nngemein langen Zeit geschlossen werden kann. Mit der tertiären undnamentlich der miocenen Zeit tritt uns aber ein nngemein reichhaltigesMaterial entgegen und eine Schöpfung, welche uns gar viel sicherere undbestimmtere Antworten aus unsere Fragen gibt, daher wir einläßlich aufdieselben eingetreten sind (S. 465 u. f.). Wir haben gefunden, daß zuruntermiocenen Zeit das Klima Europa 'ö etwa um 9« C., zur obermiocenenZeit aber um 7" wärmer gewesen sei als jetzt, und daß schon damals einezonenweise Vertheilnng der Wärme stattfand, welche den ältesten Periodengefehlt hat. Diese höhere Temperatur unseres miocenen Landes kann zumTheil durch die damalige Gestalt Europa's erklärt werden. Ein Blick aufunser Kärtchen (Fig. 154 S. 278) zeigt uns eine andere Vertheilnng von