Buch 
Die alten Chroniken oder Denkwürdigkeiten der Stadt und Landschaft Zürich von den ältesten Zeiten bis 1820 / neu bearbeitet von Friedrich Vogel
Entstehung
Seite
210
JPEG-Download
 

210

ihrem Gottesdienst benutzt wurde. Vor dem Eingang in den Chor, wo der Tausstein steht, warder Tabernakel, bestehend in Tapeten, welche mit Heiligenbildern und Geschichten geziert waren,in der Mitte stand ein Pult mit verschiedenen silbernen und vergoldeten Leuchtern, wobei einPope oder Priester die Messe hielt. Vor der großen Kirchthüre hingen drei kleine, metalleneGlocken, mit denen man zum Gottesdienst läutete, u. A. Während der Zeit, als die Kirche zudiesem Zwecke diente, wurde der Gottesdienst für die Gemeinde im Musiksaal gehalten undkonnte erst nach dem Abzug der Russen, Ende September, wieder in die Kirche verlegt werden.

Freiamt .

Diesen Namen führte bis 1798 und zuweilen auch noch seither der Landstrich zwischen derAlbiskette und der Reuß, wovon der größte Theil die Landvogtei Knonau bildete, und es hattendie Bewohner bei KriegsauSzügen eine besondere Fahne, die FreiamtSfahne, die gegenwärtignoch vorhanden ist.

Freikompagrrien.

Die ersten derselben, an Zahl 4, wurden 1592 errichtet und bestanden aus junger Mann-schaft, die verpflichtet war, im Fall der Noth zuerst auszuziehen. Eine solche Kompagnie waranfänglich 300 Mann stark. Ao. 1677 wurden 10 Freikompagnien hergestellt, ihre Stärke aberauf 200 Mann reduzirt. Ao. 1713 wurde die Zahl der Freikompagnien auf 40 vermehrt, wovonaber jede bloß 100 Mann stark war, und 1775 wurde auch bei der Artillerie eine Freikompagnieerrichtet.

Freierregg.

Diesen Namen führte ein Burgstall in der Gemeinde Egg, der unweit der Kirche lag.Es ist aber durchaus unbekannt, wann die Edeln dieses NamenS erloschen sind und der Burg-stall zerfiel.

Freienstein.

Dorf und Schloß in der Pfarrei Norbas.

DaS Dorf Freien stein, welches etwa 45 Häuser zählt, liegt auf der rechten Seite der Töß.

Das Schloß war der Stammsitz der Edeln gleichen NamenS, die im 13ten Jahrhundertmehrmals in Urkunden als Wohlthäter von Klöstern erscheinen. Als sie sich aber in dem fol-genden Jahrhundert räuberische Gewaltthätigkeiten gegen zürcherische Bürger und Güter er-laubten, wurde die Burg im Jahr 1334 von den Zürcher« erobert und zerstört. Sie wardindeß wieder aufgebaut, erlitt aber im Wintermonat 1443 nochmals daS Schicksal der Zer-störung. Der damalige Besitzer, Hermann Künfch, soll wie die frühern Burgherren Räubereienbegangen und in sein Schloß einen Mann gefangen gelegt haben. Um diesen zu befreien, zogenunter der Anführung Heinrichs Schwarz, des VogtS der Grafschaft Kyburg, Angehörige der-selben und Bürger von Winterthur und Dießenhofen vor Freienstein. Es gelang den An-greifenden, durch feurige Pfeile das Schindeldach in Brand zu stecken. Künfch übergab dieBurg und erhielt freien Abzug, doch vergasten die Stürmenden über dem Plündern die Be-freiung des Gefangenen, welcher in dem Kerker erstickte. Die niedern Gerichte, welche derSchloßherr befaß, kamen an das Schloß Teufen. Noch sieht man ansehnliche Trümmer des