Buch 
Die alten Chroniken oder Denkwürdigkeiten der Stadt und Landschaft Zürich von den ältesten Zeiten bis 1820 / neu bearbeitet von Friedrich Vogel
Entstehung
Seite
242
JPEG-Download
 

242

Das Kloster, St. Lazariterordens, soll, wie die Chroniken melden, zu Ende des 12tenJahrhunderts von Graf Rudolf von Rapperschweil (andere sagen gar von Balduin IV. ,König von Jerusalem, bei seiner Durchreise) gestiftet worden sein. Die erste Vorsteherin derNonnen, welche auf schwarzem Schleier ein grünes Kreuz hatten, war Martha von Herten-stein aus dem Kanton Luzern . Gfenn hatte seinen eigenen Kommenthur und Pfleger undstand mit Seedorf in Uri in einer gewissen Verbindung. Das Kloster besaß Güter zu Hegnau ,Hermikon, Steinmaur, die Mühlen zu Dübendorf , und ein Haus, zum grünen Kreuz ge-nannt, das ihm Ao. 1400 von Ulrich von Männedorf, einem Barfüßermönch, zu einer ewigenHerberge geschenkt worden, rc., welches alles indessen von keinem bedeutenden Werth war,so daß eS zu den ärmern Klöstern gehörte. Ao. 1368 war Bertha von Hünenberg Priorinn,1408 Johann Meyer Amtmann des Klosters, 1437 Johannes Schwarber Kommenthur undPriester im Gfenn. Im Jahr 1443 wurde das Kloster von den Eidgenossen niedergebrannt,ebenso brannte dasselbe kurz vor der Reformation wieder ab, wurde aber wieder aufgebaut,indeß einige Jahre hernach, nachdem sich schon eine Klosterfrau, Adelheid Schätti, aus demKloster wegbegeben und ein anständiges Leibgeding erhalten hatte, 1524 mit allen übrigenKlöstern im Kanton aufgehoben, die Güter dem PfrundhauS an der Spanweid übergeben, dieGebäude, wovon das eine die Kirche, das andere das ehemalige Konventhaus, verkauft. Auseinem Theil des letzter» entstand später ein Wirthshaus, das aber Ao. 1783 näher an die Straßeverlegt wurde. Auch die Kirche wurde im Laufe der Zeit zu Wohnungen eingerichtet.

DaS Dorf Gfenn zählt 25 Häuser. Ao. 1388 wurden in der Nähe desselben eine Anzahlherumstreifender Oestreichs aus der Besatzung zu Winterthur mit Verlust von 70 Mann undetlichen Fähnchen von den Zürcher » geschlagen.

Gießhütte.

Schon in der Mitte des 15ten Jahrhunderts bestand zu Zürich eine Gießhütte oder Glocken-gießerei, nämlich diejenige an der Sihl unweit dem Ochsen, welche die Füßli bereits seit einer Reihevon Jahrhunderten besaßen, und die 1667 wieder neu erbaut wurde. In dieser Glockengießereiwurden in den letztverflossenen Jahrhunderten viele herrliche Glocken und andere Werke ge-gossen, so z. B. 1611 von Peter Füßli in Verbindung mit Abraham Zehnder von Bern diegroße Glocke im Münster zu Bern .

Glanzenberg.

Diesen Namen führte ein Städtchen, das an der Limmat unterhalb Engstringen und ganzin der Nähe des Klosters Fahr lag. Es gehörte den Freiherren von Regensberg, und da Zürich im Jahr 1268 mit denselben in Fehde gerieth, so suchten sie sich unter der Anführung GrafRudolfs von Habsburg desselben zn bemächtigen. Zu diesem Behuf versteckten sie in einigeSchiffe eine Anzahl Mannschaft, schickten dieselben die Limmat hinab, als ob sie nach Basel fahren wollten; als sie aber bei dem Städtchen vorbei hinter eine Ecke gekommen, wo mansie nicht mehr sehen konnte, warfen sie Kleider in das Wasser und huben ein großes Geschreian, als ob sie Schiffbruch gelitten hätten. Darauf fielen die von Glanzenberg , um Raub zuerhäschen, aus der Burg. Mittlerweile aber eilte Graf Rudolf mit einem Haufen Bewaffneter,die er in einem Eichwald versteckt hatte, aus das Wortzeichen, welches er hörte, herbei und