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Die alten Chroniken oder Denkwürdigkeiten der Stadt und Landschaft Zürich von den ältesten Zeiten bis 1820 / neu bearbeitet von Friedrich Vogel
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Scheiben. Ebenso wurden in frühern Zeiten nicht selten öffentliche Mahlzeiten und andereBelustigungen auf dem Lindenhof gehalten. Es ward z. B. 1489 dem neu erwählten Bürger-meister Konrad Schwend, Ritter, in Beisein der eidgenössischen Gesandten daselbst eine Mahl-zeit gegeben, bei welcher mehr als 2000 Personen zugegen waren. Am 25. August 1526 wardden Schützen von St. Gallen, mit ihrem Bürgermeister Vadian an der Spitze, ein Nachtessengegeben, welchem bei 700 Personen jedes Standes und Alters beiwohnten, worunter auchZwingli, Leo Zud, Pellikan , Mykonius und der Abt von Kappel. Nach dem Essen schlössensich auch die übrigen Bürger der Gesellschaft an, und 1600 Personen veranstalteten unterdem Vortritt der Musik einen Zug durch die Stadt. Ao. 1529 nach dem ersten Landsfriedenführten die Zürcher ihr Geschütz auf den Hof und veranstalteten in ihrer Freude ein so heftigesSchießen, daß große Aeste von den Linden fielen. Im 3ahr 1530 wurden die Gesandten vonStraßburg , von ihren Ammeistern angeführt, auf dem Lindenhof öffentlich bewirthet. 1537schenkte der Rackp der Bürgerschaft zwei im Sihlwald und drei im Stadtgraben geschosseneHirsche, welche am 19. August auf dem Lindenhof an 106 Tischen, zeder zu 14 Gedecken,verspeist wurden; 1558 am 14. August wurde ein von Hans Pfenninger von Stäfa auf einemFreischießen zu Weinfelden als beste Gabe gewonnener Ochse sammt drei Hirschen von Männernund Weibern auf dem Lindenhof verspeist. 1568 am Neujahrstag zogen alle Zünfte, weil esso warm wie im Sommer war, mit Trommeln und Pfeifen auf den Hof und ergötzten sichdaselbst. Am 26. Juni 1591 hielt der Bürgermeister Eroßmann die gesummte Bürgerschaft,welche ihm nach damaliger Sitte zwei große goldene Becher als Badgeschenke nach Baden über-sandt hatte, dafür auf dem Lindenhof zu Gast. Zm 15ten Jahrhundert und später diente derLindenhof Gesellschaften von jungen Männern, die da und dort ihre Trinkstuben hatten, zumöffentlichen Belustigungsplatz, wo sie im Freien allerlei Spiele veranstalteten, z. B. den Wolflagen, Steinstoßen, Kegelschieben u. a. 1610 wurden durch einen heftigen Sturmwind zweiLinden aus den Wurzeln gerissen. 2n den Zadren 1666 1668 ward von dem IngenieurGeorg Werdmüller das künstliche Brunnenwerk auf dem Lindenhof zu Stande gebracht, wodurchmittelst eines Rades unten in der Limmat das Wasser bei 115 Schuh hinauf getrieben wird.1780 wurden zur Verschönerung einige steinerne Statüen auf dem Lindenhof errichtet, woruntersich besonders eine künstlich gearbeitete von Wilhelm Tell auszeichnete. Donnerstag den 16 .Mai 1798 wurde die neue helvetische Konstitution mit großer Feierlichkeit auf dem Lindenhofbeschworen (das Nähere siehe politische Begebenheiten) und Abends fand eine öffentliche Mahl-zeit auf demselben statt, die aber durch ein Gewitter gestört wurde. Am 18. Mai zertrümmerteein heftiger Sturmwind eine große morsche Linde, die in ihrem Fall zwei Mädchen traf, vondenen das eine todt blieb. Am 26. September 1799 stellte sich gegen Mittag ein Tetachemenrreitender Artillerie der Franzosen und eine Batterie auf dem Lindenhof auf und beschossen diebei der Kronenporte fechtenden Russen. Am 30. Wintermonat 1800 wurde das Standbild vonWilhelm Tell von Unbekannten zertrümmert und weggeschafft und nur das Fußgestell blieb zurück.Samstag den 11. September 1802, als die Stadt von den helvetischen Truppen beschossen ward,wurde von Bürgern vom Lindenhof aus die Kanonade erwiedert und nicht ohne Geschick auf denZürichderg geschossen. 1813 wurde die Ostseite des Lindendofs gegen die Limmat mit einer hohenMauer eingefaßt, terrassirt, unten eine Allee von Odstbäumen und oben eine Laube gepflanzt.