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Die alten Chroniken oder Denkwürdigkeiten der Stadt und Landschaft Zürich von den ältesten Zeiten bis 1820 / neu bearbeitet von Friedrich Vogel
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418
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Pferde unterhalten, denen der Marstallmeister abwarten mußte, und dafür eine gewisse Summebezog. Zur Aufsicht über den Marsrall waren zwei Herren bestellt, einer des Kleinen und einerdes Großen Raths, welche auch die Streitigkeiten entschieden, die sich wegen Kaufes und Ver-kaufes von Pferden erhoben.

Marthalen .

Flecken und Pfarrgemeinde, bis 1798 zum äußern Amt der Grafschaft Kyburg gehörig.

Der Flecken Marthalen , welcher etwa 125 Wohnhäuser zählt, liegt zwischen Andel-fingen und Rheinau und zwischen der Thür und Rhein , an einer Kommunikationsstraße nachSchaffhaufen, und hatte im Mittelalter seine eigenen Edelleute, von denen aber nichts Näheresbekannt ist. Das Kloster Rheinau besaß schon seit den ältesten Zeiten die Vogtet über den Ort,die niedern Gerichte, den Zehnten und den Kirchensatz. Die Vogtei und Gerichte gab es ver-schiedenen edeln Familien als Lehen und zwar im 15ten Jahrhundert denen von Seengen , imlüten Jahrhundert denen von am Staad, den May von Bern und seit 1561 den Waldkirch von Schaffhausen , welche bis 1780 die Gerichtsherrlichkeit besaßen, die alsdann an JunkerGeorg Jmthurn von Schaffhausen überging, der sie bis zu ihrer Aufhebung im Jahr 1798besaß. — Ao. 1754 verkaufte der Abt von Rheinau der Bürgerschaft von Marthalen für80,000 fl. alle Grundzinse und Zehnten, sammt der Zehntenscheuer, Trotten und Keller, denKirchensatz, die Lehensherrlichkeit über die niedern Gerichte oder die zwei Gerichtsherrlichkeitenzu Marthalen und zu Nieder-Marthalen, welch letztere einst das Stift Kreuzlingen besaß; fernerdiejenigen über den sogenannten Manzischen Zehnten, der zwar dem Stand Zürich gehörte,aber dennoch ein Lehen von Rheinau war, wie auch die Befreiung von allen Frohndienften, dieMarthalen schuldig war, an Rheinau zu leisten. Die erwähnte Kaufsumme streckte die Regierungder Gemeinde ohne Zins auf zehn Jahre vor, sie wurde aber innerhalb dieser Zeit wieder zurückbezahlt. Die Gemeinde behielt den Zehnten für sich selbst, und bestrick daraus LaS jährliche Ein-kommen eines Pfarrers, die Unterhaltung deS Pfarrhauses, die Meßmerpfrund und die Vogtrechteder Gerichtsherren; den Kirchensatz aber und die Lehensherrlichkeit über die niedern Gerichte,von welchen die von Waldkirch die Delehnung erhielten, übergab die Gemeinde der Regierung.1725 erhielt Marthalen das Recht einen Jahrmarkt abzuhalten. 1755 wurde eine niedergericht-liche Huldigung, jedoch in Beisein des Landvogts von Kyburg eingenommen. In dem Fleckenbefinden sich zwei Mühlbäche, deren einer aus dem kleinen See bei Hausen und Wyden, derandere aus dem Benkerriet kommt. Sie werden zu Zeiten sehr groß, treiben einige Mühlenund bewässern das fruchtbare Wiesentdal um den Ort. Im vorigen Jahrhundert bestand zu Mar-thalen eine Art ökonomische Gesellschaft, die unter der Aufsicht der physikalischen Gesellschaftstand und viel Gutes stiftete. — In dem Kriegsjahr 1799 litt Marthalen , wie die meistenandern Gemeinden des Kantons, viel von den Durchzögen der Franzosen und Oesterreicher ,von Requisitionen aller Art; jedoch verhältnißmäßig weniger als andere benachbarte Gemeinden.

Die Pfarrgemeinde Marthalen umfaßt außer diesem Flecken die Weiler Nieder-Marthalen und Raadhof, die einzelnen Häuser am Berg und Schilling, welche zusammen eineSchulgemeinde bilden. Sie zählte am Ende des vorigen Jahrhunderts 1120 Seelen, und diePfründe war dem Steiner-Kapitel einverleibt. Die Kollatur derselben stand, wie schon ge-