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Nestenbach.
Dorf und Pfarrgemeinde.
TaS Dorf Nestenbach, welches sehr groß ist, indem es über'80 Wohnhäuser zählt,liegt am rechten Ufer der Töß, zwischen Wülflingen und Dättlikon , eine Stunde von Winter-thur, in einer an vortrefflichem Wein reichen Gegend. Die herrschaftlichen Rechte über denOrt gehörten im Mittelalter den Freiherren von Wart, deren Stammburg ganz in der Nähestand, und welche die Gerichte daselbst als ein Lehen deS Abtes in der Reichenau besaßen; dieHähern Rechte standen schon damals dem Hause Kyburg zu. Zakob von Wart verkaufte dieGerichtsbarkeit Ao. 1322 an Johann den Truchseß von Tießenhofen; 1410 kam dieselbe mitBewilligung des Abts in der Reichenau an Hermann von Breiten-Landenberg und blieb beidiesem Hause, bis im Zahr 1468 Hans von Landenberg die Halste der Herrschaft seiner Mutterund Schwester abtrat, die ihren Antheil nach einigen Zähren an das Kloster Paradies ver-kauften. Wolf von Breiten-Landenderg veräußerte Ao. 1540 die Halste der Gerichtsbarkeit, denKirchensatz und den Zehnten für 7000 si. an die Stadt Zürich , und die niedern Gerichte wurdendem Amt Winterthur zugeordnet und bis 1798 von dem Amtmann verwaltet. Erst im Zahr1611 trat das Kloster Paradies die andere Hälfte der Gerichtsbarkeit dem Stand Zürich für13,839 sl. ab. Die hohe Gerichtsbarkeit kam mit Kyburg ebenfalls an den Stand Zürich , undbis 1798 gekörte die Gemeinde zu dem ennern Amte der Landvogtei Kyburg. — Zn der Nähevon Nestenbach befinden sich zwei Landgüter, wovon das eine Wartgut genannt wird; im Dorfselbst seit alter Zeit ein Wirthshaus, eine Metzg und Schmiede und eine schöne Mühle, dievon einem Bach getrieben wird, der im vorigen Zahrhundert zwei Mal großen Schaden ver-ursachte. — Ao. 1748 kaufte der Rath von Winterthur im Riedthof ein Stück Torfland von26 Zuchart um 40 fl. pr. Mannwerk, ließ es ausgraben, den Tors nach Winterthur führenund den Bürgern um niedrigen Preis verkaufen. — Zm Zahr 1799 litt die Gemeinde Neften-bach durch den Krieg außerordentlich. Als Anfangs Mai die Oesterreicber vom Rhein her sichnäherten, »ahmen die Einwohner des Torfes unter Anführung deS Obersten Ziegler Partiefür dieselben, versagten die dort stehenden Franzosen, die aber in stärkerer Zahl zurückkamen,das Dorf nach kurzem Widerstand einnahmen, dasselbe ganz ausplünderten, das Haus derFrau Ziegler von Zürich in Brand steckten und von den wenigen zurückgebliebenen Männern»eben ermordeten. Zwei Tage später rückten die Oesterreicher ein. Durch ihre Unvorsichtigkeitentstand am 27. Mai in der Nähe der Kirche ein Brand, der vier Wohnungen verzehrte. DieOesterreicher lagerten mehrere Wochen im Dorf Nestenbach und der Umgegend, bis sie weitervorrückten. Später kamen Russen und dann wieder Franzosen.
Die Pfarrgemeinde Nestenbach umfaßt außer diesem Torf auch noch die kleinenDörfer Aesch , Hünikon und Riedthof und die Weiler und Höfe Auenthal, Breiten, Heeren-weg, Hinter-, Mittler-und Unter Hub, Kählhof, Krayen, Näfbleiche, Oedenhof, Osckwang,Thalgut, Wartbad, Wartgut, Weiden und Wolfzangen, die zusammen vier Schulgenossen-schaften bilden, nämlich: Aesch , Hub, Hünikon und Nestenbach. Die Pfarrgemeinde, welchezu dem Winterthurer -Kapitel gehörte, zählte am Ende des vorigen Jahrhunderts 1029 Seelen.— Die Kollatur oder der Kirchensatz stand seit Erwerbung der Gerichtsbarkeit über das Torfim Zahr 1540 dem Kleinen Rath zu. Noch im Zahr 1506 wurde zu Nestenbach eine Kaplanei-
Ühronik der Denkwürdigkeiten. 62