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Die alten Chroniken oder Denkwürdigkeiten der Stadt und Landschaft Zürich von den ältesten Zeiten bis 1820 / neu bearbeitet von Friedrich Vogel
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um sie zum Abstehen von demselben zu ermähnen, was aber umsonst war. Die Verwicklungenzwischen beiden Parteien wurden, besonders nachdem der Pfarrer Jakob Kaiser zu Schwerzen-bach, als er Sonntags den 22. Mai nach Utznach hinaufgehen wollte, von wo er gebürtig war,in der Gegend von Eschenbach auf Anordnung derer von Schwyz gefangen, dorthin abgeführtund am 29. Mai lebendig verbrannt worden, bedeutender. Es fand eine Tagleistung der Bürger-städte zu Aarau statt, die Verhältnisse wurden ernstlicher und endlich brach im Juni der Kriegaus, über den unter dem Namen desersten Cappeler Krieges" theils in dem ArtikelCap-pel", rheils in dem ArtikelKriegsereignisse" das Betreffende nachgelesen werden kann. Baldaber trat eine Friedensvermittlung ein unter dem Namen des ersten Landfriedens, und dieHeere zogen am 26. Juni aus dem Felde.

Der Landgraf von Hessen hatte als entschiedener Freund der Reformation kein Wohlgefal-len daran, daß zwischen Luther und Zwingli und den übrigen Häuptern der Reformation übereinige Artikel, namentlich über das Abendmahl, Streitigkeiten entstanden waren, und suchtediese durch Veranstaltung eines Religionsgesprächs zu Marburg , das er auf Michaelis ausschrieb,zu beben. Zwingli reiste am 3. September mit Rudolf Collin und dem Ehrengesandten desRathes, Ulrich Funk, dahin ab, und es erschienen wirklich zu Marburg Luther, Melanchtho» undandere deutsche Reformatoren. Man stritt sich lange, verglich sich zwar über einige untergeord-nete Artikel, über die Hauptsache aber nicht. Am 19. Oktober kehrte Zwingli wieder nachZürich zurück, wo in seiner Abwesenheit der Kommenthur Schmid gepredigt hatte. AuchSchaffhausen war der Reformation und dem christlichen Bürgerrechte beigetreten, und diesesing in dem Gebiet der Abtei St. Gallen sich zu verbreiten an, was wieder neue Streitigkeitenzwischen beiden Religionsparteien veranlaßte. Im Dezember wohnte Zwingli einer Synode vonetwa 500 Prädikanten aus dem Rheinthal, Thurgau, Appenzell und St. Gallen zu Frauenseldbei und predigte bei diesem Anlaß auch zu Konstanz .

1530. Am 26. Januar wurde zu Zürich das christliche Bürgerrecht mit Straßburg be-schworen. Da bei der obwaltenden Theurung viele Bürger über die Müller und Bäcker sichbeklagten, daß diese das schuldige Gewicht an Mehl und Brod nicht lieferten, und die Obrigkeit,nachdem sie diese Klagen begründet fand, sich bewogen sah, öffentliche Mehlwaagen anzuordnenund die Schuldigen zu strafen, so wurden jene heftig erzürnt und warfen die Schuld haupt-sächlich auf Zwingli , der dazu gerathen haben sollte. Diese drückende Noth bewog auch denRath, am 26. März ein ausführliches Sittenmandat an alle seine Angehörigen zu erlassen.Im April wurde der Landgraf von Hessen dem evangelischen Bürgerrecht der schweizerischenStädte einverleibt. Im Mai wurde zu Zürich ein Kompetenzen- oder Pfrundengericht nieder-gesetzt, die Kollatoren vor dasselbe beschicken, die den Pfarrern bestimmten Kompetenzen ihnenbekannt gemacht und ihnen angezeigt, daß sie dieselben alljährlich abliefern sollten, widrigen-falls ihre Früchte in Beschlag genommen würden. Im Juni kam Andreas Bodenstein von Karl-stadt nach Zürich, und Zwingli bewirkte ihm Schutz und Unterhalt. Ende dieses Monats sandteZwingli durch einen eigenen Boten ein in deutscher und lateinischer Sprache verfaßtes Glaubens-bekenntniß an den Kaiser Karl aus den Reichstag zu Augsburg . Im August wurde das KlosterSt. Gallen von Zürich und Glarus , als Schirmorten der Abtei, förmlich aufgehoben unddie St. Gallische Landschaft verwaltet, was hinwieder zu fortwährenden Streitigkeiten mit den