im Laufe des Jahres an Stelle des verstorbenen Ritters Conrad Schwend zum (25sten) Bürgermeisterder Stadt Zürich erwählt und nahm als solcher an den Friedensverhandlungen zwischen den Eid-genossen und Kaiser Maximilian, welche im August und September zu Schaffhausen und Baselstattfanden, lebhaften Antheil.
Bekanntlich war die Eidgenossenschaft während des Schwabenkrieges durch den französischenKönig Ludwig XII. vielfach unterstützt worden, sowohl durch Geld als durch Zusendung von Geschütz.Zu den einflussreichsten Männern der französischen Partei, welche der mailändischen Faktion ent-gegenstand, gehörte Bürgermeister Rudolf Escher. Er stand an der Spitze einer eidgenössischenGesandtschaft, welche im Spätjahr 1499 an Ludwig XII. nach Mailand abgesandt wurde, um denKönig zu beglückwünschen und vornehmlich die Verträge zu erneuern, welche zwischen Mailandund der Schweiz bestanden hatten.
Die Gesandtschaft konnte ihren Hauptzweck nicht erreichen; andere Umstände kamen hinzu,so dass die Stimmung in der Eidgenossenschaft für Frankreich sehr ungünstig wurde.
Aus uns unbekannten Gründen resignirte im Jahre 1505 Rudolf Escher als Bürgermeister, bliebjedoch Mitglied des Rathes und bekleidete auch noch die Stelle eines Landvogtes zu Eglisau. Erstarb nach Edlibach auf St. Thomasabend 1514; im Jahrzeitbuche ist als sein Todestag der 21. De-zember (12 Calend. Januarii) bezeichnet.
Zu Zürich hatte Rudolf Escher seinen Wohnsitz im Hause zum rothen Rad an der oberenKirchgasse; ferner besass er das Schloss Dübelstein am östlichen Abhange des Zürichberges, welcheser aus dem Nachlasse des Bürgermeisters Hans Waldmann erworben hatte. Dass Rudolf auchEigenthümer der Vogtei zu Rümikon bei Kaiserstuhl war, welche er 1512 verkaufte, haben w T irschon oben (pag. 6) erwähnt.
Rudolf Escher war erstlich verehelicht mit Anna von Wiechseistein, aus einem edeln Geschlechteim Eisass, das auch zu Basel verburgert war. In zweiter Ehe heirathete er Anna Widmer, Tochterdes Landvogts Johannes Widmer am Münsterhof und Nichte des Chronisten Gerold Edlibach, welchehernach als Wittwe den Junker Marx Escher heirathete.
Zu erwähnen ist noch, dass Rudolf Escher im Jahre 1491 von dem damaligen römischen KönigMaximilian einen Wappenbrief erhalten haben soll, durch welches Dokument das angestammteWappen mit dem weissen, steinbesetzten Glase in lasurfarbenem Felde durch Hinzufügung einerKrone auf dem Helm (nach Einigen auch des Goldrandes um den Schild) verbessert worden seinsoll. Es sind jedoch nur mangelhafte und ungleich lautende Kopien dieser Urkunde vorhanden undes fällt uns auf, dass weder Rudolf selbst noch sein Enkel Nikolaus von dieser Vermehrung desWappens in ihren Siegeln Gebrauch machen, obwohl auf eine solche in damaliger Zeit grossesGewicht gelegt wurde. Auch Stumpfs Chronik von 1548 gibt das Wappen in der alten, einfachenForm, ohne Krone und Goldrand.
Von Bürgermeister Rudolfs Kindern sind uns zwei Söhne erster Ehe, Conrad und Jakob,bekannt. An Conrad, einem wilden, ungehorsamen Gesellen, erlebten die Eltern wenig Freude; jasie brachten denselben schliesslich in einem Kloster unter, aus welchem er nach seines Vaters Todeentlief, um mit seiner Stiefmutter über das Erbe zu prozessiren. Jakob Escher (1504 als JakobEscher „der Jung“ bezeichnet, im Gegensätze zu Junker Jakob Escher „dem Alten“) dagegen gelangtefrühe in den Rath und eine ehrenvolle Laufbahn schien dem jungen Manne gewiss, da fiel erin der Schlacht bei Marignano am 14. September 1515. 1 )
Jakob Eschers Gattin, Margaretha Meyer von Hüningen, stammte aus Basel, wohin sie nachihres Mannes Tod zurückkehrte; sie verheirathete sich mit dem Oberst-Zunftmeister Lucas Zeiglerdaselbst, später zum dritten Mal mit Hans Kaspar von Hallwyl, zu Hallwyl und Trostburg.
Bezüglich der Nachkommen Jakob Eschers verweisen wir auf die St. T. No. III und erwähnenhier nur noch folgende Einzelheiten. Nicolaus Escher, Jakob Eschers Sohn, gab 1527 (Dienstagvor Bartholomäi-Tag) sein Bürgerrecht zu Zürich auf und zog nach Basel; seine Bürgen waren
*) Wir bemerken hier, dass Jakob Escher in verschiedenen Werken, z. B. bei Bluntschli, Geschichte der Stadt undRepublik Zürich, als „Ritter“ bezeichnet wird; doch besass nicht er diese Würde, sondern sein\etter gleichen Hamens.(St. T. I No. 28.)