Zürich und in der Eidgenossenschaft nahm sie eine höchst angesehene Stellung ein und betlieiligtesich Jahrhunderte hindurch immer stark an der Regierung; noch zu Anfang des XIX. Jahrhundertsgab sie Zürich zwei Bürgermeister. Die Familie gehörte stets der Constaffel an und zwar demengeren Adelsverbande „zum Rüden“, schrieb sich aber wie andere Zürcherfamilien von gleichergesellschaftlicher Stellung, deren Geschlechtsname nicht zugleich Ortsname war (w T ie Meiss, Grebel,Zoller, Schmid, Edlibach, Reinhard etc.), niemals „von“, welcher Brauch erst in neuerer Zeit auf-gekommen ist, seit man dieses Prädikat als zum Begriffe des Adels unentbehrlich glaubte.
Die „Escher vom Luchs“ verbanden sich durch Heirat mit den vornehmsten GeschlechternZürichs und der Ostschweiz und besassen ausser den bereits angeführten Burgen und Herrschaftenzeitweise auch Dübelstein, Wülflingen, Berg (mit Eigenthal), Werdegg, Bubikon, Hüttlingen, Neunforn,Wellenberg und einen Theil der Herrschaft Kernten und Greifenberg.
Dermalen leben die wenigen noch übrig gebliebenen Sprossen meistens im Auslande.
VIII.
Wir können nun unsere ungetheilte Aufmerksamkeit wieder dem zweiten Stamme, den„Eschern vom Glas“ zuwenden.
Im sechsten Abschnitte lernten wir den Johannes Escher an der Kirchgasse, Keller des Stiftszum Grossmünster, kennen; von seinen Kindern werden uns zwei Töchter und drei Söhne urkundlichbezeugt.
Verena Escher verkaufte 1437 mit AVissen und Gunst ihres Bruders Heinrich, der den Briefsiegelte, einen Hof zu Lienheim bei Kaiserstuhl um 42% Gulden rheinisch.
Margaretha Escher erscheint um 1454 als Priorin des Cisterzienserklosters am Seldnow (Selnau);dass sie eine Tochter Johannes Eschers war, erhellt aus den Raths- und Richtbüchern.
Die drei Söhne hiessen Johannes, Peter und Heinrich.
Johannes gehörte ebenfalls dem geistlichen Stande an, er war von 1450 an Chorherr derPropstei zum Grossmünster und 1467 Statthalter und Verweser des Propstes. Er verkaufte 1465die beiden ehemals von seinem Vater besessenen Häuser an der Kirchgasse um 280 rh. Gulden andas Domkapitel zu Constanz (das sogen. Constanzerhaus wurde von da an bis 1833 von einem Amt-mann bewohnt, welcher die Einkünfte des Domstifts im zürcherischem Gebiete zu beziehen hatte).
Die Brüder Peter und Heinrich wohnten bis 1457 mit ihrer Mutter, der „alten Escherin“, inden beiden ebengenannten Häusern. Im Uebrigen ist uns verhältnissmässig wenig von ihnen bekannt.Peter Escher war während des alten Zürichkrieges unter der Besatzung von Grüningen, welche dasSchloss und Städtchen ohne dringende Noth an die Schwyzer und Glarner übergab und desshalbvon der zürcherischen Regierung bestraft wurde. Peter Escher wurde gegen Bürgschaft seines BrudersJohannes und Felix Oeris aus dem Gefängniss entlassen. (War Felix Oeri Peters Oheim und seineMutter Adelheid eine geborne Oeri?) Im Jahre 1451 hatte Peter mit seinem Bruder Heinrich lang-wierige Rechtshändel wegen der mehrerwähnten beiden Häuser an der Kirchgasse; er scheint über-haupt nicht am weislichsten gewirthschaftet zu haben und kam finanziell immer mehr zurück, sodass ihm in Jakob Schwarzmurer dem Jüngern vom Rathe ein Vormund bestellt wurde.
Im Jahre 1463 war Peter Escher bereits todt; seine AVittwe Margaretha Holdermeyer (vonLuzern?) lebte noch 1497, wohnte aber damals im Rennweg; später (1514) wohnte daselbst eineVerena Escher, wahrscheinlich Peters einzige Tochter.
Heinrich Escher, den wir bereits mehrfach erwähnt haben, gab 1463 mit seinem Weibe12 Pfund Gutsteuer, war also recht vermöglich; von 1461 an wohnte er nicht mehr an der Kirch-gasse, sondern besass ein Haus zwischen den Häusern zum „Füllen“ und „Waldshut“, also imjetzigen Leuengässchen, wo man allerdings heutzutage keine reichen Patrizierwohnungen mehrsucht. Lange Jahre war Heinrich Escher Mitglied des Stadtgerichts und wurde 1445, wohl anStelle seines bei Wollerau gefallenen Vetters Johannes (St. T. I No. 9), in den Rath gewählt. Er