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1 (1885) Geschichtliche Darstellung und biographische Schilderungen / auf Wunsch der Familie nach den Quellen bearbeitet und zusammengestellt von C. Keller-Escher
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kompagnie und gab ihr eine zweckmässige Organisation. Ferner wurde er bald hernach (1664)zum Obmann der Schützengesellschaft im Platz erwählt.

Ungleich wichtiger jedoch waren die Neuerungen, welche Escher auf dem Gebiete des Handels-wesens zu Stande brachte; das kaufmännische Publikum verdankte ihm die Errichtung einerHandelskammer, welche alsKaufmännisches Direktorium bis in die Dreissiger Jahre des XIX. Jahr-hunderts bestand und sich als eine sehr zweckmässige und segensreiche Schöpfung für ZürichsHandel und Industrie erwies. Heinrich Escher hatte den Entwurf zu der bezüglichen Verordnungverfasst und im Namen von etwa sechsunddreissig der angesehensten Handelsfirmen Zürichs derObrigkeit überreicht, welche denselben genehmigte.

In das Jahr 1663 fällt die erste diplomatische Sendung Eschers, welche wir hier nur kurzberühren' können. 1 ) Damals reiste eine zahlreiche Gesandtschaft aller eidgenössischen Orte nachParis zur Beschwörung des Bundes mit Ludwig XIV. Diese Gelegenheit wollte man benutzen, umdie Herstellung der Handelsprivilegien der Schweizer in Frankreich, welche in den Staatsverträgenerwähnt waren, über die aber schon lange fruchtlose Verhandlungen schwebten, endlich ins Werkzu setzen. Heinrich Escher und Jakob Hochrütiner, ein angesehener Kaufmann von St. Gallen,wurden im Aufträge der handeltreibenden Städte der Gesandtschaft beigeordnet. Die Unterhandlungmisslang zwar, weil die mit vieler Mühe vom Könige ausgewirkten Urkunden und von den Parla-menten und Gerichtshöfen registrirten Patente schliesslich doch von zweifelhaftem Werthe warenund ihr Inhalt den gerechten Wünschen der Kaufleute nicht entsprach. Die beiden Gesandten fühltensich über die Behandlung, welche ihnen zu Paris zu Theil geworden, schwer gekränkt und Escherfiel vor Aufregung über das niederträchtige und treulose Gebühren des französischen Ministers(Colbert) in eine lebensgefährliche Krankheit, so dass er 14 Tage das Bett nicht verlassen konnteund die Aerzte ihm verboten, Colbert noch eine Abschiedsvisite abzustatten, um ihm jene Summevon Wahrheiten ins Gesicht zu sagen, welche er hiefür schon niedergeschrieben hatte. Noch halbkrank langte er nach Abwesenheit von 125 Tagen wieder in Zürich an.

Ganz umsonst war diese Reise für Escher nicht; die gemachten Erfahrungen waren ihm fürspätere schwierigere Unterhandlungen von grossem Nutzen. Er durchschaute das Spiel, das mitder sogenanntengrossen Gesandtschaft zu Paris getrieben wurde, die Bestechlichkeit und den Eigen-nutz der Einen, die Unwissenheit und Leichtgläubigkeit der Andern, die Trennung unter den Ge-sandten, und wie dies Alles von den Franzosen auf eine Weise benutzt wurde, welche die Ehre derSchweiz aufs Höchste verletzte. Mit dem grössten Unwillen drückt sich Escher darüber in seinemTagebuche aus und erzählt, dass die Gesandten von England und Holland ihre Missbilligung lautgeäussert hätten.

Mit seinem Mitgesandten, dem Banquier Hochrütiner, der damals für einen der tüchtigstenschweizerischen Kaufleute galt, blieb Escher stets befreundet, schickte auch seinen ältesten SohnConrad Escher (St. T. IX No. 72) zu ihm in die Lehre und hatte die Freude, denselben mit den bestenKenntnissen ausgerüstet nach Hause zurückkehren zu sehen, so dass ihm der Vater schon 1670,als Conrad noch keine zwanzig Jahre alt war, die Leitung seiner ausgedehnten Handlung übergebenkonnte. Dieser Umstand ermöglichte es Heinrich Escher, sich nunmehr beinahe völlig dem Staatewidmen zu können. Nicht nur jener edle Ehrgeiz, im Dienste der Republik seinen Mann zu stellen,war es, der ihn bewog, sich um die Stelle eines Landvogtes der Grafschaft Kyburg zu bewerben,sondern auch die Sorge um eine zahlreiche Familie, welcher er sich auf dem etwas abgelegenen undeinsamen Schlosse mehr widmen zu können hoffte, als diess im Geräusche der Stadt möglich war.

Im Februar 1670 trat er das ihm übertragene Amt an und brachte volle sechs Jahre aufKyburg zu. Mit vollster Genugthuung durfte er später auf diese Periode zurückblicken; nicht nurwurde ihm von seinen Vorgesetzten über seine Amtsführung ungetheilte Anerkennung ausgesprochen,er hatte sich auch die Liebe und das Zutrauen seiner Unterthanen in hohem Grade erworben, sodass sie ihn nur ungern scheiden sahen und ihm, was damals sonst nicht Sitte war, bei seinerRückkehr nach Zürich ein zahlreiches Geleite gaben. Ueberdiess hatte der Aufenthalt in dem etwas

) Näheres hierüber findet man in dem gedruckten Vortrage von Staatsarchivar Dr. P. Schweizer: Ludwig XIV.und die Schweizerischen Kaufleute.

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