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1 (1885) Geschichtliche Darstellung und biographische Schilderungen / auf Wunsch der Familie nach den Quellen bearbeitet und zusammengestellt von C. Keller-Escher
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seinem Leichenbegängnisse war eine so allgemeine, dass sozusagen kein Bürger zu Hause blieb, ersei denn durch Krankheit verhindert gewesen.

Wir schliessen diesen allzu kurzen Lebensabriss Heinrich Eschers mit den Worten Joli. KasparLavaters, welche er als Pfarrer am Waisenhause am 7. September 1777 in seiner Leichenpredigt austiefbewegtem Herzen ausrief:Ja, Vaterland, Vaterland! das Gedächtniss dieses Gerechten und Gott-fürchtenden bleibe bei dir im Segen! Danke deinem Gott, dem Vater aller guten Menschen, fürdas, ach! nun entschwundene Dasein seines Lebens und für das, was mit seinem verschwundenenDasein nicht verschwinden kann: für alles Gute, das er gestiftet; für jeden Segen, den er zurücklässt, für jede Ermunterung, die sein Beispiel mit sich führt; für alles Gute, welches durch dasGute, das er that, veranlasst wird.

Im Sitzungszimmer der Waisenhauspflege hängt Eschers lebensgrosses Bild: Eine hohe, edleund kräftige Gestalt; die erhabene Stirne, das dunkle, geistvolle Auge, der durchdringende Blickverrathen einen ausgezeichneten Verstand. Freundlich und mild blickt er hernieder. Möge seinGeist stets über den Beschlüssen der Behörde walten. Dass mit Heinrich Eschers Tod das warmeInteresse für das Waisenhaus und seine Bewohner in der Familie nicht erlosch, braucht nicht er-wähnt zu werden. Schon die Nähe desWollenhofes brachte manchen freudigen Sonnenstrahl indas Leben der Anstalt, wie es denn auch an der hundertjährigen Jubelfeier des Waisenhauses aus-gesprochen wurde, dass der NameEscher, der mit der Entstehungsgeschichte des Hauses so innigverknüpft ist, bis auf unsere Zeiten herab stets unter den treuesten Freunden des Waisenhausesgeleuchtet hat.

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Nach Statthalter Heinrich Eschers Tod übernahm sein jüngster Bruder, Hans Caspar Escher(St. T. XI No. 130), die Herrschaften Kefikon und Islikon. Vereint mit seinen Brüdern betrieb erdie damals so blühende Kreppfabrik im Seidenhof, auch war er als Rathsherr von der ConstaffelMitglied der zürcherischen Regierung. Aus seiner zweiten Ehe mit Dorothea Landolt (Tochter desBürgermeisters Hans Caspar Landolt im Felsenhof) entspross ein Sohn Hans Conrad, geboren am24. August 1767 (St. T. XI No. 162), der um das schweizerische Vaterland so hochverdiente

Hans Conrad Escher von der Linth.

In sehr günstigen äusseren Verhältnissen geboren, erhielt Hans Conrad Escher) eine vortreff-liche Erziehung. Unter dem Einflüsse des wohlwollenden Ernstes seines Vaters, der Frömmigkeit,Sanftmutli und Güte seiner Mutter und der traulichen Unterhaltung eines Privatlehrers (SalomonHirzel, nachmals Pfarrer zu Maur f 1837) entwickelte sich der muntere und kräftige Knabe nach allenRichtungen auf das Beste. Aber während er schon frühe grosses Interesse für die Naturschönheitenund die Geschichte seines Vaterlandes an den Tag legte, und gerne sich im Zeichnen und Illuminirenversuchte, wollte es dagegen anfänglich in der Schule nicht recht vorwärts gehen.In meinem neuntenJahre, liest man in einem von Escher 1814 niedergeschriebenen Aufsatze,kam ich in die ersteKlasse der lateinischen Schule, an welcher ein alter, sehr unphilosophischer Lehrer stand, bei demich die lateinische Grammatik mit unsäglicher Mühe und Abneigung auswendig lernen musste. Wort-gedächtniss schien ich keines zu haben und Begriffe wurden mir nicht nachgewiesen. So sass ichdann meist an einer der untersten Stellen, und die im Hersagen der für mich sinnlosen lateinischenZeitwörter begangenen Fehler wurden meist mit empfindlichen Streichen auf die Hände gebüsst.Nach zwei mühevollen Jahren war ich kümmerlich in die zweite Klasse befördert worden, wo nundie für mich noch viel abstossendern griechischen Sprachelemente neben den lateinischen gelehrtwurden. Der Erfolg blieb auch unter jüngern und in besserem Ruf stehenden Lehrern derselbe.Ich sass auf der letzten Bank, bekam Schläge, aber keine Begriffe und aller Anstrengungen ungeachtet

') Ueber Hans Conrad. Escher von der Linth siehe: H. K. Escher von der Linth. Charakterbild eines Republi-kaners von J. J. Hottinger, Zürich 1852, und die Neujahrsblätter der Hülfsgesellschaft auf 1824 und der Stadtbibliothekauf 1828. Wir geben hier mit einigen kleineren Aenderungen die Biographie Hans Conrad Eschers wieder, welcheProfessor Dr. Rudolf Wolf im IV. Bande seinerBiographien zur Kulturgeschichte der Schweiz (Zürich 1862) veröffent-lichte. Wolf schildert uns weniger Eschers politische Thätigkeit, sondern vielmehr den Naturforscher und Präsidentend er Linthkommission.

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