Amtes von einem Geiste der Zuversicht und Ordnung, von einem neuen Leben durchdrungen ward,sondern er wusste auch bei den mannigfachen persönlichen Berührungen, zu denen seine Wirk-samkeit Anlass gab, die Achtung und Liebe seiner Amtsangehörigen in so hohem Grade zu gewinnen,dass es wohl hauptsächlich seinem Einflüsse zuzuschreiben ist, dass, als die neuen Freiheitsideenvon Frankreich her auch in der Schweiz Anklang fanden, die Befriedigung der aufgeregten Volks-wünsche in jener Gegend mit Mässigung betrieben ward. Nie, auch als die Aufregung am grösstenwar, geschah von seinen Umgebungen irgend Etwas, das wieder seine Person gerichtet gewesenwäre; vielmehr wurde Alles sorgfältig vermieden, was ihn im Mindesten hätte kränken können.Er gehörte aber auch von Anfang an zu denen, die ohne Leidenschaftlichkeit die Wünsche desVolkes in Prüfung zu ziehen und jede billige Rücksicht darauf zu nehmen für zeitgemäss hielten.Fast zu allen Berathungen, die damals über die wichtigsten Fragen der Verfassungsänderunggepflogen wurden, zog man ihn zu, und stets ging sein Rath mit grosser Milde auf diejenigeMässigung und Nachgiebigkeit, die auch wirklich die Oberhand gewann und der vielleicht grössten-theils das Land den schnellen und glücklichen Verlauf einer so bedenklichen Krisis zu verdankenhatte. Im Frühjahre 1831 wurde Escher Mitglied der neuen Regierung und vielleicht Wenige, wieer, mit so grossem Vertrauen beider Parteien. Durch das ausgezeichnete Zutrauen seiner Kollegenzum Präsidenten des Rathes des Innern ernannt, gab er sich mit unermüdetem Eifer und bald auchmit nicht geringer Lust seinen neuen Pflichten hin, ohne darum an seinem lebendigen Sinne fürhäusliche Freuden das Geringste einzubüssen. Oft, wenn er von früh 5 Uhr mit geringer Unter-brechung bis Abends 7 Uhr in Sachen der Regierung gearbeitet hatte, ergriff er noch den Wander-stab, um seine älteste Tochter, die als Gattin des Pfarrers in dem freundlich gelegenen, l 1 /.. Stundevon Zürich entfernten Birmenstorf wohnte, mit einem Besuche zu überraschen, von dem er danngewöhnlich am folgenden Morgen vor Anfang der Geschäfte wieder zurück war. Ein Jahr langhatte er nun die neuen Obliegenheiten auf eine Weise erfüllt, die gewiss nicht wenig dazu beitrug,dass so über Erwarten schnell in das so aufgeregte Volk Zufriedenheit und Ruhe und ein rechtfröhliches Leben zurückzukehren begann und dass im Ganzen die gewiss nicht unbedeutenden Opferso willig gebracht wurden, die für die vielfachen neuen Schöpfungen nöthig waren. Als dann abereine gewisse, mit keiner ruhigen, naturgemässen Entwickelung der menschlichen Verhältnisse zu-friedene Partei mit immer neuen Wünschen und Forderungen hervortrat, die eine besonneneRegierung nicht erfüllen konnte und als es sogar zu einer durch die Stiftung politischer Vereineschlau organisirten Opposition kam, durch welche die Regierung sich in ihrer nach Pflicht undGewissen frei auszuübenden Thätigkeit zum Wohle des Landes auf allen Seiten gehindert sah, dawar es ihm, nebst sieben andern Mitgliedern der Regierung, unter denen sich auch die beidenBürgermeister Wyss und Muralt befanden, schnell zum Entschlüsse gereift, von einer so gehemmtenWirksamkeit lieber zurückzutreten und nicht länger Verpflichtungen beizubehalten, denen nicht aufeine freie, mit der eigenen Ueberzeugung harmonirende Weise zu genügen war. In sehr schönemSinne und in edler Sprache drückte dies Escher's Demissionsbegehren an den grossen Rath aus undgross war — bei allen wahren Freunden des Volkes und auch bei Mehreren unter den Gemässigtemder Opposition — das Bedauern über seinen Rücktritt. Die ihm nun zu Theil gewordene Müssebenutzte er zu staatswirthschaftlichen und philosophischen Studien und zur Lektüre englischerKlassiker, besuchte auch in den beiden erstem Fächern mehrere Kollegien an der neu errichtetenUniversität. Besonders aber widmete er treue Sorge der Erziehung seiner drei Söhne, und als derAelteste derselben in dieser Zeit auf Universitäten zog, um die Rechtswissenschaften zu studiren,war es des Vaters liebste Freude, in einen Briefwechsel mit ihm zu treten und so aus der Ferneden Gang zu beobachten und zu leiten , den er für seine Studien wählte. Es war wohl auch dieRücksicht auf die Seinen, die den sorgsamen Vater bewog, nach einigen Jahren aus seiner glück-lichen Zurückgezogenheit wieder herauszutreten und in schon vorgerücktem Alter zu den Geschäftenzurückzukehren, denen er sich als Jüngling zuerst gewidmet hatte. Er ging Ende des Jahres 1835eine Handelsverbindung ein, deren Pflichten und Sorgen er sich, wie Alles, was sein lebendigerGeist erfasste, mit grosser Treue zu Herzen nahm. Dabei erfreute ihn auch die Aussicht, dass seinjüngster Sohn sich mit Erfolg den Handelsgeschäften widmen werde und er ihn selbst hierzu an-leiten könne. Doch auch aus dieser Sphäre, die vielleicht seinem innern gemüthlichen Wesen an
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Buch
1 (1885) Geschichtliche Darstellung und biographische Schilderungen / auf Wunsch der Familie nach den Quellen bearbeitet und zusammengestellt von C. Keller-Escher
Seite
142
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