Buch 
Die alten Chroniken oder Denkwürdigkeiten der Stadt und Landschaft Zürich von den ältesten Zeiten bis 1820 / neu bearbeitet von Friedrich Vogel
Entstehung
Seite
644
JPEG-Download
 

644

ging .Zwingli auf die Hochschule nach Wien und kehrte dann nach zweijährigem Aufenthalt da-selbst in sein Vaterland zurück. Hier wurde er zuerst im Jahr 1502 als Lehrer im Sprachfachean der Martinsschule zu Basel angestellt, wo er die philosophische Magisterwürde annahm. Znseinem 22ten Altersjahr (1506) wurde er zum Pfarrer in Glarus erwählt. Hier suchte er Alleszum Bessern anzuregen und wirkte auf die Jugend und das ältere Geschlecht vortheildaft ein.kielt sich indessen in seinen öffentlichen Vortrügen noch ganz innerhalb der Grenzen der be-stehenden Kirchenlehre. Zm Zahr 1512 begleitete er das Landespanner nach Italien in denKrieg, trat dort als Feldprediger auf und wurde von dem Kardinal Schinner sehr ehrenvollbehandelt. 1513 zog er mit den Glarnern nach Novara ; 1515 begleitete er sie zum drittenMal nach Italien und hielt sechs Tage vor der Schlacht bei Marignano auf dem Rathkaus-platz zu Monza eine kräftige Predigt, welche namentlich gegen das Pensionssystem gerichtet warund die ihm Siele Feindschaft zuzog. Zm Zahr 1516 wurde er von dem Administrator desKlosters Einsiedeln als Leutpriefter in dasselbe berufen, wobei er Predigtamt und Seelsvrge zuübernehmen hatte. Hier erwarb er sich bedeutende Menschenkenntniß und wirkte bereits refor-mrrend und verbessernd nach allen Seiten hin. Er wurde dabei von dem Abt, dem Administratorund einigen Freunden unterstützt. 1517 schlug er einen Ruf an die Pfarrstelle zu Winterthur aus und predigte zu Einsiedeln selbst am großen Fest der Engelweihe offen wider die kirchlichenMißbräuche. Gegen Ende des Zabres 1518 ward die Stelle eines Leutpriesters am Groß-münster zu Zürich ledig. Mehrere der einflußreichsten Mitglieder deS Chorherrenstiftes und nebstihnen verschiedene Häupter des Staates wünschten Zwingli zu besitzen, der sich wirklich meldeteund mit 17 gegen 7 Stimmen gewählt wurde. Am 27. Christmonat kam er zu Zürich an.Mit dem 1. Januar 1519 fing er an, im Großmünster zu predigen und begann das EvangeliumMatthäus und zwar ohne allen menschlichen Tand, einzig nach dem Geist des Evangeliumszu erklären. Sogleich gewann er eine große Anzahl Zuhörer aus allen Ständen und dehnteseine Predigten allmälig auch auf die Wochentage aus. Als der Ablaßkrämer Samson nachZürich kam, griff ihn Zwingli heftig an und wußte zu bewirken, daß ihm der Eintritt in dieStadt verweigert wurde. Dem päpstlichen Legaten, der Zwingli zum Schweigen bringen wollte,gab er zur Antwort, wenn er und die übrigen Prälaten ihre Pflicht nicht thun würden, sowerde ihn wenigstens nichts abhalten, mit aller Kraft, die Gott ihm verleihen werde, an derAbschaffung des Aberglaubens und der Betrügerei zu arbeiten. Noch im Zahr 1519 brach diePest zu Zürich aus, von der auch Zwingli ergriffen wurde, allein im Spätiahr genas. Zwingli ,der unter die Zahl der Chorherren aufgenommen wurde, setzte 1520 sein angefangenes Werkfort und drang in seinen Vortragen immer mehr darauf, daß man sich einzig an das geschriebeneWort Gottes halten, nur was diesem gemäß sei glauben und alles übrige verwerfen soll. DerRath fand sich in Folge dessen bewogen, an alle Pfarrer den Befehl ergehen zu lassen, daßalle gleichförmig über das Neue Testament predigen und ihre Lehren einzig aus der Bibel be-weisen, die Neuerungen und menschlichen Satzungen aber weglassen sollten. Noch in diesemZahre beschloß das Kapitel der Chorherren auf Zwingli's Verwendung hin, die Menge vonFeiertagen zu vermindern. Ao. 1521 predigte Zwingli gegen das Projekt eines französischen Bündnisses, und seiner Einwirkung war es namentlich zu verdanken, daß die große Mehrheit derStadt- und Landbürger dieses Bündniß verwart und Zürich nicht in dasselbe einging. Von nun