Buch 
1 (1885) Geschichtliche Darstellung und biographische Schilderungen / auf Wunsch der Familie nach den Quellen bearbeitet und zusammengestellt von C. Keller-Escher
Entstehung
Seite
16
JPEG-Download
 

16

und Junker Hansen von Heidegg, dass Peter Raggelgöw, Caplan St. Caroli Altars, sein Haus ander Kirchgasse, welches ein Lehen der beiden genannten Edeln war, an Propst und Capitel desGotteshauses St. Felix und Regula zu Zürich verkauft habe.

Conrad Escher, Johannes Eschers Bruder, blieb also zu Kaiserstuhl; ob er daselbst Nach-kommen hinterlassen, ist ungewiss, jedoch nicht wahrscheinlich, da wir von der Mitte des XV. Jahr-hunderts an zu Kaiserstuhl keine andern Escher urkundlich finden, ausser den zürcherischen Gliederndieses Geschlechts, welche eben durch ihren Besitz noch lange mit ihrer ursprünglichen Heimatverbunden blieben. Dagegen müssen wir hier, bevor wir uns von Kaiserstuhl verabschieden, nochauf ein Ereigniss zurückkommen, welches wir schon oben kurz berührten, nämlich auf den Münz-fund im Jahre 1851.

Ein fünfzehnjähriger Knabe Widmer, welcher durch einen Unglücksfall den einen Arm ver-loren hatte, spielte am 12. April 1851 auf dem Plätzchen bei und zwischen dem zerfallenden Gemäuer,welches als letzter Rest des einstigen Escherhofes übrig geblieben war. Er wollte einen Gartenanlegen und war damit beschäftigt, das schiefe Plätzchen zu verebnen. Mit seiner Hacke grub eran der alten Mauer, als sich plötzlich eine kleine Nische zeigte, in welcher sich ein halbvermoderteshölzernes Kistchen befand. Wie staunte der Knabe und noch mehr der mit 11 Kindern gesegneteVater desselben, welchem das Plätzchen gehörte, als es sich herausstellte, dass der Inhalt desKistchens aus lauter Gold und Silber bestand. Es fanden sich 165 Goldmünzen, ca. l / a Kilo schwer,und gegen 500 Silbermünzen im Gewicht von ca. Kilo. Die Goldmünzen waren so schön erhalten,wie wenn sie frisch aus der Münze gekommen wären.

Meist waren es sogenannte Goldgulden, deutschen Gepräges, z. B. solche der Bischöfe von Mainz,Trier und Cöln, einige von Churfürst Rudpertus von der Pfalz aus der Münzstätte Oppenheim (1346),andere von König Ludwig IV. (13141367), ein Stück von Lübeck und zwei Stücke von Erfurt;ferner befanden sich darunter geldrische, böhmische und ungarische Goldmünzen, vier venetianischevon verschiedenen Dogen (von 13391382), je ein Stück aus Mailand, Florenz und Genua und endlichzwölf grössere Goldstücke von König Karl VI. von Frankreich.

Die Silbermünzen stammten sämmtlich aus Mailand und zeigten das Gepräge des Hauses Vis-conti aus der zweiten Hälfte des XIV. Jahrhunderts, auf dem Avers den heil. Ambrosius, auf demRevers das Wappen von Mailand.

Der Fund wurde grösstentheils von den Herren Caspar Schinz und Meyer-Ochsner von Züricherworben, später aber theilweise wieder veräussert.

Da alle diese Geldstücke dem XIV. Jahrhundert angehörten (nur zwei Stücke fallen in dieersten Jahre des XV. Jahrhunderts), so unterliegt es wohl keinem Zweifel, dass dieser Schatz einstdas Eigenthum der Escher zu Kaiserstuhl gewesen ist; da uns aber alle genaueren Angaben überdie Schicksale Conrad Eschers und der übrigen zu Kaiserstuhl gebliebenen Glieder des Geschlechtsfehlen, so können über die Gründe, warum diese bedeutende Summe Geldes hier verborgen wurdeund verborgen blieb, nur Vermuthungen aufgestellt werden.

Der Gold- und Silberwerth der sämmtlichen Münzen betrug ca, 1600 bis 1800 Franken; wennwir aber in Betracht ziehen, welch bedeutenden Werth das haare Geld im XIV. Jahrhundert inFolge seiner grösseren Seltenheit besass, so entsprach die Vorgefundene Summe einem sehr ansehn-lichen Kapital, um welches man in Zürich mindestens ein stattliches Haus hätte erwerben können.Um einen Begriff von dem Geldwerthe um das Jahr 1400 zu geben, führen wir an, dass eine zehn-tägige Gesandtschaftsreise des Bürgermeisters Meiss nach Bern mit zwei Knechten, den Rosslohninbegriffen, im Jahre 1396 nicht mehr als 6 Pfund (3 Gulden) 12 Schilling und 6 Pfennige kostete.

Wie aus so vielen oben angeführten Urkunden und anderen Zeugnissen geht auch aus demVorhandensein einer so namhaften Geldsumme im Besitze der Escher unzweifelhaft hervor, dass sichdie Familie schon damals eines soliden Wohlstandes erfreute.