Buch 
1 (1885) Geschichtliche Darstellung und biographische Schilderungen / auf Wunsch der Familie nach den Quellen bearbeitet und zusammengestellt von C. Keller-Escher
Entstehung
Seite
31
JPEG-Download
 

sowohl zu Zürich als auch bei den Eidgenossen sehr beliebt war und in hohem Ansehen stand.Obgleich er der reformirten Kirche mit ganzer Ueberzeugung ergeben und mit Bullinger besondersbefreundet war, hatte er es doch verstanden, sich mit seinen katholischen Miteidgenossen auf bestenFuss zu stellen, und genoss ihr volles Vertrauen; desswegen verwendete ihn Zürich gerne als seinenVertreter bei Einsetzung von neugewählten Aebten und bei ähnlichen Anlässen. Während er als Land-vogt zu Baden regierte, verkehrte er gerne mit den Benediktinern des benachbarten Klosters Wet-tingen und noch heute findet sich dort ein schönes Erinnerungszeichen an diese freundschaftlichenBeziehungen. Unter den prächtigen Glasgemälden, welche den Kreuzgang Wettingens schmücken,gehört eine trefflich ausgeführte Wappenscheibe, die Conrad Escher dorthin stiftete, zu den bestenStücken dieser Art. 1 )

Anderseits ist uns aus der nämlichen Zeit ein Brief Bullingers erhalten geblieben, der Zeugnissablegt über die gegenseitigen Gesinnungen der beiden Männer. Derselbe lautet:

Frommer, Ehrenvester, Fürsichtiger, Ehrsamer und Wyser Günstiger Herr Landvogt, guterfründt, Auch fründtliclier und fürgeliebter Schwager, myn willige Dienst und alles guets sye euchvon mir jeder Zyt bevor. Diss myn Schryben thun ich umb Keiner andern vrsacli willen, dannüch zu danken, auf dass alles fründtlichst und trewlichist, umb die Eer Liebe Fründtscliaft vndguttäht, die ihr mir villfaltig vnd gantz trewlich bewisen habend, alls ich von Königsfälden zu üchgen Baden kommen. Da ihr nit allein mich, sonder alle die ich mit mir gfüert mit Kosten aufsfründtlichst empfangen und gelassen habend, und erst über dass alles mir zu fuess so feer dassgeleit geben, dass ich, wiewol ichs auch hievor oftermahls gespürt, doch jetz und insonders erfarenhab, dass ihr mich liebend, vnd mir guts zethun gantz willig sind. Darumb bitten ich Gott, denvergelter alles gueten, dass er üch und den üweren sein Heiligen Segen verleihe, vnd üch vor allemBösen beware, so feer ich aber auch üch hin widrumb lieb Eer und dienst beweisen köndte, sollendihr eigentlich wüssen, dass ich gern gutwillig sein wollte. Bitten ihr wöllind in unser alten liebund fründtschaft verharren gägen mir, als ich auch gegen üch, grüssend mir vnd myner TochterDorothea üwer eeren liebe Haussfrawen, deren ich auch danken umb alles guts dass sy uns erzeigthat. Gott erhalte üch in seinem Schutz vnd schirmm vnd verlyhe üch seinen Heiligen Segen,Grüssend mir auch die Ehrsammen Dietrichen zur Bürg und seinen lieben Schwager den Wirt imhinderen Hoff. Geben Zürich den 29. Tag Aprilis 1570 Üwer guetwilliger

Heinrich Bullinger der ElterDiener der Kilchen Zürich.

Zu Zürich stieg Conrad Escher bis zum Seckeimeister, einer der ersten Würden im Staate.Für das grosse Ansehen, welches er genoss, spricht auch der Umstand, dass er von 1571 bis 1588als Obmann an der Spitze der Gesellschaft zum Schneggen stand. Seinen Wohlthätigkeitssinnbekundete er durch schöne Legate zu Gunsten des Almosenamts, des Spitals und der Spanweid.

Da sowohl seine erste Ehe mit Barbara Huber von Constanz, als auch die zweite mit AnnaStucki kinderlos blieben, so wendete er seine Hinterlassenschaft den Kindern seiner Brüder undSchwestern, die er alle überlebt hatte, zu. Sein Testament vom 3. Mai 1585 bietet so viel Interes-santes dar, dass einige Mittheilungen daraus erwünscht sein dürften. In erster Linie sorgte er fürseine Gattin für den Fall, dass ihn dieselbe überleben sollte. Er vermachte ihr fünfhundert Guldenund ein vollständiges Bett zu freiem Eigenthum, ferner den Zins von fünfzehnhundert Gulden Kapitalund freie Benutzung seiner Behausung samt Garten unter den obern Zäunen gelegen, so lange sieim Wittwenstand verbleibe. Damit seine liebe Ehefrau nach seinem Tode um so leichter eine eigeneHaushaltung anfangen könne, so sollen ihr seine Erben bei der Erbtheilung zehn Eimer Wein, zehnMütt Kernen, einen Zentner Anken und zehn Klafter Holz verabfolgen. Ferner verfügte er, dassdie berührten fünfhundert Gulden auf alle Fälle, auch wenn er seine Gattin überleben sollte, anihre Verwandten fallen solleninn ansehung der villfaltigen Trew und liebe so er von Ihro stetsempfache und die Iren des Billichen auch gemessen. Ueberdiess wolle er an seiner EhefrauenKleider und Kleinodien keinerlei Ansprache erheben, sondern dieselben ihren Erben ungeschmälertherausgeben.

) Eine wohlgelungene Kopie ziert die Stammtafeln der Familie Escher vom Glas.