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1 (1885) Geschichtliche Darstellung und biographische Schilderungen / auf Wunsch der Familie nach den Quellen bearbeitet und zusammengestellt von C. Keller-Escher
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die Kriegslüt nicht mehr mit anhören,diewyl er ouch einer wäre. Die Gesandten Zürichswollten Escher nicht widerfahren, sondern stellten ihm vor, dass er wider MHHerren Satzungenhandle und um Ehre, Leib und Gut kommen möchte. Sie beredeten ihn, nach Zürich heimzukehrenund gehorsam zu sein, fanden aber kein Gehör. In der Nacht jedoch gerieth Ulrich Escher imAVirthshause, wo er logirte, in Streit und wurde in den Leib gestochen, worauf er seine kriege-rischen Absichten aufgab. Zu Zürich wurde er vor den Rath citirt und strenge bestraft.

Aus einer Notiz in den Rathsbüchern geht hervor, dass Ulrich es zu Hause nicht allzulangeaushielt, sondern in deritaliänischen Gwardi Dienste nahm. Im Jahre 1552 kehrte er heim undmusste vom Rathe wegen seiner unburgerlichen, kriegerischen Aufführung zurechtgewiesen werden.

Eine ganz ähnliche Stellung wie der Seckeimeister Conr. Escher nahm sein Bruder Rudolf Escher(St. T. III No. 44) ein. Geboren am 12. Januar 1523, trat er 1542 als Antheilhaber in das väterlicheGeschäft, den Tuchhandel, ein, welchen die Mutter mit seiner Hülfe bis zum Jahre 1556 fortführte.Nach dem Tode seiner Mutter Elisabetha Wegmann übernahm dann Rudolf den Gewerb auf eigeneRechnung. Dass das Geschäft einen bedeutenden Umfang besass, geht daraus hervor, dass dasselbe1556 zu 5998 Pfund 4 Schilling und 7 Haller geschätzt wurde. (981 H galt der Vorrath an Tuch-waaren, 8796tb 4 j) 7 hlr. betrugen die ausstehenden Forderungen und 1221 U war an Baarschaftvorhanden.)

An der Regierung nahm Rudolf Escher ebenfalls Theil, indem er 1551, erst 27 Jahre alt, inden grossen Rath, 1569 in den kleinen Rath gelangte und schliesslich die Stelle einesObmannsGemeiner Klöster, neben Bürgermeister, Statthalter und Seckeimeister eine der ersten AVürden imStaate, bekleidete. Er starb am 31. Mai 1575 in seiner Amtswohnung, dem ehemaligen Barfüsser-kloster.

Von seinen vier Frauen erwähnen wir hier nur die erste, Anna Werder, weil aus dieser Ehedas spätere Geschlecht entstammt. Sie war die Tochter eines frühe (vor 1543) verstorbenen ConradAVerder, Zwölfers zum Weggen, und der Apollonia Keller vom Steinbock, welche erst 1571 alshochbetagte Matrone ihrem Gatten nachfolgte. Sie hinterliess ihren Enkeln ein sehr bedeutendesA T ermögen, worüber sich in den Collectanea Escheriana mehrere Documente, wie Testamentsbriefe,Theilrödel etc. vorfinden.

XII.

Rudolf Escher, von welchem das ganze spätere Geschlecht abstammt, hinterliess vier Söhne,zwei aus erster Ehe, Hans Conrad und Heinrich, zwei aus zweiter Ehe, Marx und Rudolf Escher.

AVir verweilen zuerst in Kürze bei dem dritten Sohne, Marx Escher. Geboren 1561, trat erjung in französische Kriegsdienste. Er diente 1587 unter Ohrist Caspar Krieg von Bellikon gegendie Guisen, später in einem der Schweizerregimenter (Wiechser), welche Heinrich von Navarraden Thron erringen halfen. Er kämpfte in der Schlacht von Ivry und hielt sich tapfer hei denBelagerungen von Paris und Rouen. Leider ist uns über die militärische Thätigkeit dieses Manneswenig bekannt; dass er jedoch im Felde neben den Arregger, Grissach und AViechser seinen Manngestellt, bezeugen die mehrfachen Anerkennungen, welche der König ihm zu Theil werden liess.Henry IV. ernannte Marx Escher zu seinem Kammerherrn und ertheilte ihm ein Ritterdiplom,dessen Wortlaut wir hier folgen lassen:

Henry, par la grace de Dieu Roy, de France et de Navarre, ä tous presens et advenir Salut.Encore que les actes vertueux et signales rendent deux mesmes ceux, qui les executent, assezreconnnendables, cest que pour les porter encore davantage ä la continuation de leur generosite,Nos Predecesseurs ont accoustume de de'corer leur nom et memoire de titres et qualites honorablescorrespondant ä leurs vertus et merites, ce que Nous qui ne voulons rien ceder ä aucun de Nosdits Predecesseurs en reconnoissance des fidels Services qui Nous seront faicts et qui ne desironsmoins que nul aultre qui ayt jamais faict connoitre en Nous ce qui se peut esperer de recompense

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