neben dem ersteren. Die Sequestration einer Menge geistlicher Stifte und Klöster in Folge derersten Theilung Polens und der Reformen Kaiser Josephs II. brachten schliesslich den alten Flor inVerfall. Dem neuen Krepp ging es besser und es vermochte selbst die französische Revolution,wie sehr sie mit den allgemeinen Trauergebräuchen aufräumte, das Gedeihen der Escher’schen Fabriknur unwesentlich zu stören; die zahllosen Todesfälle als Folge der unausgesetzten Kriege Hessenden Bedarf an Trauerflor nicht zurückgehen. Dagegen erstand den Zürchern in Lyon eine gewaltigeKonkurrenz. Es heisst, dass französische Flüchtlinge, welche anlässlich der Belagerung von Lyonim Jahre 1793 nach Zürich kamen, im Seidenhofe gastliche Aufnahme gefunden und dabei dieGelegenheit benutzt hätten, sich mit der Fabrikation des Bologneserflors bekannt zu machen. InLyon will man die Einführung des Artikels von Bologna her von viel früher datirt wissen, gibtdagegen zu, dass derselbe erst vom Beginne des laufenden Jahrhunderts an ernstlich betriebenworden sei. Die schon erwähnte Erfindung der Kräusmaschine gab den Anlass zum Aufschwungdes Artikels und zur Ueberflügelung der alten Produktionsstätten Bologna und Zürich. Währendsich letzteres noch bis in die Gegenwart neben Lyon zu behaupten gesucht hat, führte ersteresnicht einmal mehr die Kräusmaschine bei sich ein. An der Landesausstellung zu Mailand im Jahr1881 fand sich keine Spur des früher so berühmten Fabrikates mehr vor.
Die Escher’sche Fabrik im Seidenhof spaltete sich 1807 in zwei Theile, in den „gelben Seidenhof“und in den „neuen Seidenhof“, doch war die Gesammtproduktion schon 1824 bedeutend zurückgegangen.Die früher so begehrten und blühenden Artikel waren eben in der Nachfrage sehr gefallen theilsin Folge der Konkurrenz in Lyon, theils auch in Folge des Wechsels der Mode. Ein gewisser Auf-schwung der alten Firma „Heinrich Escher jünger und Gebrüder“ im Verlaufe des XIX. Jahrhundertsist immerhin erwähnenswerth. Statt, wie bisher, ihr Fabrikat nur in schwarz als Bolognese r-Tr au er fl or zu fabriziren, brachte die Firma dasselbe vom Beginn der Vierziger Jahre an auchin Farben als crepe-crepe auf den Markt und gelangte so zehn bis fünfzehn Jahre später wiederzu einem Absatz bis auf 100,000 Fr. jährlich. Auch die Fabrikation von crepe de chine wurdeangestrebt und darin im Fichu-Artikel ein bescheidenes Resultat erzielt.
Im Jahre 1856 erlosch die ehrwürdige Firma „Heinrich Escher jünger und Gebrüder“; dasGeschäft ging an die „Gebrüder Bürkli im Seidenhof“, zwei Enkel Hans Conrad Eschers von der Linth,über, deren Vater, Stadtpräsident Job. Georg Conrad Bürkli, als Associe seines Schwagers ArnoldEscher von der Linth schon seit langen Jahren die Fabrikation geleitet hatte.
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Nachdem wir den „Seidenhof“ in seiner kommerziellen Bedeutung kennen gelernt haben, müssenwir auch noch unter den Männern Umschau halten, welche diesem stattlichen Bürgerhause entsprossensind. Wie von den „Eschern zum Wollenhof“, so dürfen wir es auch von den „Eschern im Seiden-hof“ ohne alle und jede Ueberhebung oder Schmeichelei aussprechen, dass sie zu Zürichs bestenSöhnen zählen. Sie erwarben sich nicht nur unschätzbare Verdienste um Zürichs Handel und In-dustrie, sondern sie wirkten auch mit eben so schönem Erfolge auf allen übrigen Gebieten desöffentlichen Lebens. Hervorragende Staatsmänner und berühmte Gelehrte treffen wir in ihren Reihen,deren Leistungen nur übertroffen werden durch ihr Wirken auf dem Felde der Gemeinnützigkeit,da, wo reine, edle Menschenliebe ihr Herz entflammte und ihre Thatkraft zu unvergänglichen Werkenanspornte. Die Namen eines Statthalters Heinrich Escher, eines Caspar Escher im Felsenhof, einesHans Conrad und Arnold Escher von der Linth sind mit ehernem Griffel in Zürichs Ehrentafeleingeschrieben! —
Wir hatten schon mehrfach Veranlassung, den 1688 geborenen Enkel des BürgermeistersHeinrich Escher, Joh. Heinrich (St. T. XI No. 99), als unternehmenden und einsichtigen Kaufmannzu erwähnen. Derselbe gelangte 1729 als Zunftmeister zur Meise in den Rath, 1731 als Direktorin die \ orsteherscliaft der Kaufmannschaft, 1734 wurde ihm die Statthalterwürde, die nächste amBurgermeisterstuhle, übertragen. Im Jahre 1711 hatte er sich mit Barbara Werdmiiller, der einzigenTochter des jung verstorbenen Heinrich Werdmüller im „alten Seidenhof“ verheirathet, mit welcherer in neunzehnjähriger, mit Kindern reich gesegneter Ehe lebte. Zum zweiten Male verehelichte ersich 1730 mit Küngold Hirzel, der Tochter des Konstaffelherrn und Quartierhauptmanns Heinrich