Buch 
1 (1885) Geschichtliche Darstellung und biographische Schilderungen / auf Wunsch der Familie nach den Quellen bearbeitet und zusammengestellt von C. Keller-Escher
Entstehung
Seite
94
JPEG-Download
 

94

Verbindung an dem Umstand, dass sie, eine überzeugungstreue Katholikin, dieselbe nur mit Ein-willigung der Kirchenbehörden eingelien wollte, welche ihrerseits Bedingungen stellten, die Escherunmöglich annehmen konnte. Erst im Jahre 1857 kam die Ehe endlich zur grossen Freude vonEschers Freunden und Angehörigen zu Stande. Leider wurde ihm die Gattin, welche ihm in liebe-vollster und verständnissinnigster Weise zur Seite stand, schon nach sechs Jahren wieder durch denTod entrissen. Die Ehe war kinderlos geblieben. Der Verlust der theuren Gattin lastete schwerauf Eschers Gemüthsleben, und selbst die Reise nach der Sahara, zu welcher ihn nunmehr seineFreunde Desor und Martins veranlassten, vermochte nicht seinen Kummer zu stillen. Nur die festeZuversicht auf ein einstiges Wiedersehen, welche er in seinem Herzen bewahrte, milderte seinenSchmerz. Ein grosser Trost war es für ihn, dass seine Verwandten Alles auf boten, um ihm denherben Verlust leichter ertragen zu machen. Vorerst besorgte wieder Frau Regierungsrath HirzelEschers Hauswesen, und nach ihrem Tode geschah diess in liebreichster Weise durch die Familieseines Schwagers Bürkli.

Ungehindert konnte er die letzten Jahre seines Lebens sich seinem Berufe widmen. Im Kreiseder Familie und im Umgänge mit treuen Freunden fand er die nothwendige Erholung. Im Früh-jahr 1872 stellte sich ein Halsübel bei ihm ein, welchem er nach vielen, mit bewunderungswürdigerGeduld und Ergebung getragenen Leiden am 12. Juli erlag.

Die Kunde, dass Linth-Escher gestorben sei, rief in der ganzen Schweiz und über ihre Grenzenhinaus tiefe Trauer hervor, welche in mannigfacher Weise beredten Ausdruck erhielt.

Der Grundzug von Eschers Charakter war seine grosse Herzensgüte, welche schon aus seinemmilden, freundlichen Auge strahlte und sich in der verschiedensten Weise kund gab. Er übte einegrossartige Wohlthätigkeit, die sich aber stets in stiller Verborgenheit vollzog, und selbst für seinenächsten Freunde erst nach seinem Tode bekannt wurde. Mit seiner Gutmüthigkeit verband sich einreines, kindliches Gemüth, das er sein Leben lang bewahrte. Unbestechliche Wahrheitsliebe und einesich selbst vergessende Bescheidenheit waren ihm zur anderen Natur geworden. Trotz der Mildeseines Wesens verfolgte er das Vorgesetzte Ziel mit grosser Energie und Zähigkeit, die vor keinenHindernissen zurückschreckte.

Arnold Escher von der Linth darf seinem Vater würdig zur Seite gestellt werden. Dass er,wie sein Vater, von feuriger Vaterlandsliebe durchdrungen war, beweist unter Anderm ein Brief,den er an Alexander von Humboldt richtete, als im Spätherbst 1856 der Ausbruch eines Kriegeszwischen Preussen und der Schweiz drohte, um den grossen Gelehrten zu bitten, seinen Einflussbeim Könige zur friedlichen Beilegung des Konfliktes geltend zu machen.

Arnold Escher von der Linth war ein edler Mensch, eine Leuchte der Wissenschaft, ein Lehrerseines Volkes. Die Lebensarbeit des Vaters und des Sohnes ergänzt sich gegenseitig und es istunmöglich, von dem Einen zu sprechen, ohne des Andern zu gedenken. Es gibt nur zwei Eschervon der Linth, Vater und Sohn. Sie bilden einen Doppelstern am vaterländischen Himmel, der hellleuchten wird bis zu den fernsten Geschlechtern!

* , *

*

Der Constaffelherr Hans Caspar Escher im Seidenhof, letzter Gerichtsherr zu Kefikon und Islikon,hinterliess ausser Hans Conrad Escher von der Linth, der, wie bereits erwähnt, aus zweiter Eheentstammte, zwei Söhne erster Ehe, Heinrich Escher (St. T. XI, No. 160) und Johannes Escher(St. T. XI, No. 161).

Heinrich Eschers Nachkommenschaft hat sich in neuerer Zeit in erfreulicher Weise ausgebreitet,so dass ein Aussterben dieser Branche nicht zu befürchten ist. Wir zählen unter den lebendenGliedern mehrere Kaufleute, ferner einen Doctor medicinae, einen Professor am eidgenössischenPolytechnikum, einen Doctor philosophiae und Professor am Gymnasium, einen Dr. philos. undHistoriker etc. Ein Zweig der Familie ist durch Heinrich Escher-Trümpler (St. T. XI, No. 209)nach Triest verpflanzt worden. Ueber das nähere Detail enthält die Stammtafel XI die nöthigenAngaben.