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1 (1885) Geschichtliche Darstellung und biographische Schilderungen / auf Wunsch der Familie nach den Quellen bearbeitet und zusammengestellt von C. Keller-Escher
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so weit möglich das Augenmerk gerichtet und so z. B. aus der Mark Brandenburg berichtet, essei in diesem Lande insonderheit angenehm zu sehen und zu hören, wie sehr die Unterthanen ihrenHerrn lieben und mit wie grosser Yeneration sie von ihrem seligen Churfürsten Friderico Wilhelmomagno reden, während in Sachsen die Unterthanen sowohl von dem verstorbenen als von demregierenden Churfürsten reden, was sie wollen. Einlässlich wird der Eindruck machende Besuchin der Niederlassung der Gemeinschaft der Labadisten in Wiwert, wo der Nachfolger von LabadieYvon die Beisenden mit Büchern beschenkte, beschrieben. Der Vater wünschte mm Heimkehr undfür den Winter Aufenthalt in Italien und Frankreich; aber mit viel Aufwand von Beredsamkeitin vier grossen Briefen, von denen der letzte zu mehrerem Nachdruck lateinisch geschrieben ist,bestürmte Escher den Vater, ihn noch ein halbes Jahr an der Universität in Utrecht studiren zulassen. Er stellte vor, wie gänzlicher Ruin aller seiner Studien eintreten werde, wenn nicht dieseVollendung noch erfolge, und wie bedenklich es für einen noch so jungen Menschen sei, so langezu Rom und Venedig zu verbleiben;denn schreibt er obschon ich hoffe mit der HülfeGottes mich schon genugsam regieren zu können, so ist doch Rom ein gar zu starker Feind, umdesselben Verführungen in so langer Zeit gänzlich widerstehen zu können, und während des Kar-nevals in Venedig würde ein junger und curiöser Mensch wenig studiren können; in Frankreichausser in Paris werden die Studien gänzlich negligirt, man denkt da mehr an den Krieg, und zuParis sind die Gelehrten meistentheils Pfaffen, die einen Reformirten kaum getreulich instituirenund ihm gute principia beibringen werden, auch sind die Sachen der Franzosen meistens nicht solidsondern nur brillant. Der Vater gab endlich nach und nun wurde die Zeit vor dem Beginn derKollegien noch zu einem Ausflug nach Brüssel und in das Lager der den Franzosen bei Ath gegen-über stehenden Alliirten, deren Kriegsführung, da bald darauf die zum Frieden von Ryswickführenden Unterhandlungen begannen, nicht mehr eifrig war, verwendet. In Brüssel hatte EscherGelegenheit zu erfahren, wie nützlich am rechten Ort erwiesene, selbstverläugnende Gefälligkeitwerden kann. Er erzählt:In Brüssel kehrten wir in einem Wirthshaus ein, in welchem nur vor-nehme Offiziers und andere dergleichen Personen logirten. Als wir zum Nachtessen kommen, hatein Spanischer General gewahret, dass unser 13 Personen waren, desswegen dem Wirtli befohlen,er solle verschaffen, dass einer sich retirire. Der Wirth hatte zuerst an Jemand sich adressirt,der nicht weichen wollte. Darauf ist er mit aller Höflichkeit an mich gestanden und hat mir auchdie Ursach eröffnet. Weil ich nun gewusst, dass viel Leut in dem Aberglauben stehen, dass wenn13 zum Tische sitzen, müsse innert dem Lauf eines Jahres einer davon sterben, hab ich das Schnupf-tuch für die Nasen genommen, als wann ich blute, und bin mit einer Reverenz davon gegangen.Als darauf der Wirth mir mein Nachtessen auf die Kammer brachte, hat er mir sehr gerühmt,wie wohl dieser General solches aufgenommen. Am Morgen liess dieser Spanische General durchseinen Kammerdiener mich in sein Zimmer kommen, bezeugte mir selber sein Wohlgefallen, verlangtezu wissen, wer ich sei, und that mir seine Dienste anbieten. Inzwischen brachte man Cliokolade,von der ich auch musste trinken, und war dies die erste Chokolade, die ich mein Lebtag versucht.Da nahm ich die Freiheit ihm zu sagen, wie ich Vorhabens sei mit meinen Kameraden zur alliirtenArmee zu reisen, desswegen ich um die Gnade bitte, dass er uns dazu wolle behülflich sein. SeineAntwort war, er sei hier in Brüssel, um die grossen Convois zur Armee zu dirigiren, also könnekein Mensch mir besser helfen als er. In 4 Tagen werde ein solcher Convoi abmarschiren, mitdem er mich sicher zur Armee wolle bringen. Inzwischen speisten wir an der gleichen Tafel undmusste ich ihm allezeit an der Seite sitzen und von seinem Wein trinken. Die Weiterreise mitdem Convoi yi einem bedeckten Wagen wurde sodann wirklich kostenfrei gewährt und ging voll-kommen glücklich von Statten. In dem Lager fanden die Reisenden freundschaftliche Aufnahmebei den Offizieren des Schweizerregimentes Lochmann und hatten guten Anlass, die Armee, welchedie schönste gewesen sei, die in diesem Kriege zusammengebracht worden, zu sehen. Sie wurdevon dem König Wilhelm von Oranien in Person befehligt und Escher schreibt am 23. Juli vollFreude:Gerade jetzunder haben wir divum Wilhelmum gesehen zuPferd sitzen und um den Campherum reiten.

Nach Utrecht zurückgekehrt, hatte er das Glück, eine sehr gute Pension zu finden, wo er inGemeinschaft mit den Söhnen des holländischen Generalfeldmarschalls dAthlone, einem preussischen

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