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größten Spielraum, und man kann solches für Fensterconstructionen gelten lassen, weil gerade bei solchen allessosehr vom jedesmaligen Bedürfnisse abhängt. Mein das eigentliche, stylgemäße Verfahren ist jenes in Figur 18des Vorlegeblattes n gezeigte, bei welchem die Seiten- und Diagonallinien des Grundrißquadrats, so wie dieDiagonallinie dessen Kubus für die Dimensionen der Höhenverhältnisse genug Anhaltspunkte abgeben. DieseConstruction hätte hier eben so gut angewendet werden können. Weitere Entwicklung und Modifikation derselbenist im Vorlegeblatte vi, Figur 1, dann im Vorlegeblatte vn, Figur 1, ncl 1 und 2 enthalten. Eine Grundriß-construction, wie die hier in den Figuren 22 und 23 angewendete muß als Ausnahme bezeichnet werden; sie kannzwar mit dem vorerwähnten, stylgemäßen Verfahren zufällig zusammentreffen, darf aber doch nur als Nothbehelf«.I i. für dekorative Zeichnungen gelten, wo keine strenge Grundrißbildung als nothwendig erscheint. — Die Figur1 zeigt eine Zusammensetzung des geraden Sturzes, wie solche sowohl bei Thüren, als auch bei Fenstern vonWohngebäuden und bloßen Wandvertiefungen vorkommt. Ueberhaupt läßt sich diese Form bei dekorativer Ver-zierung als Haupteintheilung eines ganzen Raumes Vortheilhaft benützen. Die Distanz n b ist durch 6, danndurch e und e in vier gleiche Hälften eingetheilt. Eine solche Hälfte wird von n nach f, und von b nach A,sodann von k nach k und von K nach i, so wie endlich von k nach k und von L nach 1 getragen, woraufsämmtliche Punkte durch Linien verbunden werden. Für den Fall der Anwendung dieser Form zu einem Fensterwürde mehr Regelmäßigkeit entstehen, wenn die Distanz n b in drei gleiche Theile getheilt würde, so daß dieDimensionen fk, ki und iK einander gleich wären. Von den Punkten k und i aber müßten alsdann Pfosten(wie in Figur 23) auf die Fensterbank laufen.
2. Construction flacher Kreisbögen und deren Anwendung.
uch der flache Kreisbogen findet häufig seine Anwendung, doch, gleich dem geraden Sturze, vorzugs-()Il weise bei Fenstern (seltner bei Thüren) weltlicher Gebäude. Wie die Fenster mit geradem Sturze könnenauch die flachgewölbten mit Pfosten versehen werden, letzteres namentlich, wenn äußere Raumverhält-nisse keine bedeutende Höhe, aber desto mehr Breite zulassen, in welchem Falle die lothrechte Theilungdurch Pfosten dem Ganzen eine scheinbar größere Höhe verleiht. Ueberhaupt ist die Theilung der Massendurch lothrechte Pfosten (welche auch als nicht durchbrochene Verzierung von Wänden vorkömmt) ein durch-greifendes Mittel des gothischen Styles, um unscheinbaren und niedrigen Theilen oder Räumen ein besseres,aufstrebenderes Ansehen zu verleihen. Was die Eintheilung der Pfosten in alte und junge betrifft, so folgt
2 . hierüber die Erklärung unten bei'm Vorlegeblatte V. — Der Bogen Figur 2 wird conftruirt, wenn vona und b aus die Distanz a b durch einen Kreuzschnitt nach 6 getragen wird, welches der Punkt ist, vonwelchem aus mit der nämlichen Zirkelöffnung der Bogen von a nach k beschrieben wird. Dieser Bogen beruhtzunächst, wie die Figur zeigt, auf dem spitzbogigen Dreibogen, und mit diesem auf dem gleichseitigen Dreiecke. —
3. Höher wird die Wölbung, wenn, wie in Figur 3 geschehen, die Distanz n k bei e in zwei gleiche Hälftengetheilt, und von 6 aus eine dieser Hälften nach 6 getragen wird, welches der Punkt ist, von dem aus mitder Zirkelöffnung von d nach n der Bogen von n nach d beschrieben wird. — Noch höhere Wölbung ergiebt
4. sich, wenn, wie Figur 4 zeigt, die Distanz a d zuerst in die Hälfte bei 6, und die Distanz n e wieder in dieHälfte bei 6, sodann aber die Distanz e d von e nach 6 getragen wird, welches der Punkt ist, aus welchemmit dem Zirkel der Bogen von u nach b beschrieben wird. — Aus dem bisher gezeigten Verfahren ergiebt sich,daß wenn man die Distanz ubbei e in zwei Hälften theilt, und sodann von e in der Richtung nach f(Figur 4)eine Linie zieht, dieses die Linie ist, mittelst welcher die mannigfachsten Arten von flachen Bögen construirtwerden können, je nachdem man auf derselben den Zirkel vom Punkte 6 näher oder entfernter einsetzt.
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3. Halbkreisförmiger Bogen und dessen Anwendung.
ie Construction des halbkreisförmigen Bogens ist zu bekannt, um einer weitem Erklärung zu bedür-fen. Seine Anwendung im gothischen Style gehört zu den Ausnahmen, denn sogar der flache Bogenkömmt noch häufiger vor, als der halbkreisförmige, die eigentlichen Radfenfter abgerechnet, welchevon den Alten wegen ihrer Ähnlichkeit mit dem Sinnbilde der heiligen Katharina, dem Rade, Katharinen-räder genannt, und daher vorzugsweise bei Katharinenkirchen symbolisch angewendet wurden. RundbogigeFenster mit Pfosten und diese vereinigenden, durchbrochenen Verzierungen finden sich an Kirchen nur selten,und zwar an Werken der späteren Periode des gothischen Styles vor. Noch seltener ist der Rundbogen beiFenstern von Wohngebäuden anzutreffen, ungeachtet hier bei Gebäuden aus der letzten gothischen Periode derRundbogen als Thüröffnung angewendet ist.