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Gothisches ABC-Buch, das ist: Grundregeln des gothischen Styls für Künstler und Werkleute / von Friedrich Hoffstadt
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XXXIV, dann XXXVII bis XV. Von der Gestaltung einzelner

Monumente.

1 . Vlichtkirchliche Msnumeme.

on kleineren Monumenten der Civilarchitectur des Mittelalters kann man fast nur die Brun-nen anführen, insofern dieselben mit Bildsäulen versehen, und entweder mit Heiligenfiguren,oder den Statuen von Landesregenten und berühmten Männern geschmückt wurden. Einesder schönsten und bekanntesten Monumente dieser Art ist der mit Recht sogenannte schöneBrunnen zu Nürnberg , dessen reicher, tabernakelartiger Bau zahlreich mit Figuren, und zwarinsbesondere mit Kaiserstatuen besetzt ist. Viel unbedeutender und kleiner ist der Brunnenvor dem Ulmer Rathhause, aber deßhalb interessant, weil derselbe, statt, wie gewöhnlich aus der Quadratur, sehrsinnreich aus der Triangulatur construirt ist. Der dreieckige Kern des Haupttheils bildet nämlich drei, mit kleinenRitterstatuen geschmückte Nischen, über welchen sich ein sechseckiger, helmgekrönter Baldachin erhebt. Die aus-schließliche Beziehung, welche man heutiges Tages mit dem Begriffe von öffentlichen Denkmalen verbindet, indemman darunter Monumente für Regenten oder berühmte Männer versteht, kannte man im Mittelalter, wenigstensin diesem Sinne, nicht. Zwar wurden auch damals bedeutende Männer durch Denkmale geehrt, allein es geschahnicht, wie jetzt, in einer nur der menschlichen Eitelkeit huldigenden Richtung, noch auf eine, durch antike Symboleund Beziehungen für unser Volk unverständlichen Weise, bei welcher der christliche Sinn völlig vermißt wird;vielmehr zierte man im Mittelalter mit den Statuen berühmter Männer die öffentlichen Gebäude, wie Rath-häuser, und selbst Kirchen, oder auch kleinere Monumente, wie z. B. Brunnen. Wo jedoch wirklich nur demEinzelnen ein Monument errichtet wurde, da war es zugleich sein Grab, und schon dadurch von einer tieferenBedeutung. Daß übrigens die Anwendung gothischer Architektur mit ihren tabernakelartigen Formen auch beimodernen, öffentlichen Monumenten zu viel schöneren Bildungen führen würde, als der gegenwärtige Gebrauchder viereckigen, antiken oder italienischen Sockel zuläßt, auf welchen die berühmten Männer mit unbedecktenHäuptern in Wind und Wetter stehen, dürfte einleuchtend sein.

2. kirchliche Monumeme.

ie meisten kleineren, mittelalterlichen Monumente, wie Altäre, Sacramentshäuschen, Kanzeln, Tauf-fteine, die heiligen Gräber, Oelberge u. dergl., welche alle mehr oder weniger einen tabernakelartigenCharakter in ihrer Gestaltung haben, erscheinen als einzelne Bestandtheile der kirchlichen Architektur.Selbst die Grabmonumente gehören hieher, da sie sich in (oder außen an) den Kirchen befinden. Von den Holz-altären war schon oben die Rede. Seltener sind die Altäre von Stein. Zu den Beispielen dieser Art gehört der-jenige, welcher sich im Dome zu Frankfurt am Main in der nördlichen Seitenkapelle neben dem Chöre befindet,und in colossalen runden Figuren den Tod der Maria vorstellt. Die reiche und zierliche Architektur ist auf derVorderseite durch zwei dünne, jedoch eiserne Säulen gestützt, während der oberste Mitteltheil auf einem, aus derdicken Mauer der Rückwand kragsteinartig hervorragenden, Steine ruht. Dadurch wird erklärlich, wie die, vonden dünnen Säulchen getragenen, Querwände des Altars mit Maaßwerk völlig durchbrochen sein können, indemnämlich der Dbertheil der ganzen Gestaltung nur scheinbar auf den Querwänden ruht. Dieser Altar zeichnetsich durch seine schönen Verhältnisse aus und dürfte, ungeachtet an ihm der geschweifte Giebel bereits vorkommt,dem ältern Gewandftyle seiner Figuren nach, dem vierzehnten Jahrhunderte angehören*). Auch im nördlichenFlügel des Domes zu Eichstädt befindet sich ein steinerner, gothischer Altar mit vielen Figuren und reicher Archi-tektur, je doch mit den gewundenen und pflanzenhaften Formen, wie sie der spätesten Stylperiode angehören. Inseiner Construction unterscheidet sich dieser Altar nicht von Holzaltären, indem sein Hautptheil, wie bei letzteren,

Lcrsner's Frankfurter Chronik ist unter dem Jahre 1678 von der Restauration eines 1325 u tiudulplro milltv lle 8neli8vnksu8vn " gestifteten Altarsdie Rede. Sollte dieses der eben besprochene sein?