ii. Anwendung der geometrischen Grundsiguren
auf die Grundformen des Styles, und Auszug der letztem aus dem Grundriß
in den Aufriß.
i. Anwendung geometrischer Grundfiguren überhaupt.
n der Einleitung wurden bereits als die vorherrschenden geometrischen Grundfiguren das Biereckmit dem aus ihm hervorgehenden Achteck, und das Dreieck mit dem aus ihm entspringendenSechs- und Zwölfeck bezeichnet. — Die Figur 1 versinnlicht, wie aus zwei über einander über i.Eck gestellten Vierecken das in der Figur acl 1 dargestellte Bier- und Achteck entstanden ist. - ^ i.Die Figur b aä 1 zeigt die Entstehung des in der Figur 6 aä 1 dargestellten Drei-, Sechs- und >>»'>Zwölfecks aus über einander über Eck gestellten Dreiecken. — Die Figur 6 aä 1 enthält zwei aüber einander über Eck gestellte Fünfecke, aus welchen das in der Figur e aä 1 dargestellte Fünf- und Zehneck o ^hervorgegangen ist. — Die Uebereckstellung der Grundfiguren ist ein wesentliches, dem gothischen Styleeigenthümliches und in allen seinen Theilen wiederkehrendes Princip. Dieselbe ist eine doppelte, entweder dieUebereckstellung der Grundfiguren über einander oder in einander. Aus beiden gehen, wie sich in der Folgezeigen wird, die wichtigsten Constructionen hervor. Die geometrischen Grundfiguren 1, 6 aä I, und 6 acl I,aus welchen die Grundformen der Figuren 2 bis 5 entnommen wurden, sind aus der in den Figuren 1, bab 1 und6 aci 1 gezeigten Uebereckstellung der Grundfiguren übereinander hervorgegangen. Bei der Anwendungdieser Grundfiguren auf die Grundformen ist in der Regel der einfachere Theil, also Viereck, Dreieck, Fünfeckals der Untersatz, der complicirtere aber, also Achteck, Sechseck, Zehneck als der Aufsatz zu behandeln. Sobildet beispielsweise das Biereck den Fuß oder Sockel von Schäften und das Achteck den Schaft selbst, — dasBiereck den Untersatz von Thürmen, und das Achteck den oberen Theil, der sich auf das Biereck aufsetzt. —
In den nun folgenden Figuren wird gezeigt, wie die Grundformen aus dem Grundrisse ausgezogen, oderin Aufriß gebracht werden, und wie im Aufriß die als Untersatz und Aufsatz behandelten oder über einandergestellten Körper nicht bloß (wie dieß wohl in andern Stylen geschieht) Winkelrecht über einander gesetzt, sondernjedesmal durch Wasserschläge*) mit einander verbunden werden. — Fast in allen Vorlegeblättern wurde diegeometrische — der perspektivischen entgegengesetzte —Zeichnung angewendet, die den Zweck hat, die Maaße derdargestellten Körper in ihrer Länge und Breite, Tiefe und Höhe aus einem verjüngten, auf der Zeichnungangebrachten Maaßstabe mit dem Zirkel abnehmen zu können, zu welchem Behufe fingirt wird, es befändensich sämmtliche Theile jener Körper gerade in der Augenlinie, welche alle in sie fallenden Linien als horizontaleoder Wagerechte erscheinen läßt. Es giebt, strenge genommen, nur zweierlei Arten von geometrischer Zeichnung:die Zeichnung der Durchschnitte und die Zeichnung des Aufrisses. Die Durchschnitte aber sind wieder von dreierleiArt. Sie sind entweder wagerechte oder eigentliche Grundrisse, oder sie sind lothrechte oder eigentliche, nämlichsolche Durchschnitte von Körpern, welche deren innere Einrichtung darstellen, oder sie sind endlich sogenannteProfile, nämlich solche Durchschnitte einzelner Borsprünge von Körpern, bei welchen auf deren innere Beschaf-fenheit keine Rücksicht genommen ist. — Der Gegensatz der geometrischen und perspektivischen Zeichnung, welcheletztere die Körper so vorstellt, wie sie uns in der Natur von einem gewissen Gesichtspunkte aus erscheinen,ist aus den Figuren 3 bis 9 des Borlegeblattes vii ersichtlich.
*) Schragungcn oder schiefe Ebenen, von den Alten nnd noch jetzt an manchen Orten von den Wcrklcuten Wasserfalle genannt, indem diese Theileam Acußcrn von Gebäuden zum Abfließen des Wassers dienen.