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bögen, oder auch aus der Berschlingung beider bestehen. Der dunklere Grund soll hier nur die zweierlei Farben-töne andeuten, welche bei der Anwendung für Tapeten, Teppiche oder Zeuge anzuwenden sind, und zwar in derxxvil. Regel von der nämlichen Farbe, nur in einem helleren und dunkleren Tone. Im — Borlegeblatte xxvn sindzwei architektonische Felder mit Laubwerk von freier arabeskenartiger Behandlung ausgefüllt, von welchendas auf der linken aus einfach geschweiften, und das auf der rechten Seite aus geschweift eckigen Blattgruppeubesteht. Zur noch reicherm Arabesken-Gestaltung gehört, daß allerlei Menschen- und Thier-Figuren in demLaubwerk sich bewegen, von welcher Art das schöne Kupferstichblatt in Quart von Israel von Mecheln als Bei-spiel angeführt werden mag, in welchem zwei Liebende im Mittelpunkte des reichen Laubwerks sitzen, und überdiesen zwei Bögel einen fliegenden Zettel halten, im übrigen dichtverschlungenen Laub aber ganz kleine Men-schenfiguren, Bögel und anderes Gethier umherklettern.
XXIX, XXX und XXXI. Bildung der Wappen, fliegenden
Zettel und gothischen Buchstaben.
u den Zierden des gothischen Styls gehört auch die, durch das reiche Laubwerk der Helmeausgezeichnete,Bildung der Wappen: eine Art von Gestaltung, mit welcher die moderne Kunstgar nichts anzufangen wußte. Deßhalb, und um die fast ganz vergessene Bedeutung des, beiWappen von den Helmen ausgehenden, Laubwerks wieder verständlich zu machen, habe ichim Borlegeblatte XXX (ausnahmsweise) keine eignen Compositionen, sondern eine Zusam-
menstellung von Wappen nach alten Grabmonumenten aus verschiedenen Jahrhunderten,
und von verschiedenen Orten *) gegeben, um hierdurch historisch nachzuweisen, wie dieses Laubwerk aus nichtsxxx. anderem, als der ursprünglichen Helmdecke entstanden ist, welche in ihrer ältesten, in — Figur 1 dargestelltenForm, nur aus einem viereckigen Stück Tuche bestand. Diese Form war im dreizehnten und noch zu AnfangXXX. des vierzehnten Jahrhunderts die herrschende. Statt der eckigen Enden ist die Helmdecke in - Figur 2, welcheein geistliches, nämlich ein Cardinals- Wappen enthält, unten abgerundet. Später fing man an, wie die, einemXXX. Grabsteine von 1361 entlehnte — Figur 3 zeigt, den untern Rand der Helmdecke auszuzacken; noch später,xxx. wovon in — Figur 4 (aus einem Grabsteine von 1370) ein Beispiel gegeben ist, versah man den ganzen Randxxx. der Helmdecke ringsum mit solchen Auszackungen, bis man zuletzt begann, diese, und zwar wie in — Figur 5,ö- besonders an den untersten Enden, in blätterartige Ausschnitte zu verwandeln, wovon die linke Seite dieserFigur gleichsam einen Versuch, die rechte aber schon ein ziemlich deutliches Blatt zeigt. Endlich im fünfzehntenxxx. Jahrhundert wurde, wie aus — Figur 6 ersichtlich ist, die ganze Helmdecke in solches Laubwerk zerschnitten, waso- stehende Form blieb, und nicht blos in Wappen, sondern, wie man aus alten Handzeichnungen ersieht, auchxx. in dem wirklichen Coftüme, namentlich bei Turnieren, vorkam. In - Figur 7 ist ein sehr eigenthümlichesBeispiel der Behandlung einer Helmdecke gegeben, welches wieder an ihre ursprüngliche Bedeutung erinnert.Dieselbe ist hier nämlich mit vielfachen Ausschnitten versehen, ohne letztere jedoch in Laubwerk umzuge-stalten. So gab es auch analog in den Trachten eine ähnliche Behandlung der langen weiten Aermel, welcheman auch mit solchen einfachen Einschnitten versah, zuletzt aber gleichfalls laubartig ausschnitt. Bereits obenS. 42 habe ich darauf aufmerksam gemacht, daß man in neueren Zeiten ganz irrthümlich in den Wappen aus-schließlich adelige Zeichen erblickt hat, indem im Mittelalter, abgesehen von den Wappen der Städte, Kirchenund der verschiedensten Korporationen, auch eine große Anzahl bürgerlicher Familien im Besitze von Wappenwar, die Künstler und Werkleute aber Schilde mit Monogrammen oder Steinmetzzeichen (statt der Wappen)
*) Nur Figur 2 ist von mir, die sämmtlichen übrigen Figuren sind von Maler Ballenberger nach der Natur aufgenommen, welchem ich deren Mittheilungund Benützung verdanke.