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Gothisches ABC-Buch, das ist: Grundregeln des gothischen Styls für Künstler und Werkleute / von Friedrich Hoffstadt
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29
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Architektur (wo er, wie schon oben bemerkt wurde, die einzelnen Theile zu einem Ganzen aus einem Gusse ver-bindet und zugleich zum leichtern Abflusse des Wassers dient), schon an und für sich von vortheilhafter Wirkung,indem er auch bei Decorativverzierungen gleichsam eine Art von Eingang zu dem von ihm begrenzten Raumebildet, und überhaupt an den Stellen, wo die Glieder der Profilirung in ihn eingreifen, eine eigenthümlichschöne Schattirung hervorbringt. Nur in der letzten Periode des gothischen Styles, und auch da selten, kommtes bei Rahmen vor, daß der Wasserschlag umgangen ist. Wo jedoch die Gewände in keinen Hauptwasserschlag(der sich von einem Gewand bis zum andern erstreckt) eingreifen können, wie bei Thüren, und bei Fenstern vonWohngebäuden, da werden die Gewände mit dem rechtwinklichen Theile, aus dessen Abfafung sie entsprungensind, mittelst kleiner Wafferschläge wieder verbunden, und dieser Untertheil bildet alsdann, wie oben bemerktwurde, eine Art von Sockel. (Siehe Figur 23 Distanz fK, und im Borlegeblatte vn die Figuren Z bis 9.) Auchbei Abfasungen von Schäften können sich solche Sockeltheile bilden. (Siehe die in den Figuren 10,11 u. 13des Borlegeblatts VH mit kK und u d bezeichneten Theile).

V. Zeichnung der Hauptformen des Maaßwerks*) geometrischer

Verzierung und seiner Gliederung.

ie im Borlegeblatte V enthaltenen Zeichnungen sollen nicht bloß dem Architekten, sondernauch dem Maler, oder vielmehr überhaupt dem Anfänger schnell das Verständniß der Haupt-formen der Glieder öffnen, aus welchen das Maaßwerk aller durchbrochenen, wie nicht durch-brochenen, geometrischen Verzierungen besteht. Da es zweckwidrig wäre, dem Schüler zugleicher Zeit einen allgemeinen Begriff von der Sache, und die geometrische Constructiondes Grundrisses, so wie aus demselben die Auffindung der Höhenverhältnisse des Aufrissesbeibringen zu wollen, was den Anfänger nothwendig verwirren müßte, so sind die geometrischen Verhältnisse,welche jeder Gestaltung zu Grunde liegen sollen, hier nicht ausführlich nachgewiesen, sondern es ist nur ein allgemei-ner Umriß der äußern Form gegeben**). DiePfosten", welche die einzelnen Felder von einander trennen, wer-den inalte" undjunge" ***) eingetheilt; alte, welche, im Gegensatze zu den jungen, eine complicirtereGliederung haben und im Umfang stärker sind, und junge, welche einfacher gegliedert und schwächer wie jenesind. In den Figuren d ad 1 und d ad 2 sind nur junge Pfosten, in der Figur k ad 3 dagegen, im Mittel-pfosten und in den halben, das Ganze auf beiden Seiten schließenden, auch alte Pfosten dargestellt. Wenneine Verzierung durch Pfosten nur in zwei oder drei Felder abgetheilt wird, dann sind die Pfosten jedesmaljunge, sind aber vier, sechs oder mehrere Felder vorhanden, dann sollen in der Regel, wie aus der Figur bud 3ersichtlich ist, die jungen Pfosten von den alten umschlossen werden. Uebrigens sind die hier gegebenen Ver-zierungen, wie aus deren Grundrissen ersichtlich ist, als nicht durchbrochene oder Relief-Verzierungen dargestellt;sollten dieselben durchbrochen sein, so würde der Aufriß gleichwohl derselbe bleiben, und nur der Grundriß ver-ändert werden müssen. (Vergleiche die in den Vorlegeblattern XI, dann xm ^ und k vorkommenden Grund-und Aufrisse von Fenstern.)

Zu demsenigen, was in der Einleitung ^eite vm, Rote 2 über den alten, technischen AuodruckMaaßwerk" vorkommt, wird hier noch hinzugefügt,daß derselbe durch den ihm entgegengesetzten AusdruckLaubwerk" die beste Erklärung findet. So wie unter dem Laubwerk im allgemeinen alle Verzierungenverstanden werden, welche aus Laub gebildet sind, gleichviel, ob sie in Hohlkehlen, Rosetten, Kapitalen, zurAbblattung" (Begrenzung) von Giebeln undFialen, oder wo immer vorkommen, so werden unter dem Maaßwerk alle aus bloß geometrischen Figuren und Linien gebildeten Verzierungen verstanden, mögensie nun in Fenstern, Giebeln, Gallerien, an Thurmpyramiden oder Fialen, oder wo sonst immer angebracht sein.

") Nur so viel mag im allgemeinen über die auf dem Borlegeblatte V von Figur 1 bis 4 dargestellte Verzierung bemerkt werden, daß die Grundsigurendes Drei - und Vierecks deren Hauptbestandtheile, und mithin die entsprechenden arithmetischen Verhältnisse, nämlich die Zahlen drei und vier, dominirend sind:vier, indem die Pfosten vier Felder abtheilen, welche sich wieder mit vier kleineren Spitzbögen schließen, die größte Figur in der Mitte des großen Spitzbogens

ein aus dem Quadrat construirtcr Vierbogen ist, und außerdem noch vier kleinere Figuren in der ganzen Verzierung vorkommen;_ drei, indem in den vier

kleineren Figuren ein aus dem Dreieck construirtcr Dreibogen (Dreipaß") sich befindet, und von den übrigen kleineren, ohnehin auch dreieckigen, Räumen inden Figuren b 1 und k 3 vier derselben eine aus drei Nasen bestehende Verzierung enthalten.

***) Alte, technische Ausdrücke aus dem von Stieglitz veröffentlichten Manuskripte aus der Mitte des siebcnzehnten Jahrhunderts.