Fialengestaltung verziert ist; oder sie sind pfeilerartig gestützt, wie z. B. der bekannte schöne Erker am St. Sebaldus -Pfarrhofe zu Nürnberg , oder diese Unterstützung besteht in einer wirklichen Säule. Häufig steht auchder Erker mit der Portalgeftaltung in Verbindung, wie an dem goldenen Dachel in Insbruck , von welchem schonoben die Rede war. Eine besondere Eigenthümlichkeit besteht in der Benützung des Erkers zur Altane, wennman nämlich statt des Erkerdachs einen Balkon anbringt. Eine solche Gestaltung zeigt der, zwischen zwei Pforten,auf einem Pfeiler sich erhebende Erker des sogenannten steinernen Hauses zu Kuttenberg in Böhmen , welcherstatt des Daches mit einer maaßwerkdurchbrochenen Gallerie gekrönt ist. Endlich ist im Burgenstyle sehr oft dieBurgkapelle, oder wenigstens deren Chor, in Gestalt eines Erkers angebracht. Dieß ist auch der Fall bei der schönen,viereckigen Kapelle zu Kidrich (bei Ellfeld am Rhein ), deren Chor gleichfalls die Gestalt eines achteckigen, durch eineWandsäule gestützten, reichen Erkers hat, dessen Seiten mit Wimbergen schließen, über welchen sich eine blumen-gekrönte Steinspitze erhebt. Bei der Schönheit der gothischen Erkerbildungen und ihrer großen Annehmlichkeitfür den Gebrauch ist es wohl mit Gewißheit vorauszusetzen, daß ihre, in der modernen Architektur aus mißver-standenen Symmetrie-Begriffen hervorgegangene Verbannung die längste Zeit gedauert haben wird!
MUMMN
xv und xvi. Construction der Fialen und Wimbergen, Bal-dachine und Tabernakel, so wie anderer Bildungen aus der Quadratur.
1. Von der Fialen-Gerechtigkeit.
ialen*) heißen jene pyramidalen, oder vielmehr obeliskenartigen Endigungen, mit welchen dieWimbergen auf beiden Seiten begrenzt sind (Vorlegeblatt XVI, Figur I). Vorzugsweise findensich die Fialen bei allen Tabernakeln und Baldachinen angewendet (vergl. die Figuren Z desVorlegeblattes XV und 2 des Vorlegeblattes xvi); überhaupt bilden sie aber die Endigungs-punkte der meisten Gestaltungen, wie z. B. der Strebepfeiler (vergl. die Figuren b aä 27, dann28 bis 31 des Vorlegeblattes ix). In Bezug auf ihren viereckigen Durchschnitt erscheinen dieFialen wie kleine viereckige Thürmchen, wiewohl sie ausnahmsweise auch nach dem Achtort oder andern Vieleckenconstruirt sein können, nämlich besonders dann, wenn ihre Form in größerem Maaßstabe angewendet wird, wasz. B. bei den fialenartigen Streben des in Figur 28 des Vorlegeblattes IX dargestellten Thurmes der Fall ist,welche einen sechseckigen Durchschnitt haben. Die gewöhnliche Fiale ist die in — Figur 1 des Vorlegeblattes XVim Skelet dargestellte. Ich copirte dieselbe in einem, nur um weniges verkleinerten, Maaßstabe nach dem XV.Vorbilde welches als Holzschnitt in der (in der Einleitung S. VIII, dann S. 67 angeführten) alten Abhand-lung des Meisters Roriczer über die Gerechtigkeit der Fialen enthalten ist. Die im Originale angemerktenBuchstaben und Zahlen habe ich auch hier beibehalten. Die dort sehr weitläufige Erklärung der Constructionerlaube ich mir aber kürzer in folgendem zusammen zu fassen. Der Grundriß besteht aus zwei, in das äußersteQuadrat über einander, über Eck gestellten Quadraten, deren diagonale Durchkreuzung in den Kreuzpunkten i,k, 1 und m die Anhaltspunkte zur Bildung des innersten Quadrats giebt. (Vergl. die Figuren 18 des Vorlege-blattes ii und 1 des Vorlegeblattes vi.) Die Distanz (im linken obern Ecke) von n nach t oder n nach v, wodurchdie Länge der Blumen am Riesen der Fiale im Grundriß bestimmt wird, besteht aus der doppelten Breitendistanzip oder vt, oder oder rnr. Die (übrigens auch schon bei der Figur 18 des Vorlegeblattes ii erklärte)Einteilung innerhalb der Quadraturlinien ub und ik besteht aus drei gleichen, durch Striche markirten Theilenzwischen u und i, von welchen zwei Theile von n nach o getragen werden, worauf man aus o mit dem Zirkel dieKreislinie der Hohlkehle beschreibt, und hierauf in den übrigen Ecken eben so verfährt. Hierdurch ergiebt sich dieGliederung des Leibes der Fiale. Was die Art des Auftrags aus dem Grundriß in den Aufriß betrifft, so besteht dieganze Fialenhöhe (auf der Mittellinie) vom untersten Sockel 8 bis zum Scheitel der mit 7 bezeichneten Spitze aus
*) Ueber die Bedeutung dieses Wortes s. die Anmerkung auf S. VHI der Einleitung.
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