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sowie 3, das weggenommene Eck oder die Fase allein stehen bleibt, oder,—wie in den Figuren 5 und ud 3, aus s.näo.der Fase eine Hohlkehle gebildet ist, wobei der Zirkel, wie Figur 5 zeigt, im Eck e eingesetzt und mit der Oeff-nung bis u oder d die Hohlkehle u d gezogen wird, oder je nachdem, — wie in den Figuren 7 und 8, aus der 7.8.ursprünglichen ganzen Fase eine kleinere Fase nebst einer Hohlkehle gebildet wird, wobei die ganze Fase uddes Grundrisses (Figur 7) in drei Theile getheilt ist, von welchen einer der Fase verbleibt, und zwei der Hohl-kehle angehören, — oder je nachdem endlich noch reichere Gliederung aus der abgefaseten Ecke gebildet wird,wie z.B. bei der Construction der Gewandung ifnucil von Figur 1 geschah.—Die in den Figuren ud 3 bisud 9 gegebene perspektivische Ansicht der geometrisch gezeichneten Figuren 3 bis 9 (womit zugleich, wie obenim Anfange des zweiten Abschnitts bemerkt wurde, der Gegensatz der geometrischen und perspektivischen Zeich-nung gegeben ist), versinnlicht die Art dieser Abfasungen, namentlich den Uebergang der Abfasung in das,den Sockel bildende, Viereck deutlicher, als sich mit Worten hatte beschreiben lassen. Die Figur ud 3 weicht jedochvon Figur 3 darin ab, daß hier, statt der Fase, eine Hohlkehle gebraucht ist. Das Maaß des Wasserschlags,wehcher die Gliederung mit dem Sockel verbindet, ist, wie schon im Vorlegeblatte II gezeigt wurde, dem Grund-riß entnommen, indem dessen Distanz ud in den Figuren 3 bis 9 in die betreffenden Stellen des Aufriffesübergetragen ist. Die Wafferschläge selbst sind theils einfache, wie in den Figuren 3, 4, 5 und 7, theils zusam-mengesetzte, wie in den Figuren 6 und 8. Uebrigens versteht es sich von selbst, daß auch das Maaß des alsSockel stehen gebliebenen rechtwinkligen Theiles (die Distanz dd in Figur 3), nach Maaßgabe des im Vorlege-blatte II gezeigten Verfahrens, gleichfalls aus einer Distanz des Grundrisses entnommen werden muß, was sichhier nicht nachweisen ließ, da wegen des beschrankten Raumes nur ein abgebrochenes Stück des Grundrissesdargestellt werden konnte. Das in den Figuren 3 bis 9 dargestellte Verfahren findet überall seine Anwen-dung, vorzugsweise bei Fenstergewänden (von Wohngebauden) mit geradem Sturze, bei einfachen Thürgewan-den, und läßt sich auch Vortheilhaft bei allen Arten von Schreinerarbeiten gebrauchen, wodurch solche, auch ohneAufwand von Verzierungen, ein gewisses stylgemäßes Aussehen erhalten.
4. Construction von Decken-Schäften.
chon oben wurde hinsichtlich der Figuren 12 und 13 des Vorlegeblatts II bemerkt, daß die Gewändezu den Theilen, denen sie angehören, nicht in rechten, sondern schiefen Winkeln stehen. DerselbeGrundsatz gilt auch für die verschiedenen Theile, welche aufeinander gefetzt werden sollen. Auch diesemüssen durch Fasen, oder mit andern Worten durch Wafferschläge, mit einander verbunden werden, wie bereitswiederholt bemerkt wurde. — Wenn also, wie in Figur 9, auf einen Sockel ein oberer Theil aufgesetzt werden 9 .soll, so darf letzterer nicht, wie in dieser Figur geschehen ist, und im antiken und modernen Styl vorkommt, aufden Sockel bloß Winkelrecht aufgesetzt werden*), sondern er muß, —wie die Figur ud 9 zeigt, mit dem Sockel -.4 9.durch einen Wafferschlag verbunden werden, der durch Wegnahme oder Abfasung der vier obern Kanten desSockels da, wo er mit dem Aufsätze verbunden werden soll, entsteht. Die Distanz, um welche der Aufsatz vomUntersatz oder Sockel abzusetzen ist, ergiebt sich aus der in Figur 2 gegebenen Construction, welche hier inden Figuren 9 bis 14 angewendet wurde, und die Distanz des Abstandes u b (Figur 9 im Grundrisse) des Unter-satzes vom Aufsätze, so wie in dieser Distanz zugleich auch die Bestimmung für die Steigung des Wafferschlagsder Sockel enthält. Diese Steigung geht nach dem rechten Winkel, welche als die natürlichste erscheint, und wederzu flach, noch zu hoch ist. Höhere Steigung würde der Wasserschlag erhalten haben, wenn er nach der, denDiagonallinien des Grundrisses angehörenden Distanz 6 d construirt worden wäre. Nach den Maaßen durchdie Diagonallinien des Grundquadrats ist in Figur 15 die Höhe der Wafferschläge genommen, wie auch schonoben in Figur 19 des Vorlegeblatts II geschah. — Die Figuren 10 bis 15 inol. (dann 1, 2 und 3 im Vorlege-blatte vin) enthalten verschiedene Arten von Decken-Schäften, welche im gothischen Style die Stelle der Säulenim antiken Style, jedoch im antiken Sinne nur da vertreten, wo sie als Unterstützung wagerechter Lasten er-scheinen, was in der kirchlichen Architektur nicht vorkömmt, indem selbst in den ältesten Kirchen mit wagerechterBedeckung durch flache Holzdecken**) letztere keineswegs unmittelbar von Schäften, sondern von den überSchäfte gewölbten Mauern getragen werden. Flache Holzdecken in weltlichen Gebäuden hingegen werden durchihr Gebälke unmittelbar von Schäften getragen, welche in der Regel, gleich den Decken selbst, von Holz, bei
*) Was sich besonders bei Sockeln von größeren, öffentlichen Gebäuden sehr unansehnlich ausnimmt, und bei unserm Clima auch nur ein Beförderungsmittelfür das Sitzenbleiben des Wassers ist.
**) Die Bezeichnung „flache" Holzdeckc ist nicht überflüssig, da im gothischen Style auch gewölbte Holzdcckcn vorkommen, welche sich wieder von den eigent-lichen Holz-Gewölben wesentlich unterscheiden, worüber weiter unten bei den Gewölben das nähere vorkommen wird.
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