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Kapitale als Dienste, mithin einen „Kapitäl-Kranz", oder, wenn der Schaft nicht vielgliederig ist, nach Um-standen manchmal nur ein Gesims (gleichviel ob ein einfaches, oder Laubgesims), manchmal auch nicht ein-mal ein Gesims, sondern vom Sockel ununterbrochen bis ins Gewölbe fortlaufende Gliederung hat. Was zuerstdie, der gothischen Entwicklungsperiode angehörenden, über runden Schäften weit ausgeladenen Kapitaleoder Laubgesimse betrifft, auf welchen die Gewölbeanfänge stehen, so entsprechen denselben (wie auch schonoben bemerkt wurde) die in späteren Perioden ausnahmsweise vorkommenden, ausgeladenen Laubgesimse, beiwelchen jedoch der über ihnen beginnende Gewölbansang vor dem Schafte nicht immer ausgeladen ist, sondernbeide oft von so geringem Durchmesser sind, daß dadurch eine Unförmlichkeit des Laubgesimses vermiedenist. Außer diesen beiden Arten der Gewölbeschäfte kommen eigentliche Kapitäle nur an einzelnen Dienstenoder an untergeordneten Bestandtheilen der gothischen Architektur, und zwar meist nur an kleinen, kurzenSäulen vor (welche in ihrem ganzen Verhältniß einige Ähnlichkeit mit den antiken Säulen haben), zunächstbei den Bild- und Fialen-Säulen, sowie bei einigen andern, von welchen nachher noch besonders die Redesein wird. Unter den Kapitälen solcher Säulen muß noch besonders auf das Maaßwerk - Kapitäl hingewiesenwerden, welches, dem Laubkapitäl entgegengesetzt, mit Maaßwerk verziert, und auch so construirt sein kann,daß es theilweise durchbrochen ist. Ein Beispiel solcher (bereits oben bei den Schäften der nicht-kirchlichenArchitectur besprochener) Maaßwerkskapitäle ist in Figur 2, wiewohl zunächst als Deckenschaft, gegeben. Wassodann die vorerwähnten Kapitäl-Kränze betrifft, so bestehen dieselben bei den vielgliedrigen Schäften aus soviel einzelnen Kapitälen, als einzelne Dienste vorhanden sind. Diese einzelnen Kapitäle, — im ältesten gothi-schen Entwicklungsstyle zuweilen noch viereckig (wie in der vorgothischen Architectur), manchmal auch rund,in der Regel aber vieleckig, meist achteckig geschlossen, — stoßen oben mit ihren Gesimsen an einander, undsind unten, wo sich zwischen den runden Diensten die Hohlkehlen befinden, nur durch die Fortsetzung desunter dem Laubwerk des Kapitäls befindlichen Ringes oder Gliedes mit einander verbunden. Statt solcherKapitälkränze können jedoch die Schäfte auch nur mit Gesimsen (nach dem englischen Ausdrucke „ImnUeU")geschloffen, und letztere entweder Laubgesimse oder bloß einfach gegliederte Gesimse sein, gleichwie es auch Ka-pitäle mit oder ohne Laubwerk giebt. Diese Gesimse sind jedoch nur da möglich, wo nicht Dienst an Dienstsich reiht, sondern größere Zwischenräume zwischen Diensten, oder überhaupt weniger Dienste vorhanden sind,denn das eigentliche Laubkapitäl des Dienstes schließt sich an das Laubgesims an. Die Kapitälkränze, wie diemit Kapitälen unterbrochenen Laubgesimse, laufen entweder rings um den Schaft in gleicher Höhe, oder inungleichen Höhen. Ersteres ist der Fall bei Kirchen mit drei gleich hohen Schiffen (wenn deren Schäfte nichtanders gänzlich gesimslos sind), und kommt z. B. in der Marburger Elisabethskirche, und im Chor des WienerSt. Stephans-Münsters vor. In ungleichen Höhen sind dagegen die Laubgesimse am gewöhnlichsten, näm-lich bei solchen Schäften angebracht, welche zwischen einem Langhaus und einem niedrigeren Flügel stehen.Hier laufen dieselben unterhalb um den, dem Flügel zugekehrten, und oberhalb um den im Langhaus befind-lichen Schafttheil herum, oder mit andern Worten, im Langhause oben um die Dienste und unten um dieübrigen Schafttheile, wie solches z. B. in den Domen zu Freiburg (Langhaus), Köln, Straßburg, Regens-burg, in der Katharinenkirche zu Oppenheim u. s. w. vorkommt. Die einfachere und eigentliche Art vonGesimsen, durch welche der Charakter des Gesimses als solcher noch deutlicher ausgesprochen wird, ist die-jenige, bei welcher in der Gesimshohlkehle kein Laubwerk angebracht, sondern dieselbe leer gelassen ist. DieseArt kommt vorzugsweise in England, in Deutschland hingegen meist nur bei runden Schäften der späternPeriode (wo Laubgesimse mit leeren Gesimsen abwechseln) oder selbst auch bei achteckigen Schäften aus dieserZeit vor. Die beiden Arten von Schaftgesimsen, die Laubsimse wie die laublosen, lassen sich aber auch in derArt verbinden, daß man die Schäfte als solche mit laublosen Gesimsen, und die Dienste mit Laubkapitälenschließt. Beispiele dieser Art sind die Schäfte der dem 15. Jahrhundert angehörenden St. Martinskirche zuLandshut . Die Gewölbeschäfte der dritten oder reichgegliederten Ordnung aus der Quadratur hingegen (gleich-viel, ob sie drei gleich hohen Schiffen, oder Kirchen mit Langhaus und Flügeln angehören) unterscheiden sichauch darin von den vorhergehenden Ordnungen, daß sie gar keine, weder Laub-noch einfache Gesimse, sondernhöchstens nur Dienst-Kapitäle haben. Als Beispiele letzterwähnter Art dienen die Schäfte des Domes in Meißen ,dann des Langhauses des Wiener Münsters, an welchen nur die eigentlichen Dienste Kapitäle haben, welche denuneigentlichen Diensten unter den Scheidebögen fehlen. In dem Chor des St. Weit Domes zu Prag (1.144—1386)sind lediglich die Dienste des höhern Mittelbaues mit laublosen Kapitälen versehen, während solche in denFlügeln und an allen andern Stellen gänzlich fehlen. Uebrigens läßt sich genau die Stufenfolge verfolgen, inwelcher anfänglich die Kapitäle aus dem vorgothischen Style beibehalten, dann in Kapitälgesimse, und noch