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Beschreibung der untern Kreisendigung k f 6 aus A wird sodann die Distanz ^ x aus f nach i getragen, undaus i die Kreislinie a k (im gegenüberstehenden Schilde) beschrieben. Die Neigung, in welcher Allianzschilde zueinander stehen, richtet sich gewöhnlich nach dem gegebenen Raume, in welchen die Schilde einzupassen sind, daher^s^'sie bald schiefer, bald weniger geneigt zu stehen kommen. Bei der in —Figur 5 dargestellten Schildform istdie Eintheilung der Figur 2 zu Grunde gelegt. Aus dem untersten Punkte e ist der obere Schildrand a 6 mittelstOeffnung des Zirkels von 6 bis a beschrieben, und aus 6 die Distanz b e wagrecht nach U getragen. Die Punkteund i' sind durch eine blinde Linie verbunden, auf welcher der Punkt i dadurch normirt wird, daß die Distanzf i aus sieben solcher Theile besteht, deren die Distanz e K in Figur uä 2 fünf enthält. Aus i wird die von kausgehende Kreislinie, aus a und 6 mittelst Zirkelöffnung nach der Distanz ä ti der Kreuzschnitt k, und aus kdie Kreislinie a 6 beschrieben. Wie mannigfach und schön die Wappenbildungen in der mittelalterlichen Kunstsind, beweisen ihre zahlreichen Gestaltungen in Stein, Holz, Metall, oder in Malereien, Siegeln und Münzen,auf welche Vorbilder um so mehr hingewiesen werden muß, als heutiges Tages die vollständigste Geschmack-losigkeit in diesen Dingen herrscht. Was die Bildung der:
liegenden Zettel betrifft, welche von den Alten deßhalb „Briefe" genannt wurden, weil in ihnen,das Bildwerk erklärende, Inschriften angebracht zu sein pflegten, so ist deren Form außerordentlichmannigfaltig und richtet sich nach den vorhandenen Räumen, welche in den hier gegebenen Beispielendurch die punktirten Umfassungslinien angedeutet sind. Die Anfänge und Endigungen der fliegendenZettel gleichen sich in der Regel so ziemlich, wenn auch ihre Verschlingungen selbst noch so abwechselndXXIX. sind. Die einfachste Zettelform ist die in — Figur 6 gegebene mit wagrechter Bildung der Linien, welche mehrXXIX. dem älteren, wie die geschweiften Formen mehr dem neueren gothischen Style angehören. In — Figur uci 6^ b- sind zwei Zettel neben einander gruppirt. Statt dessen ist es jedoch gewöhnlicher, nur einen Zettel, diesen jedochin Verschlingung zu bilden, von welcher Art die — Figuren 7, ad 7 und b uä 7 verschiedene Beispiele enthal-b 7. Noch reicher ist die Gestaltung der fliegenden Zettel, welche ich in der viereckig umfaßten Vignette aufdem Titel zu den Vorlegeblättern angebracht habe, und welche nebst dem Zettel in dem Holzschnitte über derEinleitung zugleich dafür als Beispiele dienen, in welcher Art man in den Zettel die Inschriften nebst arabes-kenartigen Zügen anzubringen pflegt. Was endlich die Bildung der:
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ethischen Buchstaben betrifft, so habe ich im Vorlegeblatte xxxi ein kleines und großes deutschesAlphabet, so wie die Interpunktationszeichen und arabischen Zahlen gegeben. Da die gothischenBuchstaben im Mittelalter auf sehr vielfältige Arten gebildet wurden, so war ich hier nur bemüht,sie stylgemäß und doch verständlich zu gestalten, um nicht in den, heutiges Tages so häufigen Fehler derUnleser-lichkeit zu verfallen, bei welchem die gothischen Schriftzüge oft so unverständlich wie Hieroglyphen sind. Fehlendurfte das Alphabet in einem „Gothischen A B C" ohnehin nicht, und daß bei Gestaltungen im gothischenStyle natürlich auch etwaige Inschriften mit gothischen Buchstaben gegeben werden müssen, versteht sichvon selbst. Von der arabeskenartigen Buchstabenverschlingung und von arabeskenartigen Zügen zur Aus-füllung des Raumes bei Inschriften enthalten das gedruckte, und die lithographirten Titelblätter diesesWerkes, so wie die Ueberschrift der Vorrede Beispiele. Endlich ist in den großen Anfangsbuchstaben der ein-zelnen Kapitel des Textes ein Alphabet von arabeskenartig verzierten Initialen enthalten. Das eigentlicheFundament zur Bildung der gothischen Buchstaben ist in der untern Abtheilung des Vorlegeblattes xxxidurch die skeletartige Eintheilung des kleinen Alphabets gegeben, welche nicht meine Erfindung, sondern demmehrerwähnten Werke Albrecht Dürer's „Underweyfung der Messung, mit dem Zirkel und richtscheyt, rc."entlehnt, und in derselben Größe, wie dort, wiedergegeben ist. Interessant ist es, daraus zu sehen, daßauch die Eintheilung der Buchstaben auf übereinandergestellten Quadraten, und zwar theilweise auf über Eckgestellten, beruht. Für die Buchstabeneintheilung von großen, in Stein auszuführenden Inschriften, ist dieseDürer'sche Art sehr wichtig und nützlich. (Die für uns etwas ungewöhnlicheren Buchstaben zwischen dem a und sstellen beide ein z, und der zwischen dem r und u stehende Buchstabe ein r vor.) Was den Ursprung der gothi-schen oder deutschen Buchstaben betrifft, so läßt sich derselbe durch das Mittelglied der sogenannten Mönchs-schrift zwar allerdings auf die lateinischen Buchstaben zurückführen, insofern man die Mönchsschrift alsAusartung der lateinischen Schrift betrachtet, und aus den Schnörkeln der ersteren sich später die gothischenBuchstaben nach und nach entwickelten. Daß aber deutsche Sprachforscher (und unter ihnen gerade die berühm-testen) zu Gunsten der lateinischen Buchstaben die gothischen, welche unsere Sprache vor jeder andern auszeichnen