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Memorabilia Tigurina oder Chronik der Denkwürdigkeiten der Stadt und Landschaft Zürich / von Friedrich Vogel
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Im I. 1814 erbaute die Schulgemeinde Ottikon ein neues Schulhaus, das neben demLehrzimmer auch eine kleine Küche enthält und 1550 fl. kostete.

Das Rcformationsfcst am 1. Ienner 1819 erregte allgemeine Begeisterung für die schonlängst beabsichtigte Baute einer neuen Kirche. Am 3. Weinmonat beschloß die Gemeindebeynahe cinmüthig, zu diesem Bau zu schreiten und sogleich die nötbigen Einleitungen zu treffen,zu welchem Behuf aus der Vorsteherschaft eine Bau-Eommission gewählt wurde, die mit den ver-schiedenen Bauleuten Verträge schloß, wobey man von dem Grundsatz ausging, die Baute nichteinem einzelnen, sondern verschiedenen Handwerkern zu übertragen, hauptsächlich aber unberücksich-tigt ließ, Jemand anzustellen, der die Gcsammtbaute beaufsichtigte und leitete. Die Maurerarbeitward dem Hrn. Maurermeister Vogel von Oerlikon, wohnhaft in Zürich , die Zimmermannsarbeitzwey Meistern aus der Gemeinde übertragen. Es wurde eine Subscription für freywillige Bey-träge an Geld und Holz eröffnet, die ziemlich befriedigend ausfiel, und in kurzer Zeit befandensich die schönsten Bauhölzer auf dem Bauplatz. Ebenso säumte man keinen Augenblick, Steinezu brechen und Sand auszugrabcn, die beyde in der Gemeinde sich im Ueberfluß vorfanden;im Christmonat wurde die Umgrabung des Kirchhofs mit Schnelligkeit und Stille vollendet undnoch vor Ende des Jahres das Fundament zu der neuen Kirche ausgegraben. Am 30. Ienner 1820wurde die letzte Predigt in der alten Kirche gehalten, am 31. mit der Abtragung derselben derAnfang gemacht, am 4. April der Grundstein zu der neuen Kirche gelegt, von welcher Zeit ander Bau ohne die mindeste Störung vorwärts ging, so daß am 15. Brachmonat die Mauern derKirche vollendet waren und bereits am 22. dieses Monats der Dachstuhl aufgerichtet werden konnte.Der verhängnißvolle Tag, wohl der unglücklichste in den lctztverflosscnen zwanzig Jahren mitHinsicht auf die Zahl der Opfer, brach an, an welchem das eigentliche Aufrichten den An-fang nehmen sollte. Nach der uralten Uebung, bey dem Aufstellen des ersten Schildes ein Gebetzu verrichten, was sonst gewöhnlich von einem Zimmermeister verrichtet wird, wurde beschlossen, auchhier diese Uebung eintreten zu lassen, jedoch abweichend von dem gewöhnlichen Verfahren um10 Uhr Vormittags die Anordnung getroffen, daß Hr. Pfarrer Maser mit einigen Gesanglieb-habern und Vorstehern, einem Singchor und den Arbeitern sich Nachmittags auf den für dieletzter« bereiteten Bretterboden verfügen solle, und es wurde vorausgesetzt, daß die übrigenAnwesenden, wie in jedem ähnlichen Fall, unten stehend zuhören werden. Unterdessen war dasGebälke des Dachstuhls hinauf gebräche und auf einer langen und den beyden kurzen Seiten des Ge-bäudes zum Aufrichten bereit gelegt worden; das Ganze des so bereits stark beladenen Bodens wurdevon drey großen Unterzögen oder Balken, die 20 Zoll hoch und 12 Zoll dick waren und vondenen einer auf der langen Seite der Mauer und 2 auf den kurzen Seiten ruhten, getragen,sowie von 34 Balken, die von der einen der langen Seiten zur andern gehend, mit dem einenihrer Enden auf dem langen Unterzug und mit dem andern Ende auf der zweyten langen Seiteder Mauer ruhten, wo keine Unterstützung nöthig war; sie lagen 3 Schuh aus einander, waren60 Schuh lang und 79 Zoll dick. Ueber diesen wurden 2 der Länge der Kirche nach gehendeOberzüge angebracht, Balken von 100 Fuß; sie ruheten mit ihren Köpfen auf den beyden Unter-zügen der kurzen Seiten, waren aus zwey verzahnten Balken und drey zusammengestoßenenStücken verfertigt, und mit ihnen sollte je der dritte der Querbalken von 60 Fuß durch eiserneSchrauben von 24 Zoll Länge verbunden werden. Die Nachricht von der bevorstehenden