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Memorabilia Tigurina oder Chronik der Denkwürdigkeiten der Stadt und Landschaft Zürich / von Friedrich Vogel
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stand im Druck heraus. Als Gesandte auf die Tagsatzung wurden dem Bundespräsidenten bey-gegeben die Hrn. Staatsrath Hirzel und Rathshcrr v. Muralt.

Am 7. Heumonat wurde die Tagsatzung eröffnet. Die wichtigsten Verhandlungen derselbenbetrafen die Beschlüsse wegen Beschränkung der Presse in inneren Angelegenheiten und die An-träge Hollands wegen Auflösung der Militair-Capitulation. Schon im August wurde dieTagsatzung geschlossen.

18^9 Am 15. Brachmonat fand eine merkwürdige Sitzung des Großen Rathes Statt,bezüglich auf ein Preßgesetz, durch welches die Freyheit der Presse, jedoch unter gewissen Be-schränkungen, eingeführt und die bisher bestandene Censur aufgehoben ward. Zu Gesandtenauf die Tagsatzung nach Bern wurden erwählt die Hrn. Bürgermeister v. Reinhard, StaatsrathHirzel und Rathshcrr v. Orell.

1830 . Dom 1. bis 5. und vom 15. bis 18. Hornung hatte eine außerordentliche Sitzungdes Großen Rathes wegen Revision des Reglements dieser Behörde Statt. Mit Einmutkwurde festgesetzt: der Große Rath, welchem vom Kleinen Rathe die Vorschläge zu den Gesetzenund Beschlüssen vorgelegt werden, hat das Recht, dieselben, sey es unverändert oder mit be-liebigen Abänderungen, anzunehmen oder sie zu verwerfen (bis dahin konnte der Große Rathdie ihm vorgeschlagenen Gesetze bloß annehmen oder verwerfen, nicht aber sie abändern). DieCompetenz des Großen Rathes in Fassung von Beschlüssen wurde genau festgesetzt. In derForm der Berathung wurde die Umfrage beybehalten. ES ward jedem Mitglied des GroßenRathes das Recht eingeräumt, mittelst Anzuges Gegenstände, die in der Befugniß desselbenliegen, in Anregung zu bringen u. s. f. Die Berathung war so umfassend und die Umände-rungen in dem Reglement so wichtig, daß man dasselbe als den Anfang zu einer Reform derStaatsverfassung betrachten kann.

Auf die dießjährige Tagsatzung nach Bern wurden die Hrn. Bürgermeister v. Wyß, Staats-rath v. Muralt und Rathsherr v. Orell als Gesandte abgeordnet.

Die Kunde von den Ereignissen der Julitage in Paris erregte auch im Canton Zürich überall lebhafte Sensation und es wurden bereits im August viele Wünsche nach Veränderungder Verfassung laut; es erschienen Flugschriften, die auf dem Lande verbreitet wurden,und im Herbstmonat fanden verschiedene Zusammenkünfte von Cantonsräthen der Seeufer behufsEinleitung zu der beabsichtigten Reform Statt.

Den 13. Weinmonat versammelten sich 31 Cantonöräthe von der Landschaft öffentlich imWirthshaus zum Kreuz in Uster und faßten eine Denkschrift an die Regierung ab, in welchersie die Lage des Landes schilderten, auf die mit der Zeit vorgeschrittene geistige Bildung desVolks und sein Verlangen nach verbesserten Institutionen hinwiesen und den Wunsch ausspra-chen, es möchte eine gleichmäßige Volks-Repräsentation und eine verbesserte Wahlform für dieindirekten Stellen im Großen Rath hergestellt, sowie mehrere für drückend gehaltene Gesetzeund die von der Stadt bezogenen Merkantil-Gebühren und kleineren Zölle abgeschafft und beyder großen Dringlichkeit der Sache der Große Rath beförderlichst außerordentlich einberufenwerden, durch dessen einschreitende Berathung das Vertrauen zwischen Stadt und Land amsichersten hergestellt und das Glück und die Wohlfahrt des ganzen Cantons am dauerhaftestenneu begründet werden könne.

Denkwürdigkeiten. 3.

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