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Memorabilia Tigurina oder Chronik der Denkwürdigkeiten der Stadt und Landschaft Zürich / von Friedrich Vogel
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Als die Vereine in stärkerer Aalst bey der Brandstätte anlangten, ward auf die Masse einAngriff unternommen und sie nach dem Walde in die Flucht getrieben. Dahin wurden die Flüch-tigen verfolgt und in kurzer Zeit war eine große Zahl Schuldiger und Verdächtiger auf derBrandstätte, im Wald, auf der Straße und im Dorf, wo sie sich finden ließen, cingefangcn.Durch die angestrengte Thätigkeit der Feuerspritze und namentlich des Hrn. Fierz, wurde zwardas Wohnbaus gerettet, während dagegen das Fabrikgebäude im Angesicht einer bedeutendenMenge von Menschen, die sich auf den benachbarten Höhen aufgestellt hatten, lichterloh inFlammen stand und abbrannte. Die Gefangenen wurden von Obcr-Uster zuerst in das Gericht-baus zu Ustcr gebracht, welches von einer großen Volksmenge umlagert war. Dort traf Hr.Staatsanwald Ulrich schnelle Anordnungen. Von den 75 Gefangenen, die eingebracht worden,wurden 17 wieder in Ustcr entlassen, 2 davon im Gefängniß zurückbehalten, 56 größtentheilsmit Stricken auf Wagen festgebunden, welche von einigen Dragonern escortirt und am näm-lichen Tage nach Zürich transportirt wurden. Nach Festnchmung der Gefangenen ging die beab-sichtigte Feyer und zwar in derselben Wiese, wo die Volksversammlung vom 1.1830 Statt gefunden,in Anwesenheit einer sehr großen Volksmenge ganz ruhig vor sich und dauerte bis ungefähr um3 Uhr Nachmittags, worauf sich Alles ruhig zerstreute und die meisten Vereine nach Hause zurück-kehrten. Inzwischen, als die Kunde von dem Ercigniß ungefähr um 1 Uhr Nachmittags inZürich eingetroffen war, wurde sogleich Hr. Laudjägerhauptmann Fchr mit aller disponiblenMannschaft nach Ustcr gesendet und der Rcgiernngsrath besammelt. Derselbe ertheilte an dieStadtpolizey die Bewilligung, daß zu jeder Porte ein Offizier gestellt werde, um die Aus- undEingehenden zu beobachten und mit dem Auftrag, bey allfällig sich zeigendem Andrang die Thorezu schließen. Auf das Schnellste wurden 2 Compagnien von den zunächst wohnenden Milizenzusammengezogen, um die Thore und die Gefangenen zu bewachen und auf den folgenden Tagein Bataillon Infanterie, 1 Compagnie Artillerie und 1 Compagnie Scharfschützen einberufen.Die Einwohner der Stadt sammelten sich mit Erlaubniß der Regierung zu den Pannern undbewachten bis am Morgen die Tbore. Die Aufregung war von 2 Uhr Nachmittags an in derStadt sehr groß und wurde durch Gerüchte gesteigert. Um 4 Uhr langte der erste Wagen mitGefangenen an; nach einander die übrigen. Die meisten der letzter» wurden in den Wellenberg,die übrigen in das Zuchthaus, einige auf das Alt-Ehegcrichthaus gebracht. In Uster undden zunächst gelegenen Gemeinden wurde noch an diesem Tag eine Bürgerwache von ungefähr200 Mann organisirt.

Auf erhaltenen Bericht, daß namentlich in der Gemeinde Adctschweil eine gereizte Stim-mung herrsche und daß die Landjäger bey Vornahme der Verhaftungen mit Steinen verfolgtworden seyen, beschloß der Regicruugsratb am 24., es sollen heute noch 5 Compagnien Infan-terie, 1 Compagnie Scharfschützen und 20 Mann Cavallerie zur Beobachtung, nöthigenfallözur Erecution, nach jenen Gegenden abmarschiren. Das Ober-Kommando über die Truppenwurde dem Hrn. Rcgiernngsrath Fierz übertragen; als Regierungs-Commissär begleitete dieTruppen Hr. Regiernngsratb Melchior Sulzer. Der Regierungsrath erließ folgende Bekannt-machung :