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Memorabilia Tigurina oder Chronik der Denkwürdigkeiten der Stadt und Landschaft Zürich / von Friedrich Vogel
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die Lust für öffentliche Verherrlichung des Tages erloschen. Der einzige Spaß, der Hiebey demPublikum blieb, war das Kuchenauswerfen der Zünfte zum Widder und Weggen, das immernoch beym Geläute der Glocken Abends 6 Ukr Statt fand. Zum ersten Mal im Jahr 1834finden wir seit drcyzehn Jahren des Sechseläutcnfestes in öffentlichen Blättern Erwähnung gethan.Die Zunft zum Widder erschien wieder auf einem prachtvoll ausgerüsteten Schiffe, und wurdevon einigen Zünften ebenso empfangen. Die Saffranzunft erfreute sich an der humoristischenKlage eines ihrer Zünfter über das Versinken unseres Bürgerfestes. Wir erwähnen desselbenals des ersten Versuches, durch größere poetische Darstellungen die Genüsse des Festes zu würzen,der günstig aufgenommen, später mehrmals wiederholt wurde, und Nachahmung fand. Alshätte die Klage vom I. 1834 neues Leben erweckt, erschien mit den mannigfaltigsten Festlich-keiten das Sechstläuten 1835. Während des Mittagessens zeigten schon herumreitende englische Jokeys den Zünften die Ankunft einer neuen Erscheinung an und bald überraschte ein von derZunft zur Waag verunstalteter, englischer Jagdzug durch Neuheit, Eleganz und geschickte Anord-nung die Blicke Aller. Auf der Saffran unterbrachen die schmetternden Jagdhörner den Vortrugpoetischer Reminiscenzen aus den letzten vier Jahren, die mit Ergötzen angehört wurden. DieZunft zur Zimmcrleuten empfing in luftigem Pavillon auf der Limmat die Besuchenden und dieersten Stunden der Nacht erhellten die Fackeln eines reich costümirten Umzuges der Zunft zumWidder, die Feyer des Aschermittwoches aus dem 16. Jahrhundert wiedergebend. In sinniger,ernster Weise überraschte die Zunft zur Schmiden die Besuchenden, indem sie in lebendigenBildern ihnen den Streit der Parteyen, dazwischen die Stimme des Volkes, und versöhnung-predigend eines Friedhofes stille Umhegung vorführte, dem Todtengräber aber einen ernstenSpruch über die einzig mögliche Gleichheit in den Mund legte.

Hatte der Gruß der Zunft zum Widder, gedichtet und gesprochen von ihrem Stubenmeister,überall fröhliche Laune geweckt, so klangen diese Töne zwar ernst, doch nicht disharmonisch indie heitere Feyer des Festes. Wie allgemein diese wieder geworden, beweist, daß selbst dieZunft zum Rüden, die viele Jahre hindurch daS Fest bloß unter sich gefcyert und theilnamlosfür alles Gemeinschaftliche geworden war, sich bewogen fand, ihr verschlossenes Haus zu ver-lassen und die übrigen Zünfte wieder einmal zu begrüßen.

Auch das Sechseläuten 1836 hätte uns ein schönes Schauspiel gewähren sollen. In denmannigfaltigsten Equipagen, die in Europa gebräuchlich sind, begleitete die Zunft zur Saffranden als EownÜ8-vovagl!ul- reisenden Merkur ; aber unausgesetzt herabströmender Regen verdarbdiese, wie eine äbnliche Fahrt der Schneidernzunft.

Bey dem nächtlichen Besuche auf der Zunft zum Rüden wurde jede Zunft in einem beson-dern Scherzspiele begrüßt und die Schiffleuten hatte einen Theil ihres Versammlungslokales inden Nachen umgewandelt, der mit dem Hirsbrey 1567 nach Straßburg fuhr.

In diesem Jahre erließen auch die Zünfte zur Saffran und zur Schiffleuten Einladungs-schreiben zum Zusammentritt für eine gemeinschaftliche Feyer im Jahr 1837 und alle Zünftewählten übereinstimmend Abgeordnete für diesen Zweck.

Das Jahr 1837 kam und der Zusammentritt der Abgeordneten fand statt, das Projekteiner gemeinschaftlichen Feyer auf dem Lindenhof wurde vorgelegt und gutgeheißen. EineCommission arbeitete dasselbe aus, aber die meisten Zünfte versagten, am Erfolge verzweifelnd,