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Memorabilia Tigurina oder Chronik der Denkwürdigkeiten der Stadt und Landschaft Zürich / von Friedrich Vogel
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tionsfeyerlichkeit und ebensowenig auf kirchlicher Beerdigung der Verstorbenen zu bestehen, da-gegen aber Befolgung alles dessen, was die Gesetze bezüglich auf den Unterricht der Religionfür die Jugend, sowie wegen Schließung des Ehcbündnisses vorschreiben, zu verlangen. Seit-ber haben sich die Neutäufer nicht mehr weiter ausgebreitet und es ist zu hoffen, daß, da daskirchliche Leben sich seit 1839 wieder gehoben hat und ihnen weniger Anstoß geben kann als frü-her, die Zahl derselben, sowie überhaupt das Sektenwesen sich immer mehr vermindern werde.

Wiedikor»

ist unter denjenigen Landgemeinden, welche mit der Kirchgemeinde zum St. Peter in Zürich vereinigt sind, weitaus die größte.

Sie zählte

Anno 1793 .... 149 Haushaltungen und 609 Seelen

- 1836 aber . . . 1341 -

wobey freylich eine ziemliche Zahl sich nur vorübergehend in der Gemeinde aufhaltender Dienst-boten, Taglöhner, Fabrikarbeiter u. s. f. inbegriffen sind.

Die Gemeinde wird in kirchlicher Beziehung von einem Katecheten besorgt. Das Bät-und Schulhaus, die an einander gebaut sind, wurden in den Jahren 1789 1791 erbaut.Die Gemeinde errichtet im Jahr 1841 ein neues großes Schnlhaus auf der Seite gegen die Sihl .

Anno 1834 wurde auf der sogenannten Ärgerten zwischen der Sihl und dem Dorf dasgroße eidgenössische Schützenfest gefcycrt, (das Nähere siehe pag. 114 117). Seit 1835 dientder Platz nun, auf welchem dieses Fest Statt fand, als Erercier- und Uebungsplatz für dieMilitairschule, überhaupt für die Infanterie.

Wiesendarrgerr,

welche Kirchgemeinde ungefähr in der Mitte zwischen den beyden Hauptstraßen von Winterrhurnach Elgg und von da nach Frauenfeld liegt, zählte

im Jahr 1736 ..... 1028 Seelen.

- - 1836 aber bloß . . . 766 -

folglich hat sich die Bevölkerung keineswegs vermehrt.

Ao. 1812 wurde die dem Staat gehörende Zehntenscheune daselbst für 700 fl. verkauft.In den Jahren 1828 und 1829 wurden an der Kirche mehrere bauliche Veränderungen vor-genommen, eine Cmporkirche angebracht, die früher sich nicht vorfand, u. s. f., was alles ei-nige tausend Gulden kostete. Ao. 1833 wurden die Pfrundgüter, bestehend aus 2Hr Vrlg. Baum-garten und circa 2 Juch. Wiesen, nebst der Scheune für circa 1600 fl. verkauft.

Den 5. May 1839 trug sich in der Gemeinde ein besonderer Vorfall zu, indem sich Alt-Ge-meindammann Steffen von Neftenbach, der in einem allein stehenden Haus unweit Wiesendan-gen wohnte, mit Vorsatz lebendig verbrannte. Er band sich zu diesem Behuf Morgens 6 Uhrin einer gerade unter seinem Haus befindlichen bedeutenden Vertiefung, die durch Steinbrechcnentstanden war, an einem Pfahl fest, setzte sich auf Späne und Reisbnrden und zündete diesean, bis die Flamme hoch aufschlug. Als man das Feuer bemerkte, lief man aus dem Dorfeherbey, fand ihn aber schon bis über den Bauch schrecklich verbrannt, so daß er nach wenigen