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Won den in No. 1 bis 5aufgeführten Meister-Zeichnungen in Großfolio sind die Nummern 2, 3 und5auf Honigpapier gezeichnet, und stammen hiernach aus keiner ältern Zeit, als der Mitte des vorigen Jahr-hunderts. Die wichtigste derselben, nämlich die Chorconstruction aus der Quadratur No. 2, so wie dieGewölbconftruction aus der Quadratur No. 5 sind mit den im Vorlegeblatte xm. 6 im linken, obernEcke in der nämlichen Größe wiedergegebenen drei Steinmetzen-Meisterzeichen (kalt) gestempelt und tragenauch dadurch den Beweis ihrer Aechtheit an sich. Wenn daher, wie hierdurch, in Verbindung mit derunten angeführten Stelle aus Lersner's Frankfurter Chronik von 1734, erwiesen ist, daß die Steinmetzendes vorigen Jahrhunderts, zu einer Zeit, wo die Architekten ausschließlich im Haarbeutelftyle bauten, nochim Besitze der gothischen Baugeheimnisse waren, so dürfen wir uns um so weniger schämen, bei ihnenin die Schule zu gehen, als dieß der einzige Weg ist, der uns zur Erforschung der ächten, alten Construc-tionsregeln noch übrig blieb. Ohne Zweifel ist die unter No. 2 aufgeführte, in Figur 1 des Vorlege-blatts XHI. L verkleinert wiedergegebene, aus der Hälfte des vorigen Jahrhunderts herrührende, Stein-metz-Meifterzeichnung der Conftruction des achteckigen Kirchenchors vollkommen einerlei mit der im Besitzedes Herrn von Boisseree befindlichen jüngeren Meisterzeichnung, von welcher in der ersten Anmerkungauf Seite IX der Einleitung die Rede war. Letztere hat zwar den Vorzug, von einer schriftlichen Erklä-rung begleitet zu sein, doch ist erstere in Verbindung mit den übrigen hier aufgeführten Quellen auchohne Beschreibung verständlich. Namentlich wird durch die, aus den unter No. 2, 3 und 4 aufgeführtenOriginalen, in derselben Größe in den Figuren nä 1, d ack 2 und 3 des Vorlegeblatts xm. 6 wieder-gegebenen (im Gegensatz der großen Quadratur des Kirchenchors) kleineren Quadraturen, welche nach demMaaße der Mauerdicke construirt und in letztere eingesetzt werden, die bisher völlig unverständliche Stellein dem von Stieglitz veröffentlichten, alten Manuskripte, daß nämlich: „alle Glieder des Werkes aus seinerMauerdicke gefunden werden", erst klar. Auch hier muß wieder hervorgehoben werden, daß durch solcheSchema's keineswegs ein Zwang, oder eine steife, unabänderliche Vorschrift herbeigeführt wird. Manbraucht die angeführten Schema's aä 1, b nä 2, 3, dann das ältere Schema Roriczers, Figur 5, nur miteinander zu vergleichen, um gleich zu sehen, daß sie, ungeachtet alle von einerlei Größe, doch in den einzelnenFormen von einander abweichen. Im Einzelnen bleibt die Freiheit, während durch das aus der Mauerdickegenommene Maaß der einzelnen Form doch erst das rechte Verhältniß zum Ganzen ertheilt wird.
II. Alte gothische Risse.
Den, in allgemeinen Schema's Constructionsgeheimm'sse enthaltenden, Steinmetzen-Meisterriffen sind alteRiffe bestimmter Gebäude entgegen gesetzt, die, wenn sie auch an und für sich gleich den alten Werkenselbst interessant und belehrend sind, doch nicht gleich den Meisterrissen unmittelbare Nachweise über dieihnen zu Grunde liegenden Conftructionen enthalten. Ich führe daher von den in meinem Besitzebefindlichen Original-Pergamentriffen, oder von den zahlreichen, von mir nach alten Originalriffen ange-fertigten Pausen (welche Thürme, Tabernakel, Monstranzen, Altäre u. s. w. darstellen) nur zehn (aufeiner Versteigerung erworbene) Driginalblätter in klein Folio auf, welche auf beiden Seiten bezeichnetsind, nach der Form des Wasserzeichens (eines Reichsadlers) der zweiten Hälfte des 16. Jahrhundertsangehören mögen, und Grundrisse von Gewölbereihungen in dreieckigen, viereckigen, achteckigen, sechs-eckigen und runden Gewölberäumen (und zwar im scheitrechten, wie im gewundenen), Gewölbconftruc-Lionen achteckiger Kirchenchöre, zwei Gewölbeconstructionen mit Auftrag der Schenkel in den Aufriß,ferner Maaßwerk für spitzbogige und rundbogige, wie auch für ganz runde Fenster, und endlich eineZeichnung enthalten, welche ich für sehr wichtig halte, da sie Linien-Schema's darstellt, welche sich ohneZweifel auf die Höhenverhältnisse der Aufrisse beziehen.
m. Schriften und Bücher mit Zeichnungen und Abbildungen.
1. Das von dem, für die geometrische Begründung der gothischen Architektur so sehr verdienten, verleb-ten Stieglitz theilweife veröffentlichte Manuskript mit Federzeichnungen aus der Mitte des 17 . Jahr-hunderts, welches Regeln für Grund-und Aufriß-Construction gothischer Kirchen und zugleich mehreretechnische Ausdrücke enthält. Dazu gehört der bis jetzt nicht veröffentlichte Theil, welcher Construc-tionen von Gewölbereihungen und den Auftrag der Gewölbe-Schenkel in den Aufriß enthält*).
*) Letzteren Theil erhielt ich durch dritte Hand zur Einsicht, nämlich durch Herrn Bauinspector von Lafsaulx zu Eoblcnz, welchem derselbe von Stieglitz mitgetheiltworden war.