I. Alte Steinmetz - Meisterstücke.
Als Modelle*).
1 . Fragmente eines Alabaster-Modells eines Kirchenchores aus dem Achtecke (in einzelnen Baustein-Schichten zum Zusammensetzen), welche zwei Strebepfeiler nebst den angrenzenden Mauer- und Fenster-Theilen, mithin die vollständige Construction des Aeußern wie des Innern (namentlich des Dienstesmit dem Gewölbanfange) enthalten. Dieses Modell harmonirt vollkommen mit den unter il 1 und 2aufgeführten Meisterzeichnungen.
2. Alabaster-Modell der Anfänge eines Kreuzgewölbes in einem Dblongum ohne Gewölbekappen, mitden angrenzenden Mauertheilen (in zwei Steinschichten), welches außer der Diagonalrippe auch zweiMauerrippen enthält.
3. Alabaster-Modell der Anfänge eines Kreuzgewölbes in einem Dblongum, welches sich von dem vorher-gehenden dadurch unterscheidet, daß es auch die Anfänge der Gewölbekappen enthält.
4. Alabaster-Modell der Gewölbanfänge eines Rechtecks ohne Gewölbekappen, mit den angrenzendenMauertheilen (in drei Steinschichten), welches außer zwei Mauerrippen auch zwei Gewölberippen,statt einer Diagonalrippe, enthält.
5. Einzelne Modellstücke von Alabaster, welche Gewandstücke und Gewölberippen, so wie den Schlußvon drei, und von acht zusammenlaufenden Gewölberippen enthalten.
6. Blei-Chablonen, von welchen drei aufeinander passende Stücke die Construction der Choreck-Strebe-pfeiler einschließlich der Fenstergewandstücke und des Dienstes nebst dem Gewölbanfange enthalten.Ein Stück enthält die Construction des Gewölbanfangs eines Dblongum's. Andere Stücke enthaltenFenster-Gewände-und-Gesimse, Zusammenstoß und Schluß der Gewölberippenrc. In den Figuren 4und n6 4 des VorlegeblaLtes XIII. 6 sind zwei dieser Chablonen in derselben Größe wiedergegeben.
7. Vollständiges Holz-Modell der Bretter - Verschalung für die Gewölbe-Reihungen eines achteckigenKirchenchores, nebst dem auf das Grundrißbrett mit der Feder und Tusch gezeichneten Grundrisse desChors, und der Inschrift: „Johann Wolfgang Völckel, Steinmetzen-Meisterstück. 6.6. Nov. 1755."
L. Als Zeichnungen **).
1. Aufrißconftruction des achteckigen Kirchenchores. Diese Zeichnung mag aus dem Anfange des 17. Jahr-hunderts stammen, und die darauf geschriebenen Bemerkungen dürften vielleicht noch neuer sein, unge-achtet sie nach ihrem, manche Aufschlüsse enthaltenden, Inhalte offenbar auch von der Hand einesSteinmetzmeifters herrühren.
2. Grundrißconstruction des achteckigen Kirchenchores aus der Quadratur (oder Uebereckstellung derQuadrate über einander), welche die Bestimmung der Mauerstärke nach der Größe des Ganzen, undin der, aus der Mauerdicke construirten, kleinen Quadratur zugleich die Regeln für sämmtlicheGlieder des Ganzen enthält.
3. Grundrißconstruction des Kreuzgewölbes in einem Dblongum, mit der kleinen Quadratur (in derMauerdicke) für die einzelnen Glieder, so wie mit dem Auftrage der Gewölbe-Schenkel in den Aufriß,deren Anfänge aus drei Steinschichten bestehen. Diese Meisterzeichnung stimmt im übrigen mit demunter x. 3 aufgeführten Meisterstücke auf das genaueste überein.
4. Grundrißconstruction einer Gewölbereihung aus dem Sechseck in einem Rechtecke, gleichfalls mit derkleinen Quadratur in der Mauerdicke. Dieses Blatt enthält außerdem die Zeichnung einer großenQuadratur für die Construction einer Gewölbereihung in einem Rechtecke aus dem Achtecke. BeideGewölbeconftructionen sind in verkleinertem Maaßftabe in den Figuren 2 und n6 2 des Vorlege-blatts xm.L wiedergegeben.
5. Quadratur innerhalb eines Kreises für die Construction einer Gewölbereihung aus dem Sechseck,mit drei kleinen Quadraturen, und mit dem Auftrage der Schenkel in den Aufriß.
*) Den Besitz dieser von 1 bis 7 aufgeführten achten, alten Meisterstücke verdanke ich theils meinem Freunde, Architekten Herrmann Keim in Regensburg ,tkeils dessen Vater, Herrn Regierungs - und vormaligen Kreisbau-Rath Keim in Triestorf bei Ansbach , der so manche Restaurationen und Erneuerungen gothi-scber Kirchen in Bayern (z. B. der Liebfrauenkirche zu Nürnberg ) zu einer Zeit leitete, wo dieselben noch keineswegs an der Tagesordnung waren, welcher dieaufgezählten Meisterstücke in Nürnberg selbst erwarb, und dem ich für die mir in jüngeren Jahren bewiesene, belehrende Aufmunterung in Sachen der Architccturzu stetem Danke verpflichtet bleiben werde. Ergänzende Stücke zu den unter No. 1 aufgeführten Fragmenten befinden sich meines Wissens im Besitze des ch>errnGallerie-Directors Reindel in Nürnberg , und des Herrn Domanenraths Keim in Negcnsburg.
**) Die Mittheilung der von 1 bis 5 aufgeführten Original-Meisterzeichnungen verdanke ich dem als Altcrthumsforschcr und Sammler bekannten Herrn vonNeider, königl. Lehrer an der technischen Zeichnungsschulc zu Bambcrg, welcher dieselben theils zu Nürnberg , theils zu Bambcrg erwarb, und mir gestattete,genaue Copicn davon zu nehmen.