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Gothisches ABC-Buch, das ist: Grundregeln des gothischen Styls für Künstler und Werkleute / von Friedrich Hoffstadt
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172
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Stellung, die, in der hier construirten, kleinen Quadratur enthaltene, Gestalt haben, und der, weiter oben in derBogenkrümmung dargestellte Durchschnitt sich auf die, im Quadratur-Rippenstücke in der Linie vab enthaltene,Stelle bezieht, indem diese Distanzen ea b den, in der Grundrißsigur 2 gleichfalls mit 6 ub bezeichneten, Distanzenvollkommen entsprechen.

5. Constructicm der Holz-Decken.

ie Holzdecken sind entweder flache, sogenannte getäfelte, oder gewölbte Decken. Von der erster» Art^ wurde bereits oben im Vorlegeblatte vm Figur ud 3 ein ganz einfaches Beispiel gegeben. Ebendaselbst

wurde auch die Behandlung der Schafte, welche größere solcher Decken stützen, von Stein oder Holz,mit und ohne Bügen gezeigt (Seite 37 bis 44). Hier sind nun in den Figuren 8 und 9 Beispiele getäfelter Decken^ s. im reichen Style gegeben. In Figur 8 habe ich eine solche entworfen, deren Ausführung auf verschiedene Art^.al, 8 . denkbar wäre. Das Profil der sich kreuzenden Balken und Pfosten ist in den beiden Figuren 8 gegeben,nämlich der Durchschnitt des profilirten Balkens ist mit a d bezeichnet, und der Durchschnitt der Pfosten mit e cl,welche beide Distanzen auch im Grundriß (Figur 8 ) mit den nämlichen Buchstaben markirt sind. Man könnte dieganze Decke von Holz bilden, nämlich das Maaßwerk innerhalb der viereckigen Felder würde aus dünnen Bretterngeschnitzt, welche sodann auf die Grund-Bretter geleimt würden. Man könnte aber auch, wenn man eine solchegetäfelte Decke in einem modernen Gebäude anbringen wollte, die Grund-Bretter ganz weglassen, und diedurch die Durchbrechungen sichtbare Weißdecke lediglich mit blauer oder rother Farbe grundiren. Noch einfacherund wohlfeiler wäre das Verfahren, wenn man nur die Balken und Pfosten an der Decke anbrächte und dieganze Verzierung der viereckigen Felder auf die Weißdecke malte, nämlich das Maaß- und Laub-Werk mitHolzfarbe und den Grund mit einer bunten Farbe. Uebrigens leuchtet von selbst ein, welch' reichen Schmucksolche geschnitzte Holzdecken fürstlichen Sälen verleihen würden, besonders, wenn man sie nach der Art derAlten polychromisch behandelte, und mit reicher Vergoldung versähe. Als Beispiel hierfür können die getäfelten,zum Theil mit holzgeschnitzten Heiligenfiguren gezierten, bemalten und vergoldeten Decken im Schloß zu Füßen,oder in der Feste zu Salzburg dienen. Die, in Figur 8 gegebene, Decke ist übrigens nur als Zimmerdecke gedacht.Wollte man ein ähnliches Muster für größere Säle anwenden, so könnten auch Decken-Schäfte angebrachtwerden, welche alsdann an den Kreuzungsstellen der Tragbalken da, wo hier das Wappen sich befindet, stehenwürden. Eine andere Art getäfelter Decken besteht in der gewölbartigen Anordnung der Holzpfosten, welche in^. 9 . Figur 9 gezeigt ist. Schon oben wurde bemerkt, daß dieser Decken-Grundriß ebenso gut auch ein Gewölb-Grundriß (im reichen Style) sein könnte. Bei der Anwendung für getäfelte Decken kann man bei sehr großenRäumen mehrere solcher Quadrate, wie das hier in Figur 9 gegebene, aneinandersetzen, so daß die eigentlichenTragbalken sich viereckig durchkreuzen, und nur die einzelnen Felder mit gewölbartig angeordnetem Pfostenwerkausgefüllt würden. Die Figur 9 enthält zugleich eine passende Anbringung von Wappen. Die zweite Hauptartder Holzdecken bilden die gewölbten Decken, welche häufig nach Art der Tonnengewölbe in runden Bögen (oftnach einem Zirkelsegment) bestehen, und mit gegliederten Rippen bedeckt sind, die sich gewölbartig durchkreuzen.Ein Beispiel dieser Art bildet der (zu Ende des fünfzehnten Jahrhunderts decorirte) Rathhaussaal zu München .Auch giebt es gewölbte Decken, die nach dem dreitheiligen Bogen (Vorlegeblatt iv, Figur 18 ohne die Spitze o)gebildet sind, dessen Kanten (A und k ebendaselbst) dann mit Pfosten besetzt werden. Eine solche Holzdeckebefindet sich in einem alten Gebäude zu Heilsbronn . Bildungen gewölbter Holzdecken wären daher auch nachfünf- oder mehr-theiligen Bögen denkbar. Eine besondere Art hölzerner Bedeckungen entsteht endlich durch die, imInnern sichtbaren und verzierten Dachbalken, welche vorzugsweise im altitalienischen Rundbogen-Styl vorkommen,und demnach nicht hierher gehören. Dagegen verdienen der Erwähnung ähnliche Gestaltungen, welche im englisch-gothischen Style, und zwar häufiger in der nicht kirchlichen Architektur bei großen Hallen, in einer oft sehr eigen-thümlichen und malerischen Ausbildung, mit kunstreichem Sprengwerk und Verzierung der Balken und Füllungen(auch mit durchbrochenem Maaßwerk) vorkommen. Beispiele dieser Art in Deutschland dürften zu den Seltenheitengehören, indem hier nur die alten Basiliken des vorgothischen Styles flache Holzdecken hatten. Was schließlicheigentliche Holzgewölbe betrifft, so kommen außer den reichverzierten englischen auch ganz gewöhnliche, hölzerneKreuzgewölbe in niederländischen Kirchen vor, welche keinen andern Grund als den der Ersparung, oder auchdie oft allzu große Breite der Schiffe für sich zu haben scheinen, demnach nicht zu den empfehlungswerthen Erschei-nungen gehören.