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Gothisches ABC-Buch, das ist: Grundregeln des gothischen Styls für Künstler und Werkleute / von Friedrich Hoffstadt
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6. Mannigfaltige Ableitung der Grundriß-Construction der Rirche aus der Gerechtigkeit des Chores, entweder aus seiner

(Quadratur oder Criangularur.

en in - Figur 1 dargestellten Grundriß einer Kirche habe ich theils nach den Regeln des, im Vorlege- 8. i.(H H blatte xm. 6. enthaltenen, alten Chorgrundrisses, theils nach jenen des mehrerwähnten, alten Manu-

scriptes, theils nach denjenigen Verhältnissen entworfen, welche aus den Chorgrundrissen unserer Domehervorgehen, und nachher naher erläutert werden. Was zunächst die Grundrißconftruction des Chores betrifft,so zeigen seine blinden Linien im Achtortschluß, daß derselbe nach der, in Figur 1 des Vorlegeblattes xm. 8.gegebenen, Regel der Quadratur construirt ist. Die im äußersten, linken Quadratureck lothrecht aufgeführte,blinde Linie giebt den Anhaltspunkt, wie weit der Eckftrebepfeiler vorstehen darf, und bestimmt demnach dessenLänge, während die Pfeilerftärke der Mauerstärke pp ycj gleich ist, und die Pfeilerlänge, wie im Grundriß desVorlegeblattes xm. k. normirt wurde. (Mauer- wie Pfeiler-Stärke ist aber in der Distanz 6 oo der Chor-Quadratur enthalten.) Die Quadratur zu den einzelnen Gliedern befindet sich in der linken Chormauer. Die lichteWeite der Fenster, einschließlich ihres Gewandes, ist durch die äußersten Quadraturvorsprünge normirt, wie andem Vorfprung auf der linken Seite sichtbar ist und auch an der mit nun markirten Stelle sich zeigt. In dieserArt sind auch auf dem Grundriß des oben Seite 65 unter X . 7 aufgeführten, alten Holzmodells der Bretter-verschalung des Chorgewölbs die Fensterweiten bestimmt. Aus letzterem Grundriß habe ich auch die hier gegebeneGewölbreihung des Chores genommen, mit der einzigen Modifikation, daß dort die hier mit k i und o i bezeichnetenGewölbschenkel fehlen, welche ich deßhalb hinzufügte, um die Chorreihung mit der ziemlich reichen Gewölbreihungdes Langhauses mehr in Einklang zu bringen, indem erstere außerdem etwas zu mager im Vergleiche zu letzterergewesen wäre. Der Auftrag der Chorgewölb-Schenkel ist, in Uebereinstimmung mit der Gewölbverschalung deserwähnten, alten Holz-Modells in den Figuren 1 gezeigt. Trage aus dem Grundriß die lichte Chorweite 8. «<r i.nu § in die Figur 1 über, wo sie die Distanz x y bildet. Trage ferner aus dem Grundriß die Gewölbpunktek, n und A in die Figur ncl 1, wo sie die lothrechten, blinden Linien kp, nr und bilden. Der Hauptlehr-bogen, nach welchem alle Rippenstücke gearbeitet werden, ist auch hier nach demjenigen Schenkel gesucht, welcher sicham längsten zum Centrum des Gewölbes erstreckt, also nach dem Schenkel k i. Trage also die Distanz !i i aus demGrundriß in die Figur 1 von p nach i, und beschreibe aus p den halben Quadranten von k bis zum zweiten i,welcher von k bis k ganz, und von k bis i nur blind gezogen ist, insofern man nämlich (wie im alten Gewölbmodell)den Schenkel k i in der wirklichen Ausführung weglassen will. Dieser Quadrant giebt zugleich die Höhe p ti desGewölbmittelpunkts. Ferner trage aus dem Grundriß die Gewölbschenkel-Distanzen Imi in die Figur nd 1über, wo sie die lothrechten, blinden Linien j, m und bilden. Nachdem so die Entfernungen der Gewölbschenkel-Punkte von einander aus dem Grundriß in den Aufriß aufgetragen, d. h. übergetragen worden, bleibt noch dieBeschreibung der Bögen der Schenkel übrig, welche sämmtliche durch den halben Quadranten von k bis zum zweitenj normirt sind. Dieser Quadrant enthält den Gewölbschenkel k k, wie den Gewölbschenkel k i. Mit Oeffnung desZirkels nach der Distanz k xr (d. h. derjenigen, mit welcher der halbe Quadrant gezogen ist) beschreibe sofort alleübrigen Gewölbschenkel, nämlich aus kx und k q, dann aus A r und A i (dem dritten L) die auf der Grundliniex i (dem dritten i) befindlichen Kreuzschnitte, und aus letzteren die Gewölbschenkel x k und ti c^, welche die ganzelichte Weite des Chores enthalten, dann rK und Ai , nämlich den Schildbogen, dessen, durch die blinden Linienm und Ay bereits normirte, halbe Breite mit der Grundrißdistanz Ar oder A'i ohnehin gleich ist, und dessenHöhe y «- durch den, aus dem Grundriß übergetragenen Punkt n bestimmt wird, welch' letzterer sich durch dieKreuzungsstelle der blinden Linie n r und des Bogens tiy von selbst ergiebt. Der Bogen xkq ist demnachein so flacher Spitzbogen, daß er fast dem Rundbogen gleich kommt. Zum bessern Verständniß habe ich die, imGrundriß mit Imi und Iiki markirten, Gewölbschenkel im Aufriß nochmals gesondert neben die Figur ials die Gewölbschenkel 1 mi und kki (nebst ihren Kreuzschnitten auf der Grundlinie) hingezeichnet. Endlich ist nochder Auftrag der, im Grundriß mit kmo bezeichneten, Gewölbschenkel zu erklären. Ihre Höhenlage ergiebt sichaus dem Punkte w, welcher durch den Schenkel Imi bereits gefunden ist, indem letzterer den im Aufriß imit m bezeichneten Gewölbschenkelpunkt bereits enthält. Ziehe daher aus diesem Punkte m eine wagrechte Linieseitwärts (hier links), und trage auf dieselben die Gewölbfchenkeldistanzen k m o, welche demnach (in dieser sobestimmten Höhe) eine gerade Linie bilden. Was nun die Erklärung der Art betrifft, wie sich aus dem Chor-grundriß die übrigen Verhältnisse der Kirche entwickeln, so können aus einem und demselben Chorgrundrisse dieübrigen Grundrißverhältnisse des Langhauses und seiner Flügel auf die verschiedensten, mannigfaltigsten Artenabgeleitet werden. Zuerst führe ich die Regeln an, welche das alte Manuskript für die Construction des Langhausesin folgendem giebt:Das Langhaus richtet sich mit seinen Schäften nach dem Chöre und wird diesem an Weite